Ludwigsburg Zwischen Bibel und Koran: Projekt zeigt Gemeinsamkeiten

Von Heidi Falk
Makisa Fathai, Esra Öztürk und Hanna Allgayer (von links) haben im Bibliorama einen Raum gestaltet. Foto: /Jasmin und Dieter Gronbach

Drei Studentinnen aus PH und EH in Ludwigsburg durften im Bibelmuseum Bibliorama einen Raum gestalten. Was das mit interreligiösem Dialog zu tun hat, verraten sie der BZ.

Jesus und seine Mutter Maria sind zentrale Figuren der Bibel und daher klar dem Christentum zuzuordnen. Auch im Judentum werden sie erwähnt – wenn auch mit etwas anderer Bedeutung. Weniger bekannt ist jedoch, dass beide auch im Islam eine wichtige Rolle spielen: Im Koran erscheinen sie unter den Namen Isa und Maryam. Ähnlich sieht es mit den Figuren Adam und Eva sowie Moses aus. Genau auf solche Parallelen innerhalb der Religionen wollen eine Studentin und zwei Referendarinnen mit einem Projekt aufmerksam machen.

Drei angehende Lehrerinnen aus Ludwigsburg

Makisa Fathai ist 28 Jahre alt und studierte Islamische Theologie/Religionspädagogik und Kunst an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg (PH). Sie ist mittlerweile im Referendariat, ebenso die 27-jährige Esra Öztürk. Sie studierte Islamische Religionspädagogik und Theologie sowie Deutsch und Kunst an der PH. Die dritte im Bunde ist Hanna Allgayer. Sie ist 23 Jahre alt und studiert im achten Semester Religions- und Gemeindepädagogik sowie Soziale Arbeit an der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg (EH). Alle drei Frauen wurden durch Dozentinnen auf ein interreligiöses Projekt aufmerksam gemacht, das vom „Bibliorama – das Bibelmuseum Stuttgart“ (siehe Infobox) ausging und für das noch Teilnehmerinnen gesucht wurden. „Ich glaube unsere Dozentin sprach uns an, weil es auch um Gestaltung ging und wir beide auch Kunst studiert haben“, sagt Esra Öztürk im Gespräch mit der BZ. Die drei Frauen bewarben sich und wurden ausgewählt.

Ziel des Projekts war, zusammen einen Ausstellungsraum im Bibliorama zu gestalten, der eine Figur in den Mittelpunkt stellt, die sowohl im Christentum als auch im Islam vorkommt. Die Elemente sollten mobil sein und vor allem Schulklassen ansprechen. Die Frauen haben sich für Moses entschieden und Spiegel mit eingelassenen Kästen entworfen, in die herausnehmbare Tafeln gestellt werden können. Die Tafeln sind aus Plexiglas. Darauf sind die zehn Gebote zu sehen. Auch gibt es solche Tafeln mit Grundprinzipien aus dem Koran, die als Richtlinien zur Lebensführung gelten. Und auch Mose (Musa) kommt in beiden heiligen Schriften vor. Durch das transparente Plexiglas können die Gebote und Richtlinien übereinander gelegt werden, wobei beides lesbar ist. „Unsere Message ist, dass wir nicht so unterschiedlich sind. Vor allem bei Dingen, die wichtig für das Leben miteinander sind“, sagt Öztürk. Die Frauen wollten die großen Gemeinsamkeiten der Religionen zeigen.

Neben der Installation rund um die Gebote gibt es noch andere Elemente. So hat Makisa Fathai ein Wackelbild entworfen, das einerseits Moses als Baby im Körbchen auf dem Wasser zeigt und andererseits den Erwachsenen, der das Meer teilt.

Von der Idee zum fertigen Raum hat es rund ein Jahr gedauert. „Alles in der Ausstellung wurde extra hergestellt von einem Messebauer“, sagt Allgayer. Auch haben die angehenden Religionslehrerinnen einen Leitfaden für die Museumspädagogik geschrieben. Seitdem der Raum für Besucher geöffnet ist, bekommen sie viel positives Feedback.

Die Frauen können aber auch für sich selbst und ihre berufliche Zukunft viel mitnehmen, berichten sie: „Es ist wichtig, auch über die anderen Religionen Bescheid zu wissen. Man möchte aber auch nichts Falsches sagen“, sagt Öztürk, dabei helfe der direkte Austausch. Im Lehrplan stehen die Weltreligionen zwar. „In der Praxis habe ich damit positive, aber auch negative Erfahrungen gesammelt“, sagt Allgayer. Einige Kinder und Jugendliche seien interessiert und erkennen Gemeinsamkeiten und Unterschiede an. Andere verstünden nicht, warum man sich als evangelischer Christ mit anderen Religionen beschäftigen sollte. „Es gibt Berührungsängste“, so Allgayer. Es sei wichtig, sich zu trauen, in den Austausch zu kommen. Die Ablehnungshaltung komme zustande, weil die andere Religion fremd sei. „Neugier zu wecken ist auch unsere Aufgabe“, sagt die EH-Studentin. Einer ihrer Schüler habe einfach mal seinen muslimischen Nachbarn zu Abraham angesprochen. „Er ist mit ihm ins Gespräch gekommen. Der Austausch war für beide total bereichernd.“ Genau das hätten die drei Frauen auch bei ihrem Projekt gemerkt. „Die Parallelen waren für mich und meinen Glauben bereichernd“, resümiert Allgayer.

Unterschiede stehen allzu oft im Fokus

Die Nähe zum Judentum sei bereits zu ihrer Schulzeit betont worden, das fehle in Bezug auf den Islam oftmals. „Oft stehen die Unterschiede und nicht die Gemeinsamkeiten im Vordergrund. Unser Ausstellungsraum regt zum Verschub in der Perspektive an und dazu, sich nicht zu verschließen vor vermeintlich Fremdem.“

„Ich wünsche mir, dass es mehr solcher Projekte gibt, um Vorurteile abzulegen. Der Austausch hilft auch gegen den Rechtsruck“, sagt Öztürk. Muslime und der Islam seien ein Teil von Deutschland. „Das Gefühl, willkommen zu sein, möchte ich meinen Schülern mitgeben.“

Das interreligiöse Projekt am Museum Bibliorama

Am interreligiösen Projekt des „Bibliorama – das Bibelmuseum Stuttgart“ beteiligten sich neben den drei Studentinnen auch Gökcen Sara Tamer-Uzun, Dozentin für islamische Theologie der PH Ludwigsburg, Beate Schuhmacher-Ries und Kristina Schnürle, Leiterinnen des Bibliorama, und Dr. Friedmann Eißler, Islambeauftragter der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.

 
 
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