Ludwigsburger Schlossfestspiele Das neue Konzept geht auf

Von Sandra Bildmann
Die südkoreanische Jazzsängerin Sängerin Youn Sun Nah mit Band bei der Sommernacht im Hof der Karlskaserne. Foto: /Martin Kalb

Mit den „Festspiel-Nächten“ werden neue Wege begangen. Der Premierenabend in der Karlskaserne gelang. 

Man kennt die Ludwigsburger Schlossfestspiele in erster Linie klassisch. Doch schon in der Vergangenheit und unter den Intendanzen von Thomas Wördehoff und Jochen Sandig wurde mit Aufführungsformaten, Orten und Programmzusammenstellungen experimentiert. Neue Zielgruppen zu erschließen, war und ist ein ausgesprochenes Ziel des Festivals.

Plattform für ungewohnte Genres

Mit dem Open-air-Format „Festspiel-Nacht“ im Innenhof der Karlskaserne boten die Schlossfestspiele unter der Intendanz von Lucas Reuter nun am Donnerstag- und Freitagabend für 49 Euro Eintritt jeweils ein dreistündiges Event. Es brachte die Lockerheit von Veranstaltungen unter freiem Himmel einerseits mit dem künstlerischen Anspruch des Festivals in Einklang und bietet andererseits im Rahmen der Festspiele bislang eher ungewohnten Genres eine Plattform. Drei Auftritte haben die Organisatoren dafür vorgesehen, zwei musikalische und eine vorwiegend performative Darbietung, die sich gut ergänzten. Die Künstler interpretierten nicht längst komponierte Werke des klassischen Kanons, sondern präsentierten ihre eigenen Schöpfungen. Mit Youn Sun Nah trat zunächst ein internationaler Singer-Songwriter-Star samt Band auf. Rund eine Stunde lang begeisterte die Koreanerin ihre Fans mit ihrem Gesangs- und Musik-Stil zwischen Indie-Pop, Jazz und Folk.

„Eine Sommernacht zum Tanzen und Träumen“ hatten die Schlossfestspiele angekündigt. Mit dem dritten Beitrag des Abends, der niederländischen Formation „Jungle by night“, war es soweit: Keyboarder Pyke Pasman lockte das Publikum vom weitläufigen Gelände vor die Bühne. Das Licht der Scheinwerfer färbte die mittlerweile eingezogene Dunkelheit bunt, nun war die Freiluft-Disco in vollem Gange. Waren die wenigen Sitzgelegenheiten zu Beginn noch sehr begehrt, wippte ein Großteil der Zuhörer nun stehend vor der Bühne im Takt.

Zwischen Funk und Electro

Der Reichtum an Instrumenten schenkte dem Sound eine Variabilität, zwischen Funk und Electro mischten sich auch Afrobeats und karibisches Flair. Den gelegentlichen Einsatz der Stimme verstand die sechsköpfige Combo hingegen als Farbe, präsentierte neben Songs ihrer knapp 20-jährigen Bandhistorie auch Stücke des jüngsten Albums.

Ein echter Hingucker war zuvor das Tanz-Duo „Il posto“, als es sich an der Wand der Karlskaserne abseilte und eine eigens für diesen Ort kreierte Choreografie zeigte. Die knapp halbstündige Vertical-Dance-Performance wirkte eindrucksvoller, je dunkler es wurde, als die Lichtprojektionen am Gemäuer kontrastreich erkennbar waren. Der für die Musik zuständige Marco Castelli setzte auf Klänge von sakralem „Pater noster“ über Delibes „Blumenduett“ bis zu elektronischen Action-Beats und begleitete teils selbst am Saxofon.

Die italienischen Fassaden-Tänzerinnen waren auch bei der zweiten Festspiel-Nacht am Freitag der spektakuläre Akt in der Mitte. Davor stand an diesem Abend Fado mit Carminho auf dem Programm, für die Unterhaltung bei Dunkelheit war der Brasilianer Zé Ibarra verantwortlich.

Der Zuspruch und die Reaktionen des Publikums bei der Premiere dürften die Verantwortlichen bestärken, dieses Konzept auch in Zukunft weiter zu verfolgen.  Sandra Bildmann

 
 
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