Ludwigsburg Schottischer Mehrkampf in Oßweil

Von Sandra Bildmann
Anders als in der Leichtathletik ist der Hammer bei den Highland Games nicht an einer Kette befestigt. Foto: /Oliver Bürkle

Das umfangreiche Sport- und Rahmenprogramm der „Highland Games“ lockte am Wochenende viele regionale und internationale Gäste nach Ludwigsburg.

Kerry Bentley lässt ihren Blick prüfend über die Baumstämme gleiten. Gut ein halbes Dutzend stehen ihr zur Auswahl. Glatt geschliffen liegen die zwischen vier und sechs Meter langen Holzstäbe vor ihr. In ihrer Altersklasse Ü50 darf sie einen kürzeren und leichteren Stamm wählen. 20 Kilogramm wird sie gleich in die Höhe wuchten. Gut, dass es nicht regnet, denn bei Nässe wird das Holz rutschig, die Stämme sind dann kaum noch zu kontrollieren. Doch darüber denkt Kerry Bentley nicht nach, als am Samstagnachmittag die Sonne hochsommerlich auf den Rasen von Oßweil brennt.

Von einem Turnier zum Nächsten

Sie hat inzwischen einen Stamm ausgewählt. Als er senkrecht steht, lehnt sie ihn an ihre Schulter. Mit ausgeklügelter Technik in der Hocke lupft sie ihn, sodass sie mit ihren gefalteten Händen unter ihn greifen kann. Sie richtet sich auf, nimmt einige Schritte Anlauf und wirft ihn ab. Mustergültig landet der Stamm mit dem anderen Ende zuerst auf dem Rasen und überschlägt sich. Er fällt bei 12 Uhr, weicht vom 180-Grad-Zielwinkel also nicht ab: Besser geht’s nicht.

Am Ende gewinnt sie in ihrer Altersklasse den traditionellen Fünfkampf der Sportart „Highland Games“. Überraschend ist das nicht: Vor einer Woche gewann sie bei den Masters World Championships in den Niederlanden den Titel. Wie einige andere passionierte „Highlander“ aus Kanada und den USA war sie dann gleich in Europa geblieben, um in Oßweil Station zu machen. Zum 22. Mal präsentierte der Athletik-Sportverein Ludwigsburg-Oßweil an diesem Wochenende schottisches Flair mit den „Highland Games“ als zentralem Programmpunkt.

Sie stammen aus der Zeit der keltischen Könige in Schottland und wurden ausgetragen, um die stärksten und schnellsten Männer Schottlands zu finden. Heutzutage handelt es sich um einen Fünfkampf, die sogenannten „Heavy Events“. In Oßweil starteten am Samstag die Masters in unterschiedlichen Altersklassen, am Sonntag folgten die Wettkämpfe der jüngeren Athleten sowie die Deutsche Meisterschaft der U19 für Schülerinnen und Schüler zwischen elf und 18 Jahren. So manche Disziplin ist Leichtathletik-Fans nicht unbekannt: Das Steinstoßen des Highland-Games-Mehrkampfs entspricht in etwa dem Kugelstoßen, auch das Hammerwerfen ähnelt einander sehr.

Während die Leichtathleten eine 7,25 Kilogramm schwere Metallkugel an einem Drahtseil schleudern, ist die gleich schwere Gewichtkugel des schottischen Pendants mit einem starren Holzstiel verbunden. Beim Publikum besonders beliebt war auch der Gewichthochwurf, bei dem je nach Wertungsklasse zwischen sechs und 19 Kilogramm so hoch wie möglich über die direkt über den Athleten platzierte Stange gewuchtet werden müssen. Komplettiert wird der Fünfkampf durch den Gewichtweitwurf.

Irgendwo im Getümmel wuselt „diese Petra, von der allen sprechen“: Highland-Games-Abteilungsleiterin Petra Müller trägt selbigen Schriftzug auf ihrem T-Shirt. Seit der ASV 2005 zum ersten Mal zu den Highland Games eingeladen hat, habe sich in der Szene einiges verändert, erzählt sie: „Es ist alles professioneller, einheitlicher und geregelter geworden. So ist mittlerweile ein Leistungsvergleich möglich.“ Distanzieren wolle man sich von reinen „Fun-Veranstaltungen“, betont sie. Alkoholisierte Athleten würden beispielsweise nicht zugelassen. Die Oßweiler und ihre Highlander-Kollegen orientieren sich am schottischen Original und nehmen es ernst. „Der Schottenrock ist für mich Sportkleidung. Ich maße mir nicht an, ihn privat zu tragen“, betont Müller.

Buntes Rahmenprogramm

Besonders hervorheben möchte Müller den kameradschaftlichen Sportsgeist: Athleten aller Herkünfte feuerten sich gegenseitig an und gäben einander Tipps. Denn bei allem Ehrgeiz zähle unter den Highlandern eben auch der Spaß.

Während an den fünf Stationen gestoßen, geworfen und gewuchtet wurde, kämpften nebenan rund 30 Fechter der „HEMA“ beim Turnier „Flügelschlag“. Die vereinseigene Abteilung für historischen Schwertkampf gehörte ebenso zum Rahmenprogramm wie die Abteilung Metalza, die sich selbst beschreiben als „Zumba mit Heavy-Metal-Sound“. Musikalischer Hauptact war am Samstagabend das Gastspiel der Band „Aurelia“ mit Folkrock aus Schottland und Irland.

 
 
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