Für die Fußball-Juniorinnen der Sportvereinigung Bissingen läuft es sportlich in dieser Saison bislang sehr gut. So wechselten die B-Juniorinnen vom Bezirk Enz/Murr in den Bezirk Stuttgart. Grund: Im Bezirk Enz/Murr gehen bei den B-Juniorinnen bislang meist nur Neuner-Teams an den Start, während in der Landeshauptstadt Mannschaften mit elf Spielerinnen an den Wettbewerben teilnehmen. „Im Juniorinnen-Bereich gibt es ja keine A-Jugend. Der Übergang von der B-Jugend zu den Frauen ist ohnehin ein großer Schritt“, betont Sigrid Kühnle, die Abteilungsleiterin der Juniorinnen. Hätten die Spielerinnen dann bisher nur Spielpraxis in Neuner-Teams gesammelt, sei es nochmals schwieriger, im Frauenfußball mitzuhalten.
Mädchenfußball „Es geht um die Zukunft der Mädchen“
Die komplette Juniorinnen-Abteilung wechselte im Sommer vom FSV 08 Bietigheim-Bissingen zur Sportvereinigung Bissingen.
B-Juniorinnen bislang erfolgreich
Die Bissinger B-Jugend hat bisher gut Tritt gefasst. Nach sechs Spieltagen in der Quali-Kreisstaffel belegen sie mit 15 Punkten Platz zwei hinter der zweiten Mannschaft des VfB Stuttgart. In der C-Jugend belegen die Nachwuchstalente aus Bissingen, ebenfalls in der Quali-Kreisstaffel, Platz drei. Besonderen Zulauf gibt es bei den E- und F-Juniorinnen, die gemeinsam trainieren. Fast 30 Spielerinnen gehören diesen jüngsten Altersklassen an. Insgesamt gibt es etwa 100 aktive Nachwuchsfußballerinnen bei der Sportvereinigung.
Das Besondere an der Situation: Bis Ende der letzten Saison spielten die Juniorinnen noch für den Ortsrivalen FSV 08 Bietigheim-Bissingen. Geschlossen erfolgte im Sommer der Übertritt zur Sportvereinigung. Spielerinnen, Betreuerinnen und Abteilungsleitung wechselten gemeinsam vom Bruchwald zur Sportvereinigung, die auf dem Jahnsportplatz trainiert und ihre Spiele austrägt. Dort fühle man sich wohl, betont Kühnle. Bei Nullacht habe es nicht mehr gepasst, so die Abteilungsleiterin, die schon bei Nullacht den Juniorinnen vorstand. Gemeint sind damit die Offiziellen. Zu einigen Spielerinnen des Frauen-Teams, das weiterhin dem FSV 08 Bietigheim-Bissingen angehört, bestehen noch private Kontakte. Ansonsten herrscht jedoch Funkstille.
Unterschiedliche Auffassungen
„Bei Nullacht wird Leistungssport betrieben. Ich wollte nicht, dass bei den Mädchen dasselbe stattfindet wie bei den Jungs. Man hat ohnehin schon genug Leistungs- und Zeitdruck, ob in der Schule oder anderswo“, sagt Kühnle. Auch, wenn sie sich bedeckt hält und nicht im Detail auf etwaige Meinungsverschiedenheiten innerhalb ihres ehemaligen Vereins eingeht, so geht doch hervor, dass es unterschiedliche Ansichten über eine mögliche professionelle Ausrichtung des Fußballs zu geben scheint. Tatsache ist, dass die Nullachter im Herrenbereich mindestens die Oberliga-Zugehörigkeit erhalten wollen. Jüngere Jahrgänge, wie die U23, die in der Bezirksliga spielt, sollen möglichst früh an das Niveau der Herren herangeführt werden. Ähnlichen Druck, wie er auf dem männlichen Nachwuchs zu lasten scheint, wollten sowohl Kühnle als auch ihre Mitstreiterinnen vermeiden.
„Natürlich wollen wir auch unsere Spiele gewinnen, das ist ja klar. Für mich ist es aber auch wichtig, dass die Mädchen mit Spaß bei der Sache dabei sind. Wir sind nicht auf dem Trip, dass wir Bundesliga spielen müssen“, betont Kühnle. Mehr als 40 Jahre habe sie dem FSV 08 Bietigheim-Bissingen angehört. Der Weggang habe ihr weh getan. „Es geht aber um die Zukunft der Mädchen.“ Wie es bei der Sportvereinigung in Sachen Frauenfußball – also bei den Aktiven – weitergehen wird, entscheidet sich in den nächsten Wochen und Monaten.
Spielgemeinschaft der Frauen
Damit einige der älteren B-Juniorinnen auch erste Spielerfahrung bei den Frauen sammeln können, ist die Sportvereinigung in die Spielgemeinschaft aus FV Roßwag und TSV Großglattbach eingestiegen. Dies ist aber offenbar erst einmal nur vorübergehend. Wie es weiter gehen wird, darüber soll in den nächsten Monaten mehr Klarheit entstehen, nach Gesprächen sowohl vereinsintern wie mit anderen Vereinen.
Von den Verantwortlichen des FSV 08 Bietigheim-Bissingen gab es trotz wiederholter Anfragen bislang kein Statement zum Wechsel der Juniorinnen zum Bissinger Lokalrivalen.
