Konzentriert schauen die Kinder des Tastenflitzer-Orchesters zu ihrer Dirigentin Veronika Neuberger: „Das ist unser jüngstes Orchester“, erklärt sie, bevor sie sich wieder den Noten sowie dem Spiel der Kinder widmet. Mit sechs Orchestern und rund 80 Musizierenden ist der Handharmonika-Club Markgröningen gut aufgestellt und ein Schwerpunkt liegt auf der Nachwuchsförderung. „Wir gehen in die Schulen, in die zweiten Klassen und stellen das Akkordeon vor. Anschließend können die Kinder vier Monate lang schnuppern“, erläutert Veronika Neuberger das Konzept, bei dem der Unterricht kostenfrei ist.
Kreis Ludwigsburg Pop, Jazz, Klassik und Hardrock auf dem Akkordeon
Jährlich wählen die Musikräte der Länder ein Instrument des Jahres. Für 2026 fiel die Wahl auf das Akkordeon.
„Star Wars“ auf dem Akkordeon
Mia und Lucy, beide acht Jahre alt, sind inzwischen seit gut zehn Monaten dabei und ihnen gefallen die vielen Tasten am Instrument. Auch der zwölfjährige Anton ist seit der Schulpräsentation überzeugter Akkordeonspieler. Auf seinem Notenpult liegt eine Bearbeitung des Star-Wars-Themas, das er gerade mit seiner Lehrerin übt. Genau wie die elfjährige Greta und die zehnjährige Lua, die den schönen Klang mögen, spielt er schon im Schülerorchester, in dem das mehrstimmige gemeinsame Musizieren weiter vertieft wird. Einige Auftritte stehen hier auch auf der Agenda. „Es hat sich schon sehr viel geändert, da es inzwischen auch eine größere Auswahl an Originalliteratur gibt“, antwortet Veronika Neuberger auf das hartnäckige Klischee der Jahrmarktsquetschkommode. Dass das Akkordeon allerdings nicht zu den beliebtesten Instrumenten gehört, das bemerkt Manuel Huber, 1. Vorsitzender des Handharmonikaclubs (HHC) Freudental schon, denn mit Nachwuchs gesegnet sind sie leider nicht. „Das hat vielschichtige Gründe, die Ganztagsschule macht es schwierig“, seufzt er. Durch den häufigen Nachmittagsunterricht bleibt weniger Zeit für Hobbys, und auch durch Corona sind die Mitgliederzahlen zurückgegangen. Zurzeit besteht das erste Orchester noch aus 17 Spielern, die aber mit viel Leidenschaft dabei sind. „Bei den Proben sind wir fast immer vollzählig“, lobt Huber. Das Akkordeon bezeichnet er ebenfalls als „sehr vielseitig“, da es viele gute Stücke und Bearbeitungen gibt. Trotzdem sei immer noch oft aus dem Publikum zu hören, dass man dem Instrument solch einen brillanten Klang gar nicht zugetraut habe. Denn längst ist das Akkordeon der reinen Volksmusik entwachsen.
Ensemble mit Schlagzeug
Gespielt wird, was gefällt – von Schlagern, Pop, Jazz, Filmmusik, Klassik, Kinderliedern bis hin zu Hardrock. Wen diese Leidenschaft einmal gepackt hat, der bleibt dabei. Bereits 1932 wurde der Handharmonika-Club Bietigheim (inzwischen Akkordeonvereinigung Bietigheim) gegründet – per Zeitungsannonce wurden damals Mitspieler gesucht. Mit dem AVB-Ensemble gesellte sich 1995 noch ein weiteres Orchester hinzu: Beim Akkordeonfestival in Innsbruck entstand die Idee zum AVB-Ensemble. Dazu gehören aktuell sechs Akkordeonspieler sowie ein Schlagzeuger. An Wertungsspielen nahmen sie bereits erfolgreich teil. Helga Spannhake
