Es ist kurz vor zehn Uhr morgens am Freitag, als die Jugendlichen langsam am Flugplatz in Löchgau eintrudeln. Hier findet heute die „Faszination Segelfliegen“ als Teil des Sommerferienprogramms der umliegenden Gemeinden statt. Das Interesse ist groß: „Wir sind mit 22 Teilnehmern ausgebucht“, sagt Jörg Schneider, Erster Vorstand der Luftfahrtgemeinschaft Bietigheim, Lauffen und Löchgau.
Luftsportgemeinschaft „Der kleine Traum vom Fliegen“
Auf dem Flugplatz der Luftsportgemeinschaft Bietigheim, Lauffen und Löchgau fand die „Faszination Segelfliegen“ im Rahmen des Sommerferienprogramms statt.
Die Eltern und Großeltern, die die Teilnehmer gebracht haben, geben noch die Gebühr von 15 Euro ab, dann verabschieden sie sich. Nach einer Begrüßungsrunde werden die Jugendlichen in zwei Gruppen aufgeteilt und ihnen werden die Segelflugzeuge – ein Schulflugzeug, mit dem man als Anfänger beginnt, und ein Streckenflugzeug, das auch längere Distanzen schafft – erklärt. Lars und Jan, zwei der Piloten, zeigen einer der Gruppen das Schulflugzeug, die ASK 21. Die Teilnehmer lernen, wie sich der Steuerknüppel auf die Ausrichtung der Flügel auswirkt, wo man Höhenmeter und Luftdruck ablesen kann, wofür man den Bordcomputer braucht und wie man ohne Treibstoff fliegt.
Gleiten durch Luftauftrieb
Man sucht einen Ort, an dem die Luft das Flugzeug auftreibt, und gleitet dann mit dieser Energie weiter zum nächsten Auftriebsort. So kann man ohne Probleme 400 Kilometer zurücklegen – bei optimalen Wetterbedingungen sogar bis zu 1000 Kilometern. Optimale Wetterbedingungen sind an diesem Tag gegeben: Bei blauem Himmel und bis zu 30 Grad dürfen Sonnenbrille und Kappe im Flieger nicht fehlen. Danach geht es mit Theorie weiter – aber nicht allzu lange, da ja Ferien sind, betont Steffen Lorenz, Fluglehrer und stellvertretender Ausbildungsleiter. Er bespricht mit den Jugendlichen den Tagesablauf, erklärt noch ein bisschen das Segelfliegen und nennt weitere wichtige Informationen, wie zum Beispiel: Was es zum Mittagessen gibt und wo die Toiletten sind.
Dann geht es endlich los: Die Vereinsmitglieder und Jugendlichen machen sich über den Flugplatz auf den Weg zum Startpunkt, an dem die beiden Segelflieger schon stehen, während die Seilwinde an ihren Standort gefahren wird, der einen Kilometer vom Startpunkt entfernt liegt.
Die Winde als gewisses Extra
Auf dem Löchgauer Flugplatz werden fast ausschließlich Windenstarts gemacht – es gibt auch noch die Möglichkeit, von einem Motorflugzeug hochgezogen zu werden, aber mit der Winde hat man noch einen zusätzlichen Kick, meint Schneider: „Das ist einfach etwas Besonderes. Meine Kinder sagen, besser als Achterbahn.“ Beim Windenstart beschleunigt das Flugzeug in drei bis fünf Sekunden von null auf hundert Stundenkilometer, das ist genauso schnell wie die „Karacho“-Achterbahn in Tripsdrill. „Das sieht aus, als würde man einen Spielzeugdrachen starten lassen“, meint Pilot Lars.
Aufregung ist ganz normal, aber heute hilft es, dass man nicht allein ist, sondern in der Gruppe. Im Schnitt gebe es jedes Jahr einen Jugendlichen, der sich dann doch nicht traut. Aber Schneiders Erfahrung zeigt: „Die Leute steigen mit etwas Angst ein und mit Begeisterung wieder aus.“
2014 fand das Event zum ersten Mal statt, damals wurde es noch von Hans Ziegler, mittlerweile Ehrenmitglied des Vereins, organisiert. Zunächst kamen die Kinder des Löchgauer Kindergartens, natürlich in Begleitung ihrer Eltern, um die Segelflugzeuge aus der Nähe zu sehen und sich „mal reinzusetzen“, so Ziegler. Gemeinsam mit der Stadt Bönnigheim ließen sie sich dann in das Sommerferienprogramm der Gemeinden aufnehmen und veranstalten den Tag seitdem jedes Jahr. Dieses Jahr übernimmt Lorenz zum ersten Mal die Organisation. Er ist bereits seit seinem zwölften Lebensjahr Mitglied im Verein. Das Fliegen habe ihn damals einfach „süchtig gemacht“. Am Anfang ist er meistens mit dem Vereinsauto über den Flugplatz gefahren, bis er mit 14 endlich in Begleitung fliegen durfte und mit 16 seine Lizenz erworben hat.
Das Segelfliegen ist ein Mannschaftssport, denn der Pilot braucht zum Fliegen einen Betriebsleiter, einen Windenfahrer und einen Starthelfer. „Man kann allein oder zu zweit fliegen, aber abends sitzt man immer mit den Kameraden zusammen“, meint Schneider. Das Hobby fördert die Selbstständigkeit und ist prägend für die eigene Persönlichkeit, besonders bei jungen Menschen, und 14 sei ein sehr gutes Alter, um anzufangen. Bis jetzt ist es noch nicht vorgekommen, dass einer der Jugendlichen nach dem Event gepackt wurde und wiedergekommen ist – dafür aber ein Vater eines Teilnehmers.
Wer wie die Vereinsmitglieder ebenfalls einen „kleinen Traum vom Fliegen“ hat, kann einfach an den Wochenenden ab 10 Uhr beim Flugplatz vorbeikommen.
