In Reutlingen kommen seit Kurzem künstliche Intelligenz und Sensoren in Müllwagen zum Einsatz, um Plastiktüten im Biomüll zu erkennen. Wer falsch trennt, muss dort mit einem Bußgeld rechnen. Im Landkreis Ludwigsburg geht man einen anderen Weg: Die Abfallverwertungsgesellschaft (AVL) setzt seit 2019 auf menschliche Kontrolleure – und sieht darin klare Vorteile. Die Diskussion über sauberen Biomüll ist kein Randthema: Fast jeder Haushalt im Landkreis besitzt eine Biotonne, Fehlwürfe betreffen also viele Bürgerinnen und Bürger direkt. In Baden-Württemberg gilt bereits seit 2015 eine Pflicht zur Biotonne. Zudem spielt Bioabfall eine wichtige Rolle bei der Gewinnung von Kompost und Biogas. Falsch befüllte Tonnen sorgen daher nicht nur für Ärger bei der Entsorgung, sondern wirken sich auch auf die Qualität der erzeugten Komposte und Gärprodukte aus.
Ludwigsburg Mülltrennung: Ludwigsburg setzt auf Kontrolleure statt KI im Biomüll
In Reutlingen erkennt KI Plastik im Biomüll und Bußgelder drohen. Im Landkreis Ludwigsburg setzt die AVL dagegen auf Kontrolleure und Aufklärung.
Anteil an Störstoffen bei rund zwei Prozent
Nach Angaben von Dr. Andreas Fritz von der AVL liegt der Anteil an Fehlwürfen im Biomüll, insbesondere Plastiktüten, im Landkreis derzeit bei rund 1,5 bis zwei Prozent. Das klingt auf den ersten Blick nach wenig, hat aber spürbare Folgen. „Wenn die Grenzwerte an Störstoffen im Kompost nicht eingehalten werden, ist eine Ausbringung auf den Acker oder in das Gemüsebeet verboten“, erklärt Fritz. Das bedeutet: Schon vergleichsweise kleine Mengen an Plastik können den gesamten Verwertungskreislauf stören. Denn bei der Entfernung von Störstoffen wird auch Biomüll mit ausgeschleust, der anschließend nicht mehr vergoren oder kompostiert werden kann. „Die Sortierung, der zusätzliche Transport und die separate Entsorgung der Störstoffe sind mit zusätzlichen Kosten verbunden“, so Fritz weiter.
Gelbe und rote Karte für die Biotonne
Um Fehlwürfe zu vermeiden, setzt die AVL auf ein gestuftes Kontrollsystem. Die sogenannten „Scouts“ sind seit 2019 im Landkreis unterwegs und prüfen die Biotonnen. Bei einer falschen Befüllung erhalten die betroffenen Haushalte oder Betriebe zunächst einen Brief sowie einen gelben Anhänger an der Tonne. Ziel sei die Aufklärung, betont Fritz.
Bei schwerwiegenden oder wiederholten Verstößen wird die Biotonne dagegen sofort gesperrt: Ein roter Anhänger signalisiert, dass die Leerung ausgesetzt ist. Für die Betroffenen wird es teuer, wenn sie nicht nachsortieren: Eine Leerung als Restmüll kostet bei einer 60-Liter-Biotonne aktuell 64,14 Euro. Die Scouts arbeiten dabei nicht nur kontrollierend und mit erhobenem Zeigefinger, sondern übernehmen auch eine beratende Rolle.
Im direkten Gespräch mit Bürgerinnen und Bürgern erklären sie, welche Abfälle in die Biotonne gehören und welche nicht. Nach Angaben der AVL führe das eher dazu, dass Fehler künftig vermieden werden.
Lieber Aufklärung statt direkte Bestrafung
Im Unterschied zu Reutlingen, wo Bußgelder verhängt werden, setzt die AVL im Kreis Ludwigsburg also stärker auf Information und direkte Ansprache. „Eigene Mitarbeiter haben den Vorteil, dass sie direkt vor Ort Aufklärung bei den Haushalten und Gewerbebetrieben machen können“, sagt Fritz darüber. Mit dem Einsatz der Scouts habe man bisher „sehr gute Erfahrungen“ gemacht.
Damit unterscheidet sich die Strategie: In Ludwigsburg sollen Bürgerinnen und Bürger lernen, wie sie ihren Abfall richtig trennen – anstatt sofort zur Kasse gebeten zu werden. Das Ziel ist, langfristig eine Verhaltensänderung zu erreichen. Reutlingen geht dagegen einen Schritt weiter: Dort werden mit den KI-Sensoren nicht nur Plastiktüten erkannt, sondern Verstöße auch direkt mit Bußgeldern belegt. In Ludwigsburg setzt man bewusst auf einen anderen Ansatz. Statt Strafe steht Aufklärung im Vordergrund – ein Modell, das auch gesellschaftlich für weniger Konflikte sorgen soll.
Ganz verschließt sich die AVL neuen Entwicklungen allerdings nicht. „Wir prüfen, ob zukünftig auch eine KI-gestützte Unterstützung in Betracht kommt“, so Fritz. Der Schwerpunkt liege aber weiterhin auf den Scouts und einer breiten Öffentlichkeitsarbeit.
Biotonne bleibt weiterhin Alltagsthema
Denn die Herausforderungen bleiben: Immer wieder landet Plastik in der Biotonne. Neben den Kontrollen setzt die AVL deshalb auch auf Kampagnen, Informationsmaterial und den direkten Dialog mit Bürgerinnen und Bürgern. Ziel sei es, den Anteil der Störstoffe weiter zu verringern – damit aus dem Biomüll hochwertiger Kompost und Biogas entstehen kann. Klar ist aber auch: Technische Systeme wie in Reutlingen könnten perspektivisch zusätzliche Unterstützung leisten. Die AVL will diese Entwicklungen beobachten, verweist aber auf die Vorteile des persönlichen Kontakts.
