Ludwigsburg Moderne Druiden und ihr Sieben-Stern

Von Helena Hadzic
Hinter den Kulissen: Der Vorsitzende Peter Fischer in der „Innenloge“ der Druiden. Foto: /Oliver Bürkle

Der Vorsitzende der Monrepos-Loge, Peter Fischer, verrät im Gespräch mit der BZ, was seine Loge ausmacht, für welche Werte Druiden stehen und was für Rituale im Verborgenen stattfinden.

So manche Mythen und Legenden ranken sich um die zahlreichen Geheimbünde und Bruderschaften, die der Öffentlichkeit verwehrt bleiben. Was geht in diesen Logen vor sich? Welchen Zweck haben solche Gesellschaften? Und welche Ziele verfolgen die Mitglieder? Diese und weitere Fragen begleiten Logen wie die weltweite Vereinigung des Druiden-Ordens. Ihre Ludwigsburger Monrepos-Loge ist im Haus der Freimaurer-Loge Johannes zum wiedererbauten Tempel untergebracht, das insgesamt sieben Logen beherbergt. Vor zehn Jahren wurde die Monrepos-Loge von der Groß-Loge Baden-Württemberg, der die einzelnen Logen unterstehen, gegründet. In Deutschland gibt es aktuell 64 Logen des Druiden-Ordens – darunter auch vier Frauen-Logen.

Hört man allerdings das Wort Druide, denkt man nicht sofort an eine Loge, vielmehr tut sich das Bild von Miraculix aus Asterix und Obelix auf. Lange weiße Gewänder, lange Bärte sowie lange, weiße Haare – das sind die keltischen Druiden, die man kennt und liebt. Ganz so sehen die modernen Druiden des Ordens nicht aus, wenngleich sich die Brüder, wie sie sich untereinander nennen, auch mal in ihre weißen, knielangen Roben schlüpfen. Jedoch zeigt der Orden eine tiefe Verbundenheit mit den alten Symboliken und Werten der keltischen Druiden, etwa mit der Mistel, die für erneuernde Kraft steht, oder der Sichel, die zielbewusstes Arbeiten symbolisiert, sagt Matthias Meurers, Präsident der Monrepos-Loge. Symbole, die auch für Gründungsmitglied Peter Gerd Fischer entscheidend sind. Seit letztem Jahr ist der Architekt der 1. Vorsitzende der Ludwigsburger Monrepos-Loge, die sich auch wohltätig engagiert – für die BZ hat er Tür und Tor geöffnet, um Licht durch die Nebelwand aus Geheimnissen zu lassen und zu erklären, was der Druiden-Orden eigentlich ist.

Ob sich die Loge selbst als Geheimbund sieht? „Die Menschen sind es, die uns geheimnisvoll werden lassen“, meint Fischer. Stillschweigen von den insgesamt zwölf Mitgliedern in Ludwigsburg werde dennoch erwartet, man setze auf Vertraulichkeit und Gemeinschaft – das zeichne seine und andere Logen aus. „Alles, worüber in der Innenloge gesprochen wird, dringt nicht nach außen“, unterstreicht Fischer. Die Schlagworte seien Brüderlichkeit, Menschlichkeit und Toleranz. Aber was eigentlich ist eine Loge?

Die Definition sei schwierig. Über die Frage habe Fischer nach einem interessanten Gespräch eine ganze Zeit lang nachgedacht. Während eines Biergartenbesuchs mit seiner Frau, kam er ins Gespräch mit zwei Männern. Einer der beiden fragte Fischer, was denn der Unterschied zwischen seiner Loge und einem herkömmlichen Stammtisch sei – denn auch dort rede man miteinander und tausche sich aus. Damals gingen Fischer die Argumente aus. „Ich habe das dann vor meinen Brüdern zur Sprache gebracht. Einer antwortete mit ‚Wir sind nicht – mein Haus, mein Auto, meine Freundin, mein Pferd, mein Hobby, meine Urlaubsreisen’“, erzählt Fischer. Die Definition der Loge müsse andersherum gedacht werden.

