Ludwigsburg Mit der Drohne über die Karlskaserne

Von Lisa Lorenz
Drohnenpilot Simon Ziegler (rechts) beim Starten der Drohne im Hof der Karlskaserne. Mit im Bild sind Thomas Fleischer und Andrea Schwarz. Foto: Andreas Essig

Seit sechs Jahren arbeitet die Stadt für Vermessungen und Dokumentation mit einer Drohne. Zuletzt wurde sie für ein dreidimensionales Modell der Karlskaserne gebraucht.

Auf den Dächern der  Karlskaserne sollen Fotovoltaikanlagen angebracht werden. An der Reithalle ist ein Foyer-Anbau geplant. Für solche Planungen sind Vermessungen nötig – aber wie geht man diese an? In Ludwigsburg werden dafür Drohnen eingesetzt.

Für einen klassischen Vermessungstrupp müssen, je nach Standort, Bereiche gesperrt werden, weiß der Abteilungsleiter des Teams für Stadtplanung, Mobilität und Geoinformation der Stadt Ludwigsburg, Thomas Fleischer. Dann würden vom fraglichen Gebäude beispielsweise zwei Fenster vermessen – nur, damit man am nächsten Tag merke, dass man doch noch die Maße eines weiteren brauche. Die Auswertung dessen dauere dann auch noch mal eine Woche. „Schneller, effizienter und weniger gefährlich für die Vermesser“ geht das mit einer Drohne, sagt Baubürgermeisterin Andrea Schwarz. Absperrungen der Vermessungsbereiche fallen damit beispielsweise weg.

Bereits seit Oktober 2021 nutzt die Stadt deshalb eine Drohne für ihre Arbeit – sei das bei Straßensanierungen, Schulen oder anderen städtischen Gebäuden, zu Dokumentationszwecken bei größeren Festen, Krähennestern, zur Baustellendokumentation (so bei der Sternkreuzung und dem Arsenalplatz), und „überall sonst, wo man schlecht oder nur schwierig hinkommt“, erklärt Vermessungsingenieur und Drohnenpilot Simon Ziegler. Auch bei dem kürzlich abgebrannten Dachstuhl in Kleiningersheim (die BZ berichtete) kam die Drohne zum Einsatz.

Für die geplanten PV-Anlagen auf den südlich ausgerichteten Dächern der Karlskaserne ist die Drohne des Modells DJI Mavic 3M kürzlich über diese geflogen. Mit ihren aufgenommenen Bildern wurde ein dreidimensionales Modell erstellt. Für den geplanten Foyer-Anbau im Zuge der Forumssanierung wurde die Fassade der Reithalle beflogen und ein Fassadenplan erstellt. Dieser ist so genau, dass man selbst Risse in Fensterbögen oder die Einsatztiefe der Tür erkennt, so Andrea Schwarz.

Die Steuerung der Drohne ist dabei laut Ziegler „sehr intuitiv“, erforderte aber einen Großen Drohnenführerschein beim Luftfahrt-Bundesamt. Die generelle Flugerlaubnis wurde für ganz Baden-Württemberg beim Regierungspräsidium eingeholt. Jeder städtische Drohnenflug wird auf der Website der Stadt angekündigt, wenn der Flugplan über kritische Infrastruktur verläuft, wird vorher auch mit dem jeweiligen Betreiber Kontakt aufgenommen. „Es ist nicht so, dass wir kommen und einfach hochfliegen“, sagt Ziegler.

Abklärungen vor dem Start

In einem Onlineportal müsse man zunächst prüfen, ob man überhaupt gerade fliegen darf – Einsätze von Polizeihubschraubern und Helikoptern können dem in die Quere kommen. Auch der Flugplatz Pattonville ist zu beachten, darüber hinaus die Wasserstraße auf dem Neckar, Infrastruktur mit Hochspannung und Naturschutzgebiete. Das sei eine ganze Liste, die vor jedem Flug abgearbeitet werden müsse, aber mittlerweile habe man Routine. Meist fliege man auch mit einer Flugplanung, das heißt, vor dem Flug wird festgelegt, in welcher Höhe geflogen wird, wie viele Kilometer zurückgelegt werden und wo der Start- und Zielpunkt liegt. Diese Planung helfe später auch bei der Auswertung im Innendienst. Passanten würden schon öfter nachfragen, sagt Ziegler, aber die Stadt setze hier auf Transparenz. Man erkläre den Leuten, um was es geht und habe auch immer eine Ansprechperson parat. „Man darf auch bei der Polizei anrufen und nachfragen, die wissen auch über die Flüge Bescheid“, so der Drohnenpilot. Die Drohne wird nur „auf Sicht“ geflogen und entfernt sich nicht weiter als 250 Meter weit oder 150 Meter hoch vom Steuergerät und dem Drohnenpilot. Kann deshalb nicht das ganze Aufgabengebiet erfasst werden, werden die Aufgaben zerstückelt, anstatt weiter weg zu fliegen. Anders wolle man das auch gar nicht, sind sich Schwarz und Ziegler einig, denn es ist ihnen wichtig, für die Bürger erkenntlich und ansprechbar zu sein. Hauptsächlich werden städtische Gebiete abgeflogen. Ist am Rand der Bildaufnahmen doch mal ein privater Bereich miterfasst, werde dieser herausgeschnitten, ebenso Autos und Passanten.

Propeller, Kameras und Sensoren

Die Drohne selbst sei ein eher kleineres Modell, für die Zwecke der Stadt aber ausreichend, erklärt Ziegler. Sie ist mit vier Propellern und 360-Grad-Kameras zur Orientierung ausgestattet. An der Unterseite gibt es einen Infrarotsensor für eine sanfte Landung, und an der Oberseite ein hochpräzises GPS.

An der Vorderseite sitzt die Kamera für die Aufnahmen, sie ist mit einem mechanischen Verschluss befestigt und hängt an einem Gimbal, der für ruhigere Bilder sorgt. Die Echtfarbenkamera sei mit einer Auflösung von 20 Megapixeln schlechter als manche Handykameras – hinzu kommt aber beispielsweise auch noch ein Laserscanner, der die Gebäude erfasst. Alle Daten der Drohne werden in eine Software eingespeist und dort miteinander ausgewertet, die Daten bleiben dabei auf dem internen Server.

 
 
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