Markgröningen Das lange Warten hat ein Ende

Von Markus Wirth
Es geht voran: Nach neunjährigem Leerstand soll das historische Pfarrhaus in Markgröningen, das als ältestes Pfarrhaus Württembergs gilt, umfassend saniert werden. Foto: /Martin Kalb

Nach  neunjährigem Leerstand wird das älteste Pfarrhaus Württembergs ab kommendem Jahr umfassend saniert.

Es gibt Dinge, bei denen es einfach schade ist, wenn sie sich nicht realisieren lassen, und selbst KI kann hierbei nicht helfen. Denn wenn das Pfarrhaus in Markgröningen mit seiner prächtigen Fachwerkkonstruktion aus seinem langen Leben erzählen könnte, wären bestimmt viele spannende Geschichten dabei, gehen die Ursprünge des Anwesens auf das Jahr 1255 zurück, als die Herren derer von Grüningen jene Siedlung als Lehen erhielten, welches später Markt Grüningen hieß und heute Markgröningen heißt. Seit 1513 als Pfarrhaus genutzt – nebst zweimaliger Erweiterung – ist es heute das älteste Pfarrhaus in Württemberg.

Langes Warten auf den Einzug

Dort zu leben, kann sicher ein Traum sein – und ist es für Pfarrer Frank Dettinger auch heute noch. Denn als dieser 2018 seine Dienststelle in der Schäferlaufstadt antrat, konnte er das schmucke Domizil im Herzen des Städtchen und im Schatten der mächtigen Bartholomäuskirche der umfassenden Sanierungsbedürftigkeit wegen nicht beziehen.

Nun sind mittlerweile fast acht Jahre vergangen, und Dettinger träumt immer noch davon, bald ins Pfarrhaus einziehen zu dürfen, zeigt sich aber auch enttäuscht darüber, dass sich bis dato in diesem Bereich nichts getan habe: „Da ist durchaus Ernüchterung im Spiel, das gebe ich zu, auch wenn ich dennoch optimistisch bleibe.“

Grund dazu hat er, denn immerhin ist nun etwas Bewegung in die Sache gekommen – so wurde kürzlich ein Architekturbüro beauftragt, um eine Machbarkeitsstudie zu erstellen, der, ein positives Resultat vorausgesetzt, im kommenden Jahr dann die Sanierungsarbeiten folgen sollen – nach einem Leerstand von dann zehn Jahren. „Wenn es nach uns geht“, sagt auch Petra Schad, die Teil des Sonderbauausschusses ist und 25 Jahre als Stadtarchivarin tätig war, „sollte das historische Pfarrhaus wieder als Wohngebäude ertüchtigt werden.“

Sanierung schon seit 1998 geplant

Indes, dass das Anwesen kernsaniert werden müsse, ist nicht erst seit dem Auszug von Dettingers Vorgänger im Jahr 2017 in der Diskussion, sondern ist bis ins Jahr 1998 zurückzuverfolgen. Die Bausubstanz hatte schon lange Mängel, die nicht immer auf den ersten Blick ersichtlich waren und sind – dabei sind etwa Risse und Löcher in der Fachwerkfassade nur eines von mehreren Problemen. Zwischendrin wollte das Land als Eigentümer das Gebäude ablösen, also an die Kirchengemeinde übergeben und eine Ablösesumme bezahlen. Doch das sei keine Option gewesen, wie Kirchengemeinderatsvorsitzender Armin Bäßler betont: „Die jahrzehntelang unterlassene Sanierung durch das Land führte und führt zu erheblichen Mehrkosten.“

Zwar hatte es seitens des Landes bereits 2018 die Zusage gegeben, das Pfarrhaus für eine Wohnung zu sanieren, doch dann kam zunächst die Pandemie, die zu ersten Verzögerungen führte, dann sei auch noch der Architekt abgesprungen. Nun allerdings gibt es zur Zufriedenheit aller endlich einen Kompromiss – das Pfarrhaus verbleibt dauerhaft in Landesbesitz und wird aus eigenen Mitteln saniert. Die Bauherrschaft bleibt allerdings bei der Kirchengemeinde, die sich in einem Sonderbauausschuss konstituiert hat.

Maßgeblichen Anteil daran, dass überhaupt Bewegung in die ganze Angelegenheit kam, hat die Kirchengemeinde dem Grünen-Wahlkreisabgeordneten Markus Rösler zu verdanken: „Für mich war und ist die Sanierung des historischen Gebäudes ein großes persönliches Anliegen.“ Nun hat sich, wie erwähnt, mit Markus Pfeil aus dem benachbarten Vaihingen auch ein Architekt gefunden, der das ehrgeizige Projekt vorantreiben und endlich zu einem glücklichen Abschluss führen soll – damit Pfarrer Dettinger doch noch in sein Pfarrhaus einziehen kann.

 
 
- Anzeige -