Ludwigsburg Marschmusik und Fackelschein

Von Michael Soltys
Das feierliche Gelöbnis im Schlosshof fand zu Klängen des Heeresmusikkorps Ulm statt. Foto: /Oliver Bürkle

Im Innenhof des Schlosses legten rund 250 junge Frauen und Männer der deutsch-französischen Brigade das Gelöbnis als Soldaten der Bundeswehr ab.

Militärische Kommandos schallten am Mittwochabend durch den Innenhof des Schlosses in Ludwigsburg. In einem weiten Rechteck hatten sich rund 250 Rekruten aufgestellt, um bei Fackelschein ihr feierliches Gelöbnis abzulegen. Die jungen Frauen und Männer verpflichten sich damit, „das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen“, so der Text des Gelöbnisses. Unter den Klängen traditioneller Militärmärsche des Heeresmusikkorps Ulm wurden die Fahnen der Truppen in den Hof getragen.

Rund 800 Angehörige und zahlreiche Ehrengäste wohnten dem Gelöbnis bei, das für die Bundeswehr eine Gelegenheit ist, sich in der Öffentlichkeit zu präsentieren und für den Dienst in der Truppe zu werben. Überall in Deutschland fanden zur selben Zeit ähnliche Veranstaltungen statt. In Ludwigsburg wurden sie begleitet von dem Protest einer kleinen Gruppe von Kriegsdienstgegnern, die sich vor dem Zugang zum Schloss mit Plakaten positioniert hatte.

Ort bewusst gewählt

Der Ort und das Datum des feierlichen Gelöbnisses in Ludwigsburg waren bewusst gewählt. Auf den Tag genau 70 Jahre war es am Mittwoch her, dass junge Männer zu der 1955 neu gegründeten Bundeswehr einrückten und ihr feierliches Gelöbnis ablegten. Und rund 63 Jahre ist es her, dass der damalige französische Präsident Charles de Gaulle an gleicher Stelle seine Rede an die deutsche Jugend hielt und damit einen Grundstein für die deutsch-französische Freundschaft legte.

Daran erinnerte der baden-württembergische Innenminister Thomas Strobl in seiner Rede an die Truppe. Diese Freundschaft wird für Strobl verkörpert durch die deutsch-französische Brigade, der sowohl das Artilleriebataillon 295 als auch das Jägerbataillon 292 angehören. Aus deren Reihen stammen die Rekruten.

„Ohne Sicherheit gibt es keine Freiheit“, sagte Strobl in seiner Ansprache. Dieser Gedanke sei angesichts der Bedrohung durch Russland aktuell. Umso wichtiger sei es, dass sich Menschen aus Überzeugung für das Militär entscheiden. Mit dem feierlichen Gelöbnis in der Öffentlichkeit bekommen die jungen Frauen und Männer die „Wertschätzung, die sie verdienen.“

Strobl: Auf USA kein Verlass mehr

„Wir führen keinen Krieg, aber Russland führt Krieg gegen uns“, fuhr Strobl fort, durch Sabotage, durch Drohungen, durch Spionage und Propaganda. „Die Art, wie wir leben, wird angegriffen.“ Europa müsse seine Sicherheit in die eigene Hand nehmen. „Wir können es uns nicht länger unter dem Schutzschirm der Amerikaner bequem machen“. Auf die USA sei kein Verlass mehr. In dieser Situation sei es wichtig, eine Debatte über die Wehrpflicht oder ein allgemeines Gesellschaftsjahr, für das er stehe, zu führen.

Gemeinsam mit Oberst Heiko Bohnsack, dem stellvertretenden Kommandeur der deutsch-französischen Brigade, und dem Kommandeur, Brigadegeneral Elias, schritt Strobl die Formation der Soldaten ab. Oberst Bohnsack machten den jungen Rekruten den Ernst ihres Gelöbnisses deutlich: Die Freiheit zu verteidigen bedeute im Ernstfall den Einsatz im Krieg. „Wir wollen keinen Krieg, aber wenn er uns aufgezwungen wird, wollen wir ihn gewinnen“, sagte er. Tapfer zu sein, bedeute das Richtige zu tun, trotz der Angst, die damit verbunden ist. Damit griff er den Text des Gelöbnisses auf.

Als Nächstes Gefechtsdienst

Die jungen Rekruten haben die ersten Ausbildungsschritte bereits hinter sich: Schulungen in Erster Hilfe und der Versorgung von Verwundeten. Und sie haben schon erste Kontakte mit Waffen gehabt. Daran erinnerte eine 18-jährige Abiturientin, die sich direkt nach dem Gymnasium freiwillig gemeldet hatte: Kanonier Klapper. Jetzt stehen Biwak und Gefechtsdienst bevor.

 
 
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