Genau zur Unzeit begann es zu regnen: Aus dem Turm der Emichsburg war gerade eine rot-goldene Fontäne geschossen, der Auftakt zum Feuerwerk, da fielen die Tropfen, die sich davor schon in kleineren Schauern angekündigt hatten.
Ludwigsburg Regen tut der Märchenkulisse keinen Abbruch
Das Blühende Barock in Ludwigsburg feierte den Lichterzauber mit neuem Konzept: Livemusik, Modellschiffe und ein Märchen füllten den Park mit Besuchern.
Ein Sommerabend, eine große Picknickwiese – und ein großes Lichtspektakel in der hereinbrechenden Nacht über der Kulisse der Emichsburg: Das ist der „Lichterzauber“, der alljährlich das Blühende Barock füllt, es ist eine der erfolgreichsten Veranstaltungen dort.
Modellschiffe auf dem See
Schon den ganzen Nachmittag des Samstags über stand der Park des Residenzschlosses im Zeichen der Veranstaltung: Modellschiffer waren auf dem großen See im Südgarten zu Gast und präsentieren dort ihre detailgetreuen Boote. Mit dem Einbruch der Dämmerung setzte die Beleuchtung ein, und ab 18 Uhr startete das Musikprogramm: Auf einer Bühne im Oberen und einer zweiten im Unteren Obstgarten spielten Bands, die zum Teil den Besuchern wohl schon vom zurückliegenden Straßenmusikfestival wohlbekannt sind: Sun State of Mind, Loop `n Loompa, Cris Cosmo, DenManTau, Yuni Douglas und Ideal Forgery.
Der Höhepunkt des Abends war dann die Lichtershow, bei der der plötzlich einsetzende Regen aber keine größeren Fluchtbewegungen auf der Wiese vor der Burg auslöste: Schon früh hatten hier die Picknickdecken dicht an dicht gelegen, und je näher das Finale um halb zehn rückte, drängten sich hunderte auch stehend entlang der Wege. Und nur wenige verließen ihren Platz, um Schutz vor dem Regen zu suchen. Die Tropfen sorgten, positiv gewendet, auch für ein besonderes Spektakel: „Schau mal, wie sich da das Licht bricht“, sagte eine Frau zu ihrem Begleiter und wies auf die Ebenen der Lasershow, durch die nun viele kleine Kristalle fielen.
Passend zu den funkelnden Lichtbrechungen war ein Märchen Kern der Show, in dem ein König zwischen dem Gold, den Edelsteinen oder aber dem Salz der Freier seiner drei Töchter wählen musste: Wer sollte eher den Thron bekommen? In „Der Salzprinz“, beruhend auf dem Märchen von Bozena Nemcov, erkennt der König schließlich, dass auch alle Reichtümer nicht ein ordentlich gesalzenes Essen aufwiegen.
Feuerwerk, Flammen und Laser
Die Lichtershow, die nach dem Märchen noch mit Musik unterlegt fortgesetzt wurde, bestand aus Feuerwerk, Stichflammen und Lasern, die einmal mehr die Emichsburg und das gesamte Blühende Barock in schnell wechselnde Lichtschemen hüllten. „Mit der uns eigenen Handschrift möchten wir im Lichterzauber verschiedene Elemente miteinander verbinden“, unterstreicht die Kunstagentur Artkontor, die die Show gestaltete.
„Mit dem neuen Konzept bleibt das Feuerwerk fester Bestandteil des Lichterzaubers. Es steht jedoch nicht mehr allein im Mittelpunkt der Veranstaltung, sondern wird als Teil des gesamten Konzepts eingesetzt. Licht, Musik und Pyrotechnik greifen dabei ineinander und ergänzen sich stimmungsvoll“, war das erklärte Ziel des Veranstalters. „Mit dem neuen Konzept möchten wir die Möglichkeiten unseres Parks noch stärker nutzen. Die Illumination der Gartenanlagen spielt dabei eine wichtige Rolle und verleiht dem Abend einen ganz eigenen Charakter“, so Bernhard Gieß, Direktor des Blühenden Barocks Ludwigsburg.
Gemeinsame Jam Session
Und auch der Regen ließ noch während der Show nach. Danach war dann noch lange nicht Schluss. Wer nicht gleich zum Ausgang strömte, fand sich wieder vor der Bühne im Unteren Schlossgarten ein, wo Ideal Forgery nochmals ordentlich Gas gaben.
Und bald waren sie nicht mehr allein: Zur gemeinsamen Jam Session kamen bis 23 Uhr noch mal alle Bands des Tages auf die Bühne: „Lets jam, gib mir mal n Beat“, rief Cris Cosmo und rappte los. Schnell fand man den gemeinsamen Rhythmus, und in schnellem Wechsel hatte jeder noch mal seinen Auftritt: Sun State of Mind sang und Yuni Douglas tanzte über die Bühne. So endete im Blühenden Barock einmal mehr ein Abend für alle Sinne.
