Ludwigsburg „Respekt! Menschen der Karlshöhe“

Von Claudia Mocek
Die Direktorin der Karlshöhe Dr. Dörte Bester (links) und MIK- Museumsleiterin Dr. Alke Hollwedel im Ausstellungsraum. Zwölf Zeitzeugen berichten in Videointerviews, was die Einrichtung für sie bedeutet. Foto: /Oliver Bürkle

Im Ludwigsburg Museum eröffnet am Sonntag, 3. Mai, um 11 Uhr die neue Ausstellung. Darin kommen zwölf Menschen zu Wort, die in der Einrichtung leben und arbeiten.

Wir wollen die ganze Vielfalt der Menschen der Karlshöhe hier in der Stadt zeigen“, sagt Leiterin des Ludwigsburg Museum (MIK), Dr. Alke Hollwedel bei einer Presseführung. Am Sonntag, 3. Mai, wird dort um 11 Uhr die neue Ausstellung „Respekt! Menschen der Karlshöhe“ eröffnet. Bis zum 27. September werden die zwölf Videointerviews mit Klienten und Mitarbeiter der Stiftung Karlshöhe zu ihrem Leben, Alltag und Arbeit zu sehen sein.

Der Ausstellungsraum strahlt Ruhe aus. Monochrom blaue Hügel, die an die Karlshöhe erinnern sollen, bilden kleine Inseln, in denen sich die Besucher Zeitzeugen-Interviews mit Karl, Pia und Alexandra auf Bildschirmen anschauen können. Die farbliche Anlehnung an das Blau des französischen Künstlers Yves Klein ist bewusst gewählt, weil es eine große Transzendenz ausstrahlt, so Hollwedel. In den fünf- bis achtminütigen Videos erzählen zwölf Menschen, die auf der Karlshöhe leben oder arbeiten, von ihrem Alltag und davon, was die Karlshöhe für sie in ihrem Leben bedeutet. Da ist zum Beispiel Karl, der sich jeden Tag auf die Arbeit in der Werkstatt freut und darüber, dort ernst genommen und gebraucht zu werden.

Die einzelnen Gespräche aus denen die Videos entstanden sind, haben jeweils rund eine Stunde gedauert. Sie seien sensibel geführt worden, sagt Hollwedel, und hätten viel gegenseitiges Vertrauen erfordert. Alle Beteiligten seien mit den Ergebnissen zufrieden gewesen. Ein Interviewpartner ist ausschließlich als Audio zu hören.

„Die Ausstellung ist ein Prozess“, sagt Hollwedel: „Wir haben uns als die Fragenden erlebt.“ Ziel sei es nicht, Antworten zu geben, sondern zu Begegnungen und zum Austausch einzuladen. Die zwölf Menschen, die zu Wort kommen, repräsentieren die Vielfalt der rund 2000 Menschen, die in der Einrichtung leben oder arbeiten.

An interaktiven Stationen können sich die Besucher auch selbst einbringen, mit Bindfäden Beziehungsfäden zu der Einrichtung spannen, auf Stühlen Platz nehmen, an denen Fragen stehen wie: „Bist du gläubig?“, „Kennst Du Einsamkeit?“ An einer Pinnwand können sie ihre eigene Betroffenheit ausdrücken. „Arbeitslosigkeit, Sucht und Krankheit kann jeden treffen“, sagt die Direktorin der Karlshöhe, Dr. Dörte Bester.

Brenz Band und inklusives Theaterensemble

„Die eine Hälfte von uns ist behindert, die andere behauptet, sie sei es nicht“, steht an der Wand. Darunter sind die Menschen und Projekte zu sehen, die mit der Karlshöhe kooperieren, wie beispielsweise die Brenz Band und das inklusive Theaterensemble. Auch hier können sich die Besucher einbringen.

Eine kleine Station ist der Geschichte der Einrichtung gewidmet, zu der eine Wohnsiedlung, Werkstätten, ein Ausbildungszentrum, der Gebrauchtwarenladen und eine Alphütte in der Schweiz gehören. Die Karlshöhe feiert in diesem Jahr ihr 150-jähriges Bestehen. „Für uns ist die Kooperation ein großes Glück“, sagt Bester. Trotz der langen Geschichte ist auch ihr wichtig, dass die Ausstellung die heutige Lebenswirklichkeit auf der Karlshöhe in den Fokus rückt und das mitten in der Stadt. Die „Respekt!“-Ausstellung soll niederschwellig dazu anregen, sich mit der Vielstimmigkeit des gesellschaftlichen Miteinanders auseinanderzusetzen.

Teamarbeit wird nicht nicht der Karlshöhe großgeschrieben, auch die Ausstellung ist ein Gemeinschaftsprojekt. Kuratiert wurde sie neben Hollwedel auch von Volontärin Daphne Blauwhoff und Öffentlichkeitsreferentin Elisabeth Meier. Kam die Idee dazu bereits vor einigen Jahren auf, dauerte die eigentliche Umsetzung rund ein halbes Jahr.

Neben dem Ausstellungsraum gibt es ein breites Begleitprogramm mit Führungen, Rundgängen auch auf der Karlshöhe, Vorträgen und dem 150. Jahresfest. Während die Teilnahme am Begleitprogramm in der Regel rund fünf Euro kostet, ist der Besuch der Ausstellung frei. Die Besucher können nach der Besichtigung freiwillig eine Spende entrichten.

 
 
- Anzeige -