Mangel bei Ärzten und Krankenhäusern Medizinische Fachkräfte werden überall eingesetzt, wo es hakt

Von Gabriele Szczegulski
Die Medizinischen Fachangestellten assistieren den Ärzten in den Praxen und in den Ambulanzen der Kliniken. Mittlerweile gibt es zu wenige Bewerber und Bewerberinnen. Foto: MEV-Verlag

Und der Mangel an medizinischen Fachpersonal geht weiter: Krankenhaus und Arztpraxen suchen dringend nach medizinischen Fachkräften, den sogenannten Arzthelferinnen.

Wo mangelt es denn gerade nicht im medizinisch-pflegerischen Bereich?“, fragt der Pressesprecher der RKH-Kliniken Ludwigsburg-Bietigheim, Alexander Tsongas, im Gespräch mit der BZ. Der Verbund der Fachärzte hatte in einer medizinischen Zeitschrift den Mangel an medizinischen Fachkräften (MFA) – bis 2006 war die Berufsbezeichnung Arzthelfer oder -helferin –, beklagt. Tsongas kann dies für die RKH-Kliniken bestätigen. Dort werden die MFA vor allem in den ambulanten Stationen, der Aufnahme, beim Röntgen und für die Sprechstunden eingesetzt. Bisher, sagt Tsongas.

Da es aber auf den Stationen an Pflegepersonal nur so mangelt, werden die MFA auch dort eingesetzt, um leichte Aufgaben in der Pflege zu leisten und die Pflegefachkräfte zu unterstützen. „Und dann fehlen sie halt dort, wo sie eigentlich arbeiten“, so Tsongas. Und die verbliebenen Mitarbeiterinnen müssten in den Ambulanzen Überstunden machen, „was auch nicht dazu beiträgt, dass die Mitarbeiterinnen zufrieden sind“, sagt Tsongas.

Die Kliniken bilden zwar derzeit zehn MFA selbst aus, aber das sei viel zu wenig. „Wir könnten mehr ausbilden, aber es gibt nicht genügend Plätze in den Berufsschulen“, so Tsongas. Allerdings seien auch die Bewerbungen zur MFA stark zurückgegangen. Den Grund sieht er einerseits in der dreijährigen Ausbildung, andererseits darin, dass das Gehalt im Vergleich zu einer Pflegefachkraft geringer ist, „darum machen sie gleich die Ausbildung zur Pflegefachkraft“, so Tsongas.

Dann sei Corona ein Grund, dass viele MFA in andere Berufe wechseln oder gar nicht damit anfangen. Denn gerade die oder der MFA sei ja an vorderster Front gewesen, haben den Ärger der Patienten als Erste oder Erster an der Aufnahme oder in der Praxis entgegennehmen müssen. Lange Arbeitszeiten, nicht nur in Corona-Zeiten, inklusive. „Auch in diesem Bereich gilt es, den Beruf als solchen attraktiver zu gestalten. Wir müssen auch bei den MFAs alles tun, damit wir weitere Bewerber und Bewerberinnen gewinnen“, so Tsongas.

Auch Dr. Carola Maitra, Vorsitzende der Kreisärzteschaft, weiß von einem „absoluten Mangel“ in den Praxen, „angefangen in den Hausarztpraxen bis hin zu den Facharztpraxen“. „Die MFA“, so sagt sie, „sind in den Praxen eine absolute Notwendigkeit, ohne sie geht gar nichts“.

Vom Praxismanagement hin zur Arztassistenz, kleinen medizinischen Erstversorgungen, Kontakt zu den Patienten und Beratungen – „der Aufgabenbereich ist wahnsinnig breit gefächert und die MFAs haben in den Praxen auch wahnsinnig viel zu tun“, so Maitra. Zwar würden alle Ärzte selbst in ihren Praxen MFAs ausbilden, aber: „Der Schwund ist groß, und die Bewerberzahl nicht genügend, viele Stellen bleiben derzeit unbesetzt.“

Maitra selbst hat erst vor Kurzem die Auszubildenden zu medizinischen Fachangestellten des Kreises Ludwigsburg im Berufsschulzentrum Römerhügel in Ludwigsburg verabschiedet. 80 Auszubildende waren dies, „wir könnten gut die Hälfte mehr haben“, sagt sie.

