Ludwigsburg Von der venezianischen Messe verzaubert

Von Ines Schmiedl
Die Venezianische Messe begann traditionell mit der Künstlerprozession aller Maskenträger durch die Stadt. Foto: Werner Kuhnle

Ludwigsburg erlebte drei tolle Tage bei sommerlichen Temperaturen mit wundervollen Künstlern. 

Drei Tage lang hat die Venezianische Messe die Stadt Ludwigsburg in staunender Atemlosigkeit gehalten: Es ist ein besonderes Fest voller Überraschungen, mit viel Musik, bunten Kostümen und einem ausgewählten Programm. Manchmal wissen die Gäste gar nicht, wo sie zuerst hinschauen sollen – der Auftakt mit der Prozession aller Künstler und Kostümträger ist so ein Programmpunkt, der sich an jedem der drei Abende wiederholt hat.

Historische Vorlage des Festes

Eben stakste noch die BirdMen-Performance durch die Zuschauerreihen, zwei gewaltige weiße Vögel und eine Frau – alle auf Stelzen – schreiten majestätisch über den Marktplatz, als auch schon die Vorboten des festlichen Umzugs eintreffen – ganz Venedig-like eine Gondel mit singendem Gondoliere, die von Menschenhand voran geschoben wird. Gleich danach macht Ludwigsburg seine innige Verbundenheit mit seinen Partnerstädten in aller Welt in farbenfrohen Kostümen sichtbar.

Diese Figurinen begrüßte Oberbürgermeister Dr. Matthias Knecht wenig später in seiner kurzen Ansprache besonders herzlich und wies sowohl auf den europäischen Gedanken als auch auf die historische Vorlage des Fests hin: Herzog Carl Eugen von Württemberg reiste 1766 nach Venedig und war von dem dortigen Karneval so begeistert, dass er ihn in Ludwigsburg stattfinden ließ. Im Jahr 1993 durfte diese Tradition wieder aufleben und findet seither im zweijährigen Turnus statt.

Doch zurück zur bunten Prozession und den staunenden, fast permanent alles und jeden mit ihren Handys fotografierenden und filmenden Gästen, die sich gar nicht satt sehen konnten ob der detailreichen Kostüme, hier war eine schwarze Gondel in einem opulenten Damenhut verbaut, dort rankten sich Blüten um ein Kleid, es wurden glitzernde Feenflügel geschlagen, da drehte sich ein Pierrot um einen Harlekin, die von einem ernst schauenden Einhorn abgelöst wurden, dem römische Soldaten folgten. Immer noch fantasievoller wurden die Kostüme, noch mehr Glitzer und Perlen an den Kleidern, noch detailverliebter die Künstler. Die letzte Gruppe des Umzugs machte auch akustisch den Abschluss: Die Performer von „Stahl fatal“ brauchten eigene Sicherheitsleute, die die Gäste davon abhielten, zwischen Fässer und schiebbarem Stahlrohrfahrzeug zu gelangen. Immer wieder durfte die aus Ludwigsburg stammende Percussion-Gruppe eine nach der anderen Zugabe geben, bis sie vom nächsten Programmpunkt abgelöst wurden, denn schon schritten wieder die großen, nunmehr beleuchteten BirdMen durch die Reihen. Die Gäste konnten zum Auftakt noch House-Musik und eine Lasershow genießen oder einfach das italienische Flair mit dem einen oder anderen leckeren Gericht oder Getränk auf sich wirken lassen.

Friseure stylen Kunstwerke

Auch Samstag und Sonntag waren angefüllt mit Programmpunkten, wie die kreativen Friseure um die Gruppe Sinopsis Osadia etwa. Diese Friseure sind selbst Kunstwerke und gestalten die Köpfe ihrer Klienten in solche: Ob als bunter Löwe, als Baum mit Ästen und Vögelchen oder – wer keine Haare hatte – als weißgesprayter Alien mit Hörnern. Die Werke begeisterten das Publikum so, dass sich immer neue Gäste auf die Stühle der Hairstylisten begaben, ohne zu wissen, was als nächstes den kreativen Köpfen wohl entspringen würde.

Auch musikalisch gab es eine große Bandbreite auf den verschiedenen Bühnen: Ob Lieder aus Süditalien, Arien, Italo-Hits oder der Schneeballwalzer des T.S.C., in das schnell das Publikum einbezogen wurde. Theatralisch wurde es beim Showact mit Trojanischem Pferd, einer Clowneske oder einer skurrilen Akrobatiknummer. Wer davon genug hatte, konnte durch die Gasse der Kunsthandwerker bummeln und hatte die Qual der Wahl zwischen Masken, Hüten, Haarnadeln oder vielleicht doch lieber einer pompösen Perücke. Die Kostümträger schritten immer wieder durch das Publikum, , ließen sich fotografieren und posierten für Selfies.

 
 
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