Ludwigsburg Mit Geständnis Strafe mildern

Von Petra Häussermann
Staatsanwaltschaft und Verteidigung am Landgericht Stuttgart haben sich im Verfahren um einen groß angelegten Handel mit Kokain auf eine Verständigung geeinigt. Foto: /Oliver Bürkle

Staatsanwaltschaft und Verteidigung haben sich im Verfahren um einen Handel mit Kokain auf eine Verständigung geeinigt.

Im Verfahren um den groß angelegten Handel mit Kokain haben sich am Montag Staatsanwaltschaft, Verteidigung und Strafkammer auf eine Verständigung geeinigt. Danach muss der Angeklagte ein umfassendes Geständnis zu seiner Tatbeteiligung an sechs von ursprünglich elf angeklagten Delikten ablegen. Im Gegenzug erwartet ihn eine ‚mildere‘ Strafe.

Unter die Regelung fallen auch die drei Geschäfte mit einem verdeckten Ermittler der Polizei. Der hatte ihm erstmals im Juni 2025 auf dem Parkplatz eines Einkaufszentrums im Ludwigsburg 24.000 Euro für einen ein Kilogramm schweren Block der weißen Droge bezahlt. Drei Monate später erfolgte das gleiche Geschäft noch einmal, von den 24.000 Euro übergab der Angeklagte dem Kurier 18.000 Euro, offenbar der Einkaufspreis plus ein Honorar für den Fahrer, der den hochwertigen Stoff in Brüssel besorgt hatte.

20 Kilogramm waren geplant

Obwohl er von einem unbekannt gebliebenen Geschäftspartner gewarnt wurde, wollte der Angeklagte ein drittes Geschäft über 20 Kilogramm Kokain im Wert von mehr als 400.000 Euro abwickeln. Es kam nicht mehr zustande, weil der Angeklagte Schwierigkeiten hatte, Geld einzusammeln, um den Stoff einzukaufen und seine Partner nicht so viel Drogen gelagert hatten – und weil die Polizei ihn festnahm.

Einer dieser Kurierfahrer zeigte sich bei seiner Zeugenaussage vor Gericht tief enttäuscht. Die beiden kannten sich von einer Tätigkeit für Autovermietungen. Unter der Annahme, weiterhin nur ein ausgemustertes Fahrzeug von A nach B zu überführen, setzte der Angeklagte den 67-Jährigen für Drogen-Kurierfahrten ein.

Danach fuhr er an eine Adresse mitten in Brüssel, gab das Fahrzeug einem Mann, den er als Albaner auf Fotos im Gerichtssaal identifizierte. Dieser fuhr es in eine Tiefgarage und händigte ihm anschließend ein anderes Auto für die Rückfahrt nach Ludwigsburg aus. „Er hat mich beschissen“, sagte der Ältere in Richtung des Angeklagten, „denn er hat mir nicht gesagt, was für Geschäfte er macht“.

„Als Freund war er wunderbar, höflich, tat nie etwas Schlechtes“, betonte der Zeuge auf Nachfragen des psychiatrischen Gutachters. Drogen- oder Alkoholkonsum habe es überhaupt nicht gegeben, der Freund sei immer ausgeglichen gewesen, wenn man sich beinahe täglich begegnete.

Alles durchdacht

Zuvor hatte eine Beamtin des Landeskriminalamtes von den Observationen und dem Einsatz der verdeckten Ermittler berichtet. Ihre Schilderungen zeichnen das Bild eines organisatorisch durchdachten Ablaufs der Drogenbeschaffung, etwa der Einsatz häufig wechselnder Fahrzeuge, die Benutzung von Landstraßen statt Autobahnen und der wiederkehrenden Anweisung des Angeklagten an Fahrer, am Handy keine Details zu nennen.

„Der Angeklagte hatte Geschäftspartner in Albstadt, Metzingen oder Bad Cannstatt, die er immer wieder aufsuchen ließ, um Geld für neue Drogenkäufe einzusammeln, die Erlöse gingen an eine Gesamtkasse in Albanien“, berichtete die Ermittlerin. Er war es auch, der den Kontakt zu dem Ansprechpartner in Brüssel hielt. Wenn etwa eine Fahrt zu lange dauerte, konnte er durchaus ungehalten werden und laut schimpfen. Manchmal allerdings sei er auch verzweifelt gewesen, wenn der Druck aus Albanien stieg, von Hinweisen auf Drogenkonsum konnte auch sie nicht berichten.

 Petra Häussermann

 
 
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