Fachkräfte sind gefragt und auch Verwaltungen müssen neue Wege gehen, um qualifiziertes Personal für sich zu gewinnen. Das Landratsamt Ludwigsburg setzt deshalb künftig auf eine Marketingstrategie. Mit einer neuen Kampagne unter dem Motto „Großes vor“ will die Kreisverwaltung auf die Vielfalt ihrer Berufe aufmerksam machen und sich als attraktiver Arbeitgeber positionieren. Am Freitag stellt das Landratsamt die Kampagne nun öffentlich vor.
Ludwigsburg Sparen und um Fachkräfte werben
Mit der neuen Marketingkampagne „Großes vor“ will sich das Landratsamt Ludwigsburg als attraktiver Arbeitgeber präsentieren und neue Bewerbergruppen erreichen.
Zum Auftakt musste Landrat Dietmar Allgaier erst einmal einen Widerspruch abräumen. Hintergrund sind die seit zwei Jahren laufenden Haushaltskonsolidierungen, vor denen auch die Personalkosten nicht ausgeklammert sind. Mitte des Jahres waren rund 35 Stellen auf der Liste der Reduzierungen mit einem Einspareffekt von 4,8 Millionen Euro verzeichnet. Wie passt da eine Kampagne zur Personalgewinnung hinein?
Man müsse sparen, wo man muss, aber nicht dort, wo man Pflichtaufgaben erfüllen müsse, erklärt der Landrat. So seien die Einsparungen nicht im Sozialbereich oder bei der Zulassungsstelle erfolgt, sondern zum größten Teil bei Freiwilligkeitsaufgaben.
Stichwort Soziales. Hier komme es, so Allgaier, immer stärker zu gesellschaftlichen Veränderungen. „Die Fallzahlen steigen, immer mehr Menschen brauchen Unterstützung.“ Dies betreffe vor allem das Sozialdezernat mit der Jugendhilfe, der Eingliederungshilfe und dem Jobcenter. Auf nackte Zahlen reduziert: Im Landratsamt gibt es aktuell 2500 Stellen und jährlich 200 Ausschreibungen, zum allergrößten Teil im Sozialbereich, viele davon in der Dauerschleife.
Dies ist aber nur ein Ansatzpunkt der Kampagne, die von der Tübinger Agentur Kavallerie entwickelt wurde. Ziel ist es, die Bekanntheit des Landratsamts als Arbeitgeber insgesamt zu erhöhen und neue Bewerbergruppen anzusprechen. Felix Schlepps von der beteiligten Agentur sieht eine Herausforderung darin, dass potenzielle Bewerber das Landratsamt zunächst überhaupt als möglichen Arbeitgeber wahrnehmen müssten. Eine Stellenanzeige allein reiche angesichts fehlender Fachkräfte häufig nicht mehr aus.
Vielfältige Arbeitsbereiche
Für die Kampagne wurde unter anderem untersucht, welches Bild potenzielle Bewerber von einer Tätigkeit in der öffentlichen Verwaltung haben und welche Eigenschaften die Kreisverwaltung als Arbeitgeber auszeichnen sollen. Das Ergebnis ist die Arbeitgebermarke „Großes vor“. Der Slogan soll auf die gesellschaftliche Bedeutung aber auch auf die vielfältige Arbeit im Landratsamt verweisen. Beschäftigte sind dort in unterschiedlichen Bereichen tätig – bei sozialen Themen sowie bei Aufgaben rund um Sicherheit, Ordnung und öffentliche Daseinsvorsorge.
„Gesucht werden auch Straßenwärter, Architekten und Bauingenieure“, wobei man in einer großen Konkurrenz zur freien Wirtschaft stehe, räumt Allgaier ein. Die Kampagne soll dabei nicht nur Menschen ansprechen, die ohnehin eine Beschäftigung in der Verwaltung suchen. Das Landratsamt hofft vielmehr, auch Fachkräfte und Berufseinsteiger zu erreichen, die eine Kreisverwaltung bislang nicht als Arbeitgeber betrachtet haben.
„Schwäbisch sparsam “
Für die Kampagne setzt das Landratsamt auf eigene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wie Anja vom Jobcenter. Sie werden auf Plakaten und Videoclips gezeigt und berichten über ihren Berufsalltag und ihre Motivation. Mit persönlichen Berichten versucht das Landratsamt, ein weniger abstraktes Bild der Verwaltung zu vermitteln. Die Kampagne wird durch eine neue Karriere-Website unter der Adresse (www. großes-vor.de) ergänzt. Sie bündelt Informationen über Berufsfelder, Arbeitsbedingungen und Leistungen des Landratsamts und verweist auf aktuelle Stellenangebote.
Landrat Dietmar Allgaier hofft auf qualifizierte Bewerbungen, „auch bei etwas schwerer zu besetzende Berufsgruppen.“ Und die Präsenz der Kampagne soll nachhaltig wirken. Es gibt einen Messestand, Plakate im Stadtgebiet und neue Folien auf den Fahrzeugen des Fuhrparks. Die Kosten für die Kampagne beziffert Landrat Dietmar Allgaier mit einem fünfstelligen Betrag. Man sei „schwäbisch sparsam unterwegs“, und das Geld eine Investition in die Zukunft.
