Zuhören, wenn es einem nicht gut geht, dunkle Gedankenwolken durch ein Gespräch beiseite schaffen, einfach da sein, um ein Schwätzle zu halten oder einmal eine kleine Besorgung machen, weil die Beine heute nicht so richtig wollen – die ehrenamtliche Arbeit der Seelsorgerinnen und Seelsorger ist vielfältig. Und: man muss keine Ausbildung in diesem Bereich vorweisen, sondern nur das Interesse an seinen Mitmenschen haben, ein bisschen Empathie zudem kann auch nicht schaden – und natürlich die Bereitschaft, nach den einführenden Kursen sich mindestens für zwei Jahre als seelsorgerisch tätige Ehrenamtliche einzubringen.
Markgröningen Begleiter, Zuhörer und Impulsgeber
An der Orthopädischen Klinik bildet die Klinikseelsorge in Zusammenarbeit mit dem Kirchenbezirk Vaihingen-Ditzingen ehrenamtliche Seelsorger aus.
Einsatz nicht nur in Kliniken
„Das kann – wie hier – in einem Krankenhaus oder einem Altenheim sein, oder in einer Einrichtung der Kirchengemeinde“, sagt Bezirkspfarrerin Barbara Martin. Zusammen mit Daniel Renz, dem Klinikseelsorger an der Orthopädischen Klinik Markgröningen, ist sie derzeit dabei, ein Seelsorgernetz aufzubauen, welches auf den so genannten KESS-Kursen fußt, die alle daran Interessierten absolvieren müssen.
Dabei steht „Kess“ initial für Kommunikation, Erfahrung, Spiritualität – und eben Seelsorge. Daniel Renz: „Eines unserer vorrangigsten Ziele ist es, die Seelsorge auf breitere Schultern zu verteilen“. Was bedeutet, dass dieses Tätigkeitsfeld nicht nur von Pfarrern und Gemeindereferenten übernommen, sondern durch Laien ergänzt wird.
Und um diese möglichst gewissenhaft darauf vorzubereiten und um sicherzustellen, dass Der- oder Diejenige passend für die Ansprüche sind, die ein Seelsorger aufweisen sollte, muss ein Bewerbungsschreiben verfasst werden, welches umfassend die Persönlichkeit und den Werdegang beinhaltet. Erst nach eingehender Prüfung wird dann zum Kennenlerngespräch geladen.
„Wir wollen“, ergänzt Renz, „damit sicherstellen, dass der Bewerber tatsächlich zu uns passt und sich das Ehrenamt auch zutraut. Außerdem wollen wir ihn ja auch über die Kurse hinaus für uns gewinnen“, sagt der Mann von der Klinikseelsorge. Der Seelsorger, der dann – wie erwähnt, entweder in einem Krankenhaus oder aber in einem Pflegeheim oder einer anderen Institution - seinen Dienst versieht, ist nicht nur für die Patienten, sondern auch für deren Angehörige und die jeweiligen Mitarbeiter da, ist Ansprechpartner für die verschiedensten Themen, angefangen von persönlichen Dingen des Alltags über Schicksale bis hin zu seelischem Beistand in besonderen Situationen, beispielsweise bei Trauerfällen. Renz: „Wir sind im oft hektischen und stressigen Klinikalltag die einzigen, die Zeit haben“.
Seelsorger zu sein bedeute, Begleiter, Zuhörer und Impulsgeber zu sein. Das Angebot gelte übrigens überkonfessionell. Glaubenszugehörigkeit spiele keine Rolle, auch persönliche weltanschauliche Sichten blieben außen vor. „Wir sehen den Menschen als Einheit und bieten ihm unsere Hilfe an“, erklärt Barbara Martin, und jeder, der das Bedürfnis verspüre, dass ihm geholfen werden sollte, könne sich an die ehrenamtlich Tätigen wenden. So wie an Thomas Haase, der seit geraumer Zeit – „und dies mit Begeisterung und viel Freude“, wie er gerne betont – als Seelsorger seinen Dienst versieht.
„Ich war im Ruhestand und habe überlegt, wie ich das Mehr an Zeit nun sinnvoll einsetzen könnte“, sagt der Ludwigsburger, und da habe er sich für einen Platz im Kess-Kurs interessiert, beworben und dann auch erfolgreich das Bewerbungsgespräch absolviert. „Mittlerweile kann ich mir mein Leben ohne dieses Ehrenamt gar nicht mehr vorstellen“, sagt er und denkt dabei an viele gute Gespräche mit all jenen, die bislang Kontakt mit ihm gehabt hätten. „Das gibt mir persönlich viel, aber auch und vor allem denen, um die wir uns kümmern.“
Dabei sei der Zeitaufwand, sagt Haase, überschaubar, „denn meist arbeite ich als Seelsorger zwischen vier und sechs Stunden in der Woche.“ Klinikleiter Olaf Sporys freut sich ebenfalls, dass es in seinem Haus die Klinikseelsorge gibt, „sie ist eine wahre Bereicherung und auch räumlich, nicht nur im übertragenen Sinne, mitten unter den Menschen.“
Schauen, wie sich alles entwickelt
Nun stehe man im Kirchenbezirk Vaihingen-Ditzingen mit den KESS-Absolventen noch am Anfang, und weder Barbara Martin noch Daniel Renz, auch nicht Thomas Haase und Olaf Sporys wissen, wohin die Reise geht. Daher sei man gespannt auf den im Juli startenden Kess-Kurs, der neue ehrenamtliche Seelsorger heranwachsen sehen wird. Ehrenamtliche, die da sind für ihre Mitmenschen und deren kleinen oder größeren Sorgen und Nöte, und die auch nur einmal zuhören, wenn jemanden etwas bedrückt.