„Veras“ können den Ärztenviel abnehmen

Die Bezeichnung „Arzthelferin“ findet Maitra „herabwürdigend“, da das Berufsbild sehr breit aufgestellt sei. Viele MFAs würden während ihrer Arbeit in den Praxen noch Zusatzausbildungen machen, beispielsweise in Praxismanagement oder zur Versorgungsassistentin (Vera). Sogenannte „Veras“ dürften dann zum Beispiel eigenständig Hausbesuche machen oder medizinische Erstversorgungen oder in Zahnarztpraxen Prophylaxe machen. „Bei diesem Mangel an Personal, da steht der Arzt bald alleine da“, sagt Maitra. Man müsse noch besser über den Beruf informieren, seine Vielschichtigkeit nach außen tragen, um mehr Bewerber zu bekommen, sagt sie.

Mehr Männer für diesenBeruf gesucht

Grund für den Mangel ist für Maitra auch, dass vor allem Frauen den Beruf ergreifen, die dann in Teilzeit oder Elternzeit gehen oder aber den Beruf ganz verlassen. Vor allem für die Kinderbetreuung seien „kreative Lösungen“ gefragt. „Wir müssen auch für mehr Männer in diesem Beruf werben“, sagt sie. Die dreijährige Ausbildungszeit ist für sie nicht kürzbar, da die Azubis in dieser Zeit in medizinische Fachbegriffe eingeführt werden müssen, die ihnen bis dato fremd waren. Für den Beruf der MFA ist mindestens der Hauptschulabschluss vonnöten und „gute Kenntnisse in der Sprache, weil man ja kommunizieren oder Briefe schreiben muss“.

Corona habe auch dazu beigetragen, dass viele Praxisangestellte gekündigt hätten: „Die MFAs sind die Ersten, auf die alles prallt, sie bekommen den ganzen Ärger der Patienten zu spüren, sind im wahrsten Sinne des Wortes die Ersthelfer in den Praxen und mussten vor allem während Corona viel aushalten“. Man müsse auch an die Patienten appellieren, nicht alles an den MFAs auszulassen, die sowieso schon lange Arbeitszeiten hätten und „zusammen mit dem Arzt einen wichtigen Job tun“, so Maitra.

Ausbildung zur Medizinischen Fachangestellten

Die Medizinische Fachangestellten
machen eine duale Ausbildung, sind drei Tage in der Arzpraxis und zwei Tage in der Berufsschule. In der Berufsschule eignen sich medizinische Fachangestellte theoretisches Wissen zu verschiedenen medizinischen Themen an. Lernfelder wie die Prävention von Notfallsituationen, die Warenbeschaffung oder unterschiedliche Krankheitsbilder dienen als Grundlage für ihre praktische Arbeit. Empfohlen wird der Realschulabschluss als Voraussetzung, es reicht aber auch ein guter Hauptschulabschluss.

Die Auszubildenden
verdienen im ersten Jahr 880 Euro brutto, im zweiten 935 Euro, im dritten Ausbildungsjahr 995 Euro. Medizinische Fachangestellte (MFA) begrüßen und empfangen Patienten, wenn sie die Arztpraxis betreten. Über den Computer und der Chipkarte nehmen sie persönliche Daten in die elektronische Patientenakte auf. Vor jeder Behandlung überprüft man die Behandlungsräume und legt einzelne Instrumente und Arzneimittel bereit. Darüber hinaus sorgen medizinische Fachangestellte dafür, dass Hygienevorschriften durch Desinfektionsmaßnahmen strengstens eingehalten werden.

Bei Behandlungen
betreut man als medizinische Fachangestellte den Patienten und assistiert dem Arzt, indem man ihm beispielsweise erforderliche Instrumente reicht. Zudem ist es Aufgabe einer medizinischen Fachangestellten, Patienten Blut abzunehmen, Verbände anzulegen oder Medikamente und Injektionen zu verabreichen. Nach den Behandlungen klärt man Arztbesucher über den weiteren Behandlungsablauf auf. Aber auch im Sinne von Prävention berät man Patienten über Vorsorgemöglichkeiten. Gegebenenfalls werden auch Schulungen zu Gesundheitsthemen von einer MFA durchgeführt. MFAs sind auch im medizinischen Labor tätig. Dort führen sie Untersuchungen durch. Beispielsweise wird Blut oder Harn mit Hilfe von Mikroskopen auf unterschiedliche Werte analysiert. Bei auffälligen Werten informieren medizinische Fachangestellte die zuständigen Ärzte. Im Berufsalltag schreiben MFAs Arztbriefe und Überweisungen an Fachärzte oder Kliniken. Darüber hinaus führen sie Abrechnungen mit Krankenkassen und Privatpersonen durch. Auch die Terminvergabe gehört zum Job einer medizinischen Assistenz. sz

 
 
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