Markgröningen Das letzte Kapitel beginnt

Von Markus Wirth
Gaby Wolff ist Buchhändlerin mit Leidenschaft. Dass die Buchhandlung am Markt im Herbst schließen muss, schmerzt sie umso mehr. Foto: Markus Wirth

Mehrere Gründe führten dazu, dass die Buchhandlung am Markt in Markgröningen im Herbst schließen wird.

Lange Jahre war die Adresse Marktplatz 3 der Anlaufpunkt für alle Bücherwürmer und Leseratten. Erst gab es die Buchhandlung Beck, bis 2017 Barbara Löhnert das Ladengeschäft übernahm. Nach deren Aufgabe und dem Abverkauf im April 2025 übernahm dann Götz Gußmann die Räumlichkeiten, um am 8. Mai vorigen Jahres erneut durchzustarten.

Alleine, es hat wohl nicht sollen sein – der Laden wird schon bald, eventuell im Oktober, endgültig schließen. Derzeit halten noch Gaby Wolff und ihre Kollegin die Stellung, „aber weil wir nur noch zu zweit sind, mussten wir die Öffnungszeiten reduzieren“, sagt die Buchhändlerin, die auf eine lange Erfahrung zurückblicken kann.

Nachmieter dringend gesucht

„Ja, es ist schade, dass hier bald Schluss ist, ich hatte gehofft, die kommenden Jahre bis zur Rente noch hier verbringen zu können“, sagt die 64-Jährige, um dann doch noch ein kleines bisschen Hoffnung zu bemühen: „Es wäre schön, wenn sich aus den Reihen der regionalen Buchhändler doch noch jemand finden würde, der den Laden hier übernehmen und ins Mietverhältnis treten könnte.“ Dass in der Buchhandlung am Markt bald die Lichter ausgehen werden, sagt Wolff, liege freilich auch am Online-Geschäft, „aber nicht nur. Die Leute bestellen immer mehr Bücher über das Internet, das stimmt“, sagt sie, aber die Gründe lägen auch in anderen Bereichen. In wirtschaftlich unsicheren Zeiten, sagt sie, sparen die Menschen eben dort, wo es am wenigsten schmerze, „und bei einem Buch wird gerne gespart. Ein Buch ist mittlerweile ein Luxusgut, welches durchaus für manche auch entbehrlich ist, gerade in nicht so rosigen Zeiten“.

Zudem seien die Produktionskosten gestiegen, denn alleine der Papierpreis habe in den vergangenen Jahren stark angezogen. Gaby Wolff zeigt auf einen kleinen Tisch, auf dem Reiseliteratur ausgebreitet ist: „Das sind mittlerweile wahre Ladenhüter, denn wer braucht heute noch Reiseführer oder Fahrradkarten?“

Wer eine Reise antritt, mache sich schon im Vorfeld im Internet auf entsprechenden Plattformen kundig, was ihn an der jeweiligen Destination erwarte, und in Zeiten der Navis brauche es auch keine Landkarten mehr. Außerdem ersetzten immer mehr E-Books das herkömmliche, gedruckte Buch, „es ist eben einfacher und vor allem billiger, sich die gewünschte Literatur downzuloaden.“

Zu wenig inhabergeführte Läden?

Und vielleicht, mutmaßt die Buchhändlerin, liege es auch am Mangel von inhabergeführten Geschäften im Herzen der Stadt: „Wir haben hier wunderschöne Gebäude und reichlich Gastronomiebetriebe, aber es fehlt einfach an weiteren Geschäften, die das Einkaufen zu einem Erlebnis machen.

Nur um ein Buch zu kaufen, gehe wahrscheinlich keiner extra in die Altstadt, sagt Wolff. Man habe eine ganz tolle Stammkundschaft, konzediert sie, aber auch diese komme langsam in ein Alter, da alles mühseliger werde.

„Auch viele junge Familien haben wir, was allerdings fast gänzlich fehlt, ist die Altersgruppe zwischen 18 und 30 Jahren.“ Gerade diese sei besonders Literatur-affin. Auch die Tatsache, dass die Buchhandlung am Markt Kunden aus Asperg und Schwieberdingen habe, habe den Fortbestand der Buchhandlung nicht retten können.

Man habe in der Vergangenheit versucht gehabt, das Sortiment zu diversifizieren, doch italienische Spezialitäten, kleine Geschenkideen, Glückwunschkarten oder eine große Auswahl verschiedener Tees hätten nicht das zurückgehende Geschäft mit den Büchern amortisieren können. „Wir bieten auch Zeitungen und Zeitschriften an, aber auch hier befinden wir uns in einem stark schrumpfenden Marktsegment.“

Nun richte sie den Blick trotz alledem nach vorn, „ich habe bereits Bewerbungen geschrieben und hoffe inständig, meine letzten Jahre vor meinem Ruhestand doch noch mit jenem Beruf zu verbringen, den ich nach wie vor so liebe. Mal schauen, wohin die Reise geht“, sagt Gaby Wolff, und es klingt trotz allem recht zuversichtlich.

 
 
- Anzeige -