Ludwigsburg schlägt Vechta Riesen-Triumph zum Auftakt

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Strahlende Riesen-Profis in schwarzen Trikots: Das Ludwigsburger Team bejubelt den 81:76-Sieg gegen Vechta. ⇥ Foto: Andreas Gebert

Topscorer Thomas Wimbush führt Ludwigsburg gegen Vechta zu einem 81:76-Sieg. Coach Patrick zeigt sich mutig und schickt seine Söhne aufs Feld.

So kann’s weitergehen: Die MHP Riesen Ludwigsburg sind mit einem 81:76-Erfolg über Rasta Vechta ins Finalturnier der Basketball-Bundesliga (BBL) gestartet. Nachdem am Samstag in der Gruppe A die favorisierten Klubs aus Crailsheim und München geschwächelt hatten, gab es am Sonntag in der Gruppe B zwei Favoritensiege durch Berlin und Ludwigsburg.

„Wir können hier etwas Spezielles erreichen, denn wir sind ein besonderes Team und spielen richtig gut zusammen. Alles ist möglich“, sagte Flügelspieler Thomas Wimbush nach dem Auftakterfolg im Münchner Audi-Dome. Der 26-jährige US-Amerikaner sprühte in den 40 Minuten vor Spielfreude und avancierte mit 24 Punkten, vier Dreiern sowie sechs Rebounds zum Mann des Abends. Topscorer Wimbush ließ mit seine Galavorstellung und einer Trefferquote von fast 67 Prozent auch den Verlust des bisherigen Riesen-Stars Khadeen Carrington vergessen. Wie gewohnt in Topform war auch Marcos Knight. Er markierte nicht nur 13 Punkte, sondern gab auch noch sechs Vorlagen und pflückte sich sechs Abpraller. Nicht dabei war Jaleen Smith wegen einer alten, aber bereits überstandenen Corona-Infektion (siehe Infokasten). Er stößt erst an diesem Montag zum Ludwigsburger Kader.

„Wir hatten ein bisschen Probleme, unseren Rhythmus zu finden, und auch der Fitnesszustand war nicht auf unserer Seite. Ich bin sehr stolz, dass wir nach der langen Pause und ohne Jaleen trotzdem den Sieg geholt haben“, sagte Trainer John Patrick. Bereits am Dienstag (16.30 Uhr) sind seine Schützlinge erneut gefordert. Dann sind die Fraport Skyliners aus Frankfurt der Gegner.

Hoffnungsvolle Debüts

Dem Team aus der Barockstadt genügte eine durchschnittliche Leistung, um die Vechtaer in Schach zu halten. Einen vielversprechenden Einstand feierten auch die beiden extra für das Turnier verpflichteten US-amerikanischen Guards: Zamal Nixon spielte fast 27 Minuten und steuerte acht Zähler, fünf Rebounds und drei Assists bei, Teyvon Myers kam in seinen gut 18 Spielminuten auf sechs Punkte, vier Rebounds und eine Vorarbeit. Die zwei Neuzugänge schienen beim ersten Auftritt im Riesen-Dress bereits besser im Team integriert als die zwei hochkarätigen Neuverpflichtungen der Niedersachsen, die gerade in der ersten Hälfte noch wie Fremdkörper wirkten: Beim Slowenen Matic Rebec und dem Polen Jaroslaw Zyskowski lief bis zur Pause gar nichts zusammen. Das Duo fabrizierte gleich fünf Ballverluste, steigerte sich dann aber im zweiten Durchgang deutlich. Einen Katastrophen-Tag vom Anfang bis zum Ende erwischte aber ein anderer Vechta-Profi: Josh Young, der sonst eigentlich fast jeden zweiten Distanzwurf im Korb unterbringt, versemmelte alle seine zehn Dreierversuche.

Die Riesen führten in der 34. Minute bereits mit 73:57 und schienen einem lockeren Auftakterfolg entgegenzueilen. Doch sie fühlten sich offenbar zu sicher. Mit einer Energieleistung kämpfte sich Vechta wieder auf 70:75 heran (37.), die Partie schien zu kippen. Doch dann punkteten Cameron Jackson und Wimbush und führten die Schwaben wieder zu einer 79:70-Führung. Ein Vorsprung, den die Mannschaft in den schwarzen Trikots dann doch noch souverän über die Zeit brachte. Ohne den überragenden Wimbush wäre es für die Barockstädter aber wohl eng geworden. Diese hatten schon zur Pause mit 46:32 geführt, ehe der Tabellensechste aus Niedersachsen zurückschlug und sogar noch die beiden letzten Viertel gewann. Die Hypothek aus der ersten Hälfte erwies sich aber letztlich als zu groß für das Team des spanischen Trainers Pedro Calles, das an der Isar mit nur zehn Profis antritt.

Viertjüngster Spieler in der BBL

Wer gedacht hatte, dass Ludwigsburgs Coach Patrick seine Jungspunde nur zum Auffüllen des Riesen-Kaders nach München mitgenommen hat, sah sich schon beim Auftaktspiel getäuscht. Der 52-Jährige ging mutig volles Risiko und gab Ariel Hukporti (18) sowie seinen Söhnen Johannes (18) und Jacob (16) Einsatzzeit, mitunter sogar in der heißen Phasen. „Ich war schon etwas nervös vor dem Spiel, aber das hat sich während der Partie gelegt. Ich will weiter alles geben und der Mannschaft helfen“, sagte Jacob Patrick nach seinem ersten Einsatz bei den Profis. Der Riesen-Youngster ist der viertjüngste Spieler seit der digitalen Datenerfassung, der in der BBL bisher zum Einsatz gekommen ist.

 

Positiv getestet, aber nicht mehr infektiös: Jaleen Smith reist verspätet an

Beim Auftaktduell am Sonntag gegen Vechta fehlte Jaleen Smith bei den MHP Riesen. Innerhalb einer Testungsreihe sei beim aus den Vereinigten Staaten zurückgekehrten US-Amerikaner ein positiver Antikörpertest auf SARS-CoV-2 verzeichnet worden, teilte der Klub vor dem Spiel mit. Zudem sei, nach mehreren negativen PCR-Abstrichen, auch das Virus-Genom schwach positiv nachgewiesen worden. Sowohl das behandelnde Labor als auch das Gesundheitsamt Ludwigsburg stufen diese Konstellation als einen Nachweis einer vergangenen Infektion mit dem Corona-Virus ein. Das Medical Board der Basketball-Bundesliga habe den Fall von Smith intensiv unter Hinzunahme der Expertise von Labormedizinern und einem Facharzt für Hygiene und Umweltmedizin beraten, so die Riesen weiter. Analog zum Vorgehen der Deutschen Fußball-Liga sei die Anforderung definiert worden, dass der 25-Jährige zwei negative PCR-Ergebnisse im Abstand von mindestens 24 Stunden benötigt. Anschließend könne von einer abgeschlossenen Infektion ausgegangen werden, bei der der Spieler selbst auch nicht mehr infektiös sei. Nachdem diese Voraussetzung inzwischen gegeben ist, haben das Gesundheitsamt und die BBL Smith für den Spielbetrieb freigegeben. Er wird nun an diesem Montag nach München fahren und zum Team stoßen. ⇥bz

 
 
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