Vertrauensvoller Austausch

Der Zweck sei, dass man eine Gemeinschaft aus Brüdern bilde, um sich auszutauschen – auf Vertrauensbasis. Politik sei eher weniger ein Thema, denn „die Wahrscheinlichkeit, da aneinander zu geraten, ist zu hoch“. Allerdings werden alle Meinungen akzeptiert, betont der Vorsitzende, genehm oder nicht genehm. Für beispielsweise religiöse oder aktuelle Themen in der Welt sei man vollkommen offen. „Hin und wieder stehen ein paar Brüder aber auch nur draußen und rauchen eine Zigarre – ohne mich, ich habe aufgehört“, sagt der Ordensbruder lachend. Das, was die Männer in Weiß im großen Stil verbindet, seien die sieben Weisungen – eine Art Kodex oder Verpflichtung über die Werte, die den Druiden-Orden ausmachen. Diese werden auch in ihrem Logensymbol angedeutet: ein siebenstrahliger Stern – und jede Zacke steht für eine der Weisung.

Eine sei, dass man seine Kenntnisse mehren solle, denn „Wissen ist Macht“. Ein Grund, warum die Brüder gerne Vorträge organisieren, wie etwa über das Klima oder Wasserstoffmotoren. Einige Vorträge kann man als Gast der offnen Loge besuchen, diese seien für jedermann zugänglich. Eine andere Weisung sei, dass man seine Macht mit Vernunft einsetzen solle, eine weitere besagt, dass soziale und gesellschaftliche Soft Skills zu pflegen seien.

„Die Leute kommen immer zu mir und sagen ‚Ihr habt so viele Geheimnisse’ – ich kann nur sagen, dass ich mit zehn Fingern hineingehe und mit zehn Fingern wieder herauskomme. Und ja, auch meine zehn Zehen habe ich noch“, sagt Fischer.

Das geheimnisvolle sowie ästhetische liege vielmehr in den Ritualen, die im oberen Stockwerk des Gemäuers stattfinden – in ihrem Zeremoniensaal, oder auch in der „Innenloge“. Diese ist nur für Mitglieder zugänglich. Dort findet unter anderem auch das im Ritualbuch festgelegte Aufnahmeritual statt.

Dafür wird etwa eine Flamme auf der steinernen Feuersäule angezündet, der neue Bruder legt ein Versprechen ab, welches einem Gelübde gleich kommt – und erhält den kleinen, siebenstrahligen Stern als Anstecker. Darüber erkennen sich die Logenbrüder untereinander. „Da tragen wir dann auch die Roben“, so Fischer. Auch zur Graderhöhung gebe es ein entsprechendes Ritual – die niedrigsten drei Grade, die ein Bruder erreichen könne, sei zu Beginn die Ovate, die für das Streben nach Wahrheit steht, der zweite Grad ist die Barde, die Kunst und Herzensbildung symbolisiert, beim dritten Grad, dem Druiden, geht es um Verantwortung und Tatkraft. Die höheren Grade aber „möchte ich nicht verraten“, so Fischer.

Neue Mitglieder gesucht

Im Durchschnitt liegt das Alter der Mitglieder bei 60 Jahren. „Es gibt auch Brüder, die uns verlassen haben“, sagt Fischer. Gerade die Corona-Pandemie habe den Orden viele Brüder gekostet. Neue Mitglieder werden gesucht, das empfohlene Alter liegt bei 40 Jahren – denn da wisse man, so Fischer, wo man hin wolle. Auch der zeitliche Aspekt spiele eine Rolle, wenngleich es keine Pflicht sei, die 14-tägigen Logenabende zu besuchen – es sei vielmehr ein „Soll“. Jüngere Interessenten um die 30 Jahre seien auch willkommen, es hänge von der Person ab. Eine Frauen-Loge in Ludwigsburg gibt es noch nicht, aber: „Wenn sich sieben oder acht Frauen zusammenfinden, würden wir die Loge bei der Gründung unterstützen“, sagt Fischer.

Für seine eigene hofft er auf neue Interessenten. „Einfach öfter zur offenen Loge kommen, uns kennenlernen, alles weitere folgt dann“, meint er. Der Gewinn der Bruderschaft sei Gemeinschaft und Unterstützung. „Wenn ein Bruder mal eine Unterkunft braucht oder anderweitige Hilfe, sind die Brüder da, egal wo und ohne Wenn und Aber“, sagt der Vorsitzende. Die weltweite Vernetzung unter den Logen sei dabei natürlich hilfreich.

 
 
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