Markgröningen Entlastung für pflegende Angehörige

Von Markus Wirth
Das Projekt „Pflege-Auszeit“ gibt es nun auch in Markgröningen. Foto: /Oliver Bürkle

Das Projekt „Pflege-Auszeit“ für Angehörige von zu Pflegenden ist nun auch in der kommunalen Begegnungsstätte am Start.

Graziella Scaricamazza strahlt über das gesamte Gesicht: „Mit so vielen Interessierten hatte ich nun wirklich nicht gerechnet“, sagt die Leiterin der kommunalen Begegnungsstätte im Herzen der Schäferlaufstadt. Das Projekt „Pflege-Auzszeit“ wurde 2024 vom Landratsamt initiiert und läuft noch bis in den Februar kommenden Jahres. Es hat auch in Markgröningen Betroffene auf den Plan gerufen, die sich davon eine kleine Auszeit vom Alltag mit einem zu Hause lebenden Pflegebedürftigen erhoffen. Scaricamazza hatte sich, unterstützt durch die Stadtverwaltung Markgröningen und Bürgermeister Jens Hübner, bemüht, die „Pflege-Auszeit“ auch nach Markgröningen zu holen, nachdem das Projekt in Kornwestheim mit großen Erfolg läuft: „Man sieht dort wie auch hier bei uns, dass grundsätzlich großer Bedarf besteht.“

Von Anfang an ein reger Austausch

„Bei uns“, sagt sie, „haben sich auch am ersten Abend gleich die Menschen ausgetauscht, einander Tipps gegeben, Anstöße geliefert und ihre Erfahrungen weitergegeben, dass ich nur staunen konnte.“ Und so ist sie schon heute sicher, dass die Gruppe sich auch nach Auslauf des Projekts im kommenden Jahr immer zu einem bestimmten Termin im Monat weiter treffen wird.

Als Leiterin der Begegnungsstätte weiß sie nur zu gut, dass viele Menschen Tag für Tag für ihre pflegebedürftigen Angehörigen da sind und daher oftmals eigene Bedürfnisse in den Hintergrund geraten. Das Grundprinzip des Projekts ist schnell erklärt: Es möchte Menschen, die zu Hause Angehörige pflegen und eine Pause oder eine Auszeit vom oft stressigen und entbehrungsreichen Alltag ermöglichen. Scaricamazza sagt: „Irgendwann ist auch die stärkste Batterie leer und man sehnt sich einfach nach ein paar Stunden Ruhe, um die verlorenen Kraftreserven wieder aufzutanken. Und genau hier wollen wir ansetzen, Hilfestellung geben.“

Dass sie damit bei Bürgermeister Jens Hübner offene Türen einrannte, freut sie, denn auch dem Rathauschef sind die Herausforderungen des demografischen Wandels in der Gesellschaft durchaus bewusst. Auch Graziella Scaricamazza weiß: „Mit dem Thema Pflege beschäftigt man sich erst, wenn es akut wird, und gerade dann brauchen die Betroffenen Unterstützung.“

Oftmals fühlten diese sich mit einem Mal alleine gelassen, und auch der für diese Situation so wichtige und kompetente Ansprechpartner fehle. Zudem könne in den seltensten Fällen auf Erfahrungswerte zurückgegriffen werden. Daher sei man froh und dankbar, dass hier nun das Projekt „Pflege-Auszeit“ ins Spiel komme.

Dieses fuße auf mehreren Bausteinen – wie auch die beiden Projektleiterinnen, Teresa Renier und Jana Spingler bei der Vorstellung der „Pflege-Auszeit“ hervorhoben. Bislang habe die kostenlose Beratung und Begleitung von Betroffenen im Vordergrund gestanden, doch nun sollten pflegende Angehörige auch bei Umsetzung und Organisation einer Auszeit durch die Nutzung eines Ersatzpflegenetzwerks unterstützt werden. Hier könnten sich Hilfesuchende bei einem Termin mit einer der beiden Leiterinnen etwa darüber unterhalten, wer in der Familie oder im Bekannten- und Freundeskreis während der Auszeit unterstützen könnte. Dabei werde dann auch auf eine mögliche Zusammenarbeit mit externen Dienstleistern – wie ambulanten Pflegediensten und „Essen auf Rädern“ oder Angebote von Nachbarschaftshilfen – verwiesen. Auf diese Weise könne geplant werden, wer einzelne Aufgaben wie Pflege, Kochen oder Putzen übernehmen könnte.

Ein weiterer Baustein ist das „Café Auszeit“, in dem sich Besucher einmal im Monat austauschen, reden und sich gegenseitig Tipps geben können.

Vorbild Kornwestheim

„Das hat sich mittlerweile in Kornwestheim in der dortigen Seniorenwohnanlage schon bestens bewährt“, sagt Scaricamazza, und so soll dieses Angebot nun auch in Markgröningen etabliert werden. Bis Ende Juni finden in der Begegnungsstätte monatliche Vorträge statt, unