Ludwigsburg Pro und kontra Stadtbahn

Von Jörg Palitzsch
Der Stadtbahn Lucie droht die Fahrt aufs Abstellgleis. Foto: Zweckverband Lucie Stadtbahn

Bei einer Anhörung im Gemeinderat kamen sieben Gruppen und Institutionen zu Wort. Eine Entscheidung über Lucie fällt am 19. November.

Dem Ludwigsburger City-Express (Lucie) droht die Fahrt in Richtung Abstellgleis. Die Stadt Ludwigsburg, Mitglied im Zweckverband „Stadtbahn im Landkreis Ludwigsburg“, hat sich, wie berichtet, lediglich für einen 30-Minuten-Takt zwischen Markgröningen und dem Ludwigsburger Bahnhof ausgesprochen. Der restliche Ausbau in der Stadt sei zu teuer, die Erschließung der Innenstadt soll mit Bus-Shuttles umgesetzt werden.

Landrat Dietmar Allgaier hat diese Pläne deutlich abgelehnt. In seiner Haushaltsrede am 24. Oktober erteilte er dem Vorschlag der Stadt Ludwigsburg, ein in sich förderfähiges, intelligentes und in sich schlüssiges Netz aufzulösen und dieses stattdessen nur in Teilabschnitte zu realisieren, eine klare Absage. Ein Schienenprojekt mit Bussen kompensieren zu wollen, widerspreche auch der Satzung des Zweckverbands. Das Projekt Stadtbahn, so Allgaier, sei nicht auf den Weg gebracht worden, um zwischen Ludwigsburg und Markgröningen eine Bimmelbahn zu reaktivieren. Wenn dies die neue Zielsetzung der Stadt Ludwigsburg sei, brauche es keine Unterstützung und Begleitung des Landkreises, immerhin größter Geldgeber des Projekts im Zweckverband. Damit stehen zwei diametral auseinanderlaufende Positionen gegenüber. Werden diese nicht aufgelöst, wäre dies wohl der Schlussstrich unter dem Thema Stadtbahn.

Im Ludwigsburger Gemeinderat waren vor einer endgültigen Entscheidung, die am 19. November gefällt werden soll, bei einer öffentlichen Anhörung am Mittwoch sieben Gruppen und Institutionen eingeladen, um in jeweils fünf Minuten Redezeit ihre Positionen zur Stadtbahn zu erläutern.

Alternative zum Verkehr

Zum Auftakt wies Oberbürgermeister Dr. Matthias Knecht den Vorwurf zurück, Ludwigsburg „wackle in Sachen Stadtbahn“ und habe kein Herz für Mobilität. Knecht verwies auf den Neubau des Zentralen Omnibusbahnhofes für mindestens 35 Millionen Euro, „dies ist kein Kleckerlesbetrag.“

Das Hearing wurde anschließend von Abdi Ahmed eröffnet, der für den Jugendgemeinderat sprach. Lucie sei aus Sicht der Jugendlichen nicht nur ein Meilenstein für die Mobilitätswende, sondern auch ein klares Signal für eine zukunftsfähige und klimafreundliche Infrastruktur in Ludwigsburg. Die junge Generation wolle Teil dieser Lösung sein. Bernhard-Michael Gärtner von VdK-Kreisverband hob die Barrierefreiheit hervor, für dass das Bussystem in der Stadt mit seinen Haltestellen alle 300 Metern alle Voraussetzungen erfülle. Lucie könne dies nicht leisten, Menschen mit Behinderungen müssten lange Wegstrecken auf sich nehmen, „oft mit Umwegen und unüberwindbar.“

Klaus Arnoldi vom Aktionsbündnis Stadtbahn sagte, Lucie sei die Alternative zu ständig wachsendem Verkehr. Sie mache aber nur Sinn, wenn die Stadtbahn auch durch die Stadt fährt, „und nicht außen rum.“ Außerdem müsse man sich fragen, wie Ludwigsburg in zehn Jahren aussehen solle. Wolle man auch für die Gemeinden vor den Toren der Stadt attraktiv sein, „oder sollen diese Menschen in Stuttgart oder im Breuningerland einkaufen?“ Arnoldi verwies deshalb auf die Stadtbahnen in Ulm, Heilbronn und Karlsruhe. Karem Icelli von der Initiative „Macht Lucie wirklich Sinn“ rief dazu auf, jetzt endlich Klarheit zu schaffen und die Kosten sowie Folgekosten zu beachten. Die Reaktivierung der Strecke Markgröningen-Ludwigsburg sei in Wirklichkeit ein Neubau, von der ursprünglichen Strecke bleibe dann nur noch ein Strich auf der Karte.

Reiner Boucsein von der IHK konzentrierte sich kurz auf den Wirtschaftsverkehr und kritisierte die geplante Strecke durch die Friedrichstraße, die täglich mit 35.000 Fahrzeugen belastet sei. Mit Lucie müsse man sich den Straßenraum teilen, was zu Stau, Stockungen und Umleitungsverkehr führe.

„Schwarzes Loch“ im Haushalt

Axel Müller von „Wir für Lucie“ nannte acht Prozent weniger Autoverkehr, wenn Lucie gebaut werde. Eine EU-Studie habe mit einer Stadtbahn zudem acht Prozent mehr Umsatz für den Einzelhandel errechnet. Lucie sei kein Luxusprojekt, sondern Teil der Daseinsvorsorge. „Wer zögert, verliert Zeit und Förderung“, so seine Mahnung. Markus Fischer vom Innenstadtverein (LUIS) verwies auf die umfangreichen Stellungnahmen seines Vereins zur Ablehnung von Lucie. Bei einer Entscheidung über die Stadtbahn dürfe man zudem die offenen Kosten wie etwa für Lärmschutz und einen Betriebshof nicht vergessen.

Vor der Anhörung wurde der Haushalt für 2026 der Kreisstadt eingebracht, dessen Zahlen direkt „in ein schwarzes Loch führen“, wie Kämmerer Harald Kistler erläuterte. Demnach beläuft sich der Finanzbedarf von Ludwigsburg bis 2029 auf 136 Millionen Euro – mit 126 Millionen Euro Kredite im gleichen Zeitraum. Die Rücklagen werden vollständig aufgebraucht, eigene Mittel können aus dem laufenden Betrieb nicht mehr erwirtschaftet werden. „Dies lässt“, so die Warnung des Kämmerers, „keinerlei Spielräume für zusätzliche Ausgaben zu.“ Gemeint ist damit auch die Stadtbahn.

 
 
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