Ludwigsburg Kitas im Landkreis: Hunderte Familien und Fachkräfte protestieren

Von Hannah Reutter
Viele Familien, Erzieherinnen und Erzieher haben auf der Bärenwiese demonstriert. Foto: /Martin Kalb

Am Samstag machten Eltern, Erzieherinnen und Erzieher auf der Bärenwiese ihrem Ärger Luft. Im Herbst soll der Protest vor den Landtag in Stuttgart getragen werden.

Es war ein lautes und buntes Zeichen der Verzweiflung und des Protests: Mit Kinderwagen, Trillerpfeifen und klaren Botschaften auf selbstgemalten Plakaten haben am Samstag hunderte Menschen auf der Ludwigsburger Bärenwiese gegen die Situation in den Kindergärten demonstriert. Die Botschaft der Eltern, Kinder und Erzieherinnen aus dem ganzen Landkreis war unmissverständlich: Die frühkindliche Bildung stehe vor dem Kollaps.

Organisiert vom Landkreis-Elternbeirat Ludwigsburg (LKEBK), der auch die Interessen der Familien aus Bietigheim-Bissingen, Sachsenheim und Umgebung vertritt, richtete sich der Protest gegen folgende Situation: zu wenige Betreuungsplätze, chronisch überlastetes Personal und eine systematische Unterfinanzierung durch Bund und Land. Unterstützt wurde die Aktion von den Gewerkschaften IG Metall und Verdi.

OB hielt eine kämpferische Rede

Für den wohl eindrücklichsten Moment sorgte der Ludwigsburger Oberbürgermeister Dr. Matthias Knecht. In einer kämpferischen Rede fand er klare Worte für die Misere, die auch die Kommunen im Umland von Bietigheim-Bissingen an ihre Grenzen bringe. „Wir brauchen die Kitas, weil die Chancengleichheit für Kinder entscheidend ist – sie sind die Zukunft unserer demokratischen Gesellschaft“, rief Knecht den Demonstranten zu.

Er prangerte die mangelhafte finanzielle Ausstattung durch Bund und Land scharf an. Die Kommunen blieben auf den Kosten sitzen. „Wir bauen Schulen und Kitas für 60 bis 70 Millionen Euro. Aber die Baukostenzuschüsse vom Bund liegen bei nur neun oder zehn Prozent – das kann so nicht sein“, sagte der OB. Die Städte müssten dies über Gewerbe- und Grundsteuern finanzieren. „Das ist ungerecht.“

Sein Appell gipfelte in einem Aufruf, den Protest auf die nächste Stufe zu heben: „Wir müssen in aller Macht Richtung Stuttgart und Berlin agieren. Wir müssen mit 1000 Eltern und 100 Bürgermeistern vor dem Landtag sein – gemeinsam, mit dem Städtetag und dem Gemeindetag, für unsere Kinder.“

Auch die emotionale Abschlussrede der Organisatorin Miriam Rieck vom LKEBK machte deutlich, wie ernst die Lage ist. „Jede Rede, jeder Wortbeitrag hat gezeigt, wie die Realität in unseren Kitas aussieht – bei den Familien, bei den Fachkräften. Aber das war erst der Anfang.“ Der Landkreis-Elternbeirat kündigte an, im Herbst eine Großdemonstration direkt vor dem Landtag in Stuttgart zu organisieren, um den Druck weiter zu erhöhen.

Bundestagsabgeordneter vor Ort

Unterstützung kam auch aus der Bundespolitik. Der Ludwigsburger SPD-Bundestagsabgeordnete Macit Karaahmetoglu sicherte den Familien seine Hilfe zu: „Die Stimmen der Familien müssen endlich in der Politik gehört werden. Frühkindliche Bildung darf kein Sparbereich mehr sein.“

Zum Abschluss ein Eis

Trotz der ernsten Themen war die Demonstration von einem starken Gemeinschaftsgefühl geprägt. Während die Erwachsenen den Reden lauschten, sorgten ein Clown und ein Zauberkünstler für Unterhaltung bei den Kleinsten, die sich zum Abschluss über ein Eis freuen durften.

Während die Kinder später erschöpft in ihren Kinderwagen saßen, nahmen die Eltern mehr als nur müde Füße mit nach Hause: die klare Entschlossenheit, nicht länger auf politische Versprechen zu warten.

 
 
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