Von „Premierenfieber“ sprach Heinz-Werner Schulte, der Chef der Kreissparkasse Ludwigsburg, als er am Montagabend die Gäste im Louis-Bührer-Saal begrüßte. Zum ersten Mal veranstaltete die Kreissparkasse ihren „Jahresauftakt“, wie sie den Neujahrsempfang nennt. Geladen hatte sie vor allem Männer und Frauen aus den Reihen der Wirtschaft. Denn auf deren Belange „wollen wir das Scheinwerferlicht richten“, sagte Schulte.
Ludwigsburg Krise als Chance für Veränderung nutzen
Monika Schnitzer und Emese Weissenbacher sind Spitzenkräfte der Wirtschaft. Sie referierten beim Jahresauftakt der Kreissparkasse.
Für „Impulse und Inspiration“, die der Kreissparkassenchef ankündigte, sorgten die Vorträge zweier Frauen, die je auf ihre Weise an der Spitze wirtschaftlicher Organisation stehen: Prof. Dr. Dr. h.c. Monika Schnitzer, die Vorsitzende der fünf „Wirtschaftsweisen“ und Emese Weissenbacher, Vizepräsidentin des Ludwigsburger Filtrationsspezialisten Mann+Hummel und dort Leiterin des operativen Geschäftsbereiches.
So unterschiedlich ihre Vorträge waren, ihr Fazit ähnelte sich: Die Welt ist unsicher geworden, politisch und wirtschaftlich, das Land steckt in der Krise. Aber diese Krise ist eine Chance für Veränderung, die man nutzen muss. Schnitzer endete ihren Vortrag mit einem berühmten Zitat von Winston Churchill: „Never let a good crisis go to waste“, verschwende nie eine gute Krise.
Aus Sicht der Vorsitzenden der Wirtschaftsweisen werden „die Karten neu gemischt.“ Das Geschäftsmodell Deutschlands als Exportweltmeister funktioniere nicht mehr. Deutsche Produkte seien nicht nur teuer, aus Sicht der Kunden, vor allem in China, fehle es ihnen an Innovation. Der Dollar und die chinesische Währung Yuan werten ab. „Der Wachstumsmotor stottert“, die Beschäftigung im verarbeitenden Gewerbe geht zurück.
Um rund 0,9 Prozent werde das Bruttoinlandsprodukt 2026 wachsen, sagen die Wirtschaftsweisen vorher. Ein Drittel dieses Wachstums geht auf das 500 Milliarden Euro schwere Finanzpaket des Bundes, das so genannte Sondervermögen zurück, führte sie aus. Die Bauausgaben werden laut Schnitzer real „gewaltig steigen“, ein Preisanstieg von rund 3,5 Prozent bereits eingerechnet. Das hilft.
Doch mit dem Sondervermögen sind auch einige finanzielle Tricks verbunden, erläuterte Schnitzer. Beispiel Bahn. Für deren Sanierung stehen dort 9,2 Milliarden Euro bereit. Aus dem Kernhaushalt des Bundes kommen von dort weitere 12,4 Milliarden Euro.
In ihrem letzten Haushalt hatte die Ampel-Koalition allerdings bereits 18,1 Milliarden Euro für die Bahn vorgesehen. Netto bedeutet dies im Sondervermögen ein Plus von 3,5 Milliarden Euro. „Da ist etwas verschoben worden“, sagte Schnitzer. Ähnliche Vorgänge erkennt sie im Bereich der Rüstungsfinanzierung. Der Wachstumseffekt könnte ihrer Ansicht nach deshalb deutlich höher sein.
Für Europa ist die Krise die Stunde, um zusammenzustehen, fuhr Schnitzer fort. Das Mercosur-Abkommen mit den Ländern Südamerikas sei ein Schritt in die richtige Richtung. Doch auch innerhalb Europas selbst müssen die Handelshemmnisse abgebaut werden. Bisher stabile Regionen in Deutschland werden vom Strukturwandel „hart getroffen“ werden, sagte sie voraus, darunter die Regionen mit starker Automobilindustrie.
Wie sich Mann+Hummel diesem Strukturwandel stellt, war im Wesentlichen der Inhalt des Vortrags von Emese Weissenbacher. In dem Konzern mit weltweit 21.000 Mitarbeitern und einem Umsatz von 4,5 Milliarden Euro sei dafür „viel Lehrgeld gezahlt“ worden. Das Unternehmen löse sich aus der Abhängigkeit vom Pkw. Internationalisierung und ein „anorganisches Wachstum“, also Zukäufe, stehen im Vordergrund.
„Wir sind mittendrin in der Transformation vom Automobilzulieferer zum Technologieunternehmen für Filtration“, fuhr Weissenbacher fort. Um in diesem Prozess voranzukommen, brauche es Mut und eine Änderung der Unternehmenskultur: Kundenverliebtheit statt Technikverliebtheit, Innovation statt Null-Fehler-Politik.
Dazu wurden im Unternehmen beispielsweise neue Führungsqualitäten definiert und eine eigene Talentschule gebildet. Nötig seien strategische Vorstellungskraft und schnelle Entscheidungsfähigkeit, auch in unsicheren Zeiten. Es sei falsch zu hoffen, dass der Sturm vorübergeht. „Es geht darum, im Sturm zu wachsen.“
