Machbarkeitsstudie zur Überdeckelung der A81 Leben und Wohnen über der Autobahn

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Rund zwei Hektar neue Fläche könnten entstehen, wenn die Autobahn bei Freiberg überdeckelt würde. Die Verantwortlichen wollen das Projekt weiterverfolgen und als nächstes die Bürger beteiligen.⇥ Foto: StudioHometown

Die Stadt hat die Machbarkeitsstudie zur Überdeckelung der A81 vorgestellt. Das Projekte ist machbar, sagte Stefan Kegreiß.

Die Vision kann realisiert werden.“ Dieses Fazit zur Machbarkeitsstudie für die Autobahnüberdeckelung der A81 auf 400 Metern Länge hat der Erste Beigeordnete der Stadt Freiberg, Stefan Kegreiß, am Dienstagabend gezogen. Im Rathaus vertrat er den erkrankten Bürgermeister Dirk Schaible. Gemeinsam mit dem Projektteam, Vertretern aus der Politik und von der Internationalen Bauaustellung (IBA’27) präsentierte Kegreiß die Studie „Freiraum für Freiberg“, die vom Wirtschaftsministerium gefördert worden war. Anschließend wurde die Studie dem Gemeinderat vorgestellt. Nun soll die Öffentlichkeit beteiligt werden.

Die Studie untersucht, ob es technisch und wirtschaftlich machbar ist, die Autobahn auf einer Länge von rund 400 Metern mit einem Deckel zu versehen und die so gewonnene Fläche für Häuser, Grünflächen und Tiefgaragen zu nutzen. „Die Machbarkeit ist bestätigt“, sagte Kegreiß – auch wenn es noch viele offene Fragen gebe.

Topografie, Geologie, Konstruktion sowie Kosten und Wirtschaftlichkeit der Überdeckelung: Die Studie beleuchtet auch den Brand- und Schallschutz sowie die rechtlichen Bedingungen. Außerdem geht die Untersuchung auf die Weiterentwicklung des Städtebaukonzepts und der Freianlagen ein.

Die Überdeckelung  in Leichtbauweise verbindet die Stadtteile Freibergs mit der Neuen Mitte, erklärte Projektleiter Prof. Dr. Michael Herrmann von der Structure GmbH. Sie würde auch eine neue Qualität für die Oscar-Paret-Schule bedeuten, die künftig bis zu acht Meter an die Autobahn heranreicht.

Zwei Hektar große Fläche

Das Leuchtturmprojekt könne die bisher nicht nutzbare Fläche über der Autobahn entwickeln, die Lebensqualität in Freiberg erhöhen und Nachhaltigkeit mit der Technik der Leichtbauweise verbinden, ist Herrmann überzeugt.

Auf der rund zwei Hektar großen Überdeckelung sollen im Westen Einzelhäuser mit zwei bis drei Ebenen und Richtung Neue Mitte Punkthäuser mit vier- bis sieben Geschossen enstehen, erläuterte Arne Fentzloff von Architektur 109. Die Einzelhäuser sollen als „Mehr-Nutzen-Haus“ gebaut werden. Ein Haus soll dabei nach und nach erweiterbar sein und aus bis zu vier vorgefertigten Raummodulen in Holzkonstruktion bestehen können. Die Punkthäuser nahe der Schule sollen auf den ersten beiden Ebenen für Büros und Dienstleistungen und in den Ebenen darüber für Wohnungen genutzt werden.

Zwischen den Häusern soll es Wege für Fußgänger und Radfahrer sowie Aufenthaltsbereiche geben. Auf der Ebene unterhalb der Wohnbebauung sollen über der Autobahn Gemeinschaftsgaragen entstehen. Mithilfe der Überdeckelung können laut Studie rund 30 000 Quadratmeter Baugrundfläche (mit Garagen) entstehen. Durch die Kapselung der A81 wird die Lärmbelastung laut Projektleiter Hermann „deutlich reduziert“. An den Gebäuden müssten Schutzmaßnahmen angebracht werden.

Die Gesamtkosten des Projekts belaufen sich auf rund 126 Millionen Euro. Aufgrund der lockeren Bebauung sei es zwar „erst einmal nicht wirtschaftlich“, sagte Dr. Johannes Hawlik von Octopus Real Estate. Doch auf diesem Weg könnte dringend benötigter Wohnraum geschaffen werden. Die Erlöse durch den Wohnraum und Möglichkeiten der Querfinanzierung etwa bei Lärmschutzmaßnahmen, die der Bund beim Ausbau der Autobahn finanzieren müsste, seien in die Studie noch nicht eingeflossen.

Im Netz der IBA’27

Der Intendant der IBA, Andreas Hofer, der die Überdeckelung in das IBA’27-Netz aufgenommen hat, lobte das Projekt als „zukunftsweisende Überbauung“. Die neuen Baumaterialen machten das Projekt zu etwas ganz Speziellem.

Der Bundestagsabgeordnete Eberhard Gienger (CDU) lobte die Sinnhaftigkeit des Projekts. Der Landtagsabgeordnete Fabian Gramling (CDU), der sich in den vergangenen Jahren sehr für das Projekt engagiert hatte, freute sich über das positive Ergebnis der Studie. Nun soll das Projekt in der Bevölkerung diskutiert werden. Im ersten Quartal 2021 stünden „die entscheidenden Gespräche“ mit der Autobahngesellschaft an.

www.freiraumfreiberg.de

 
 
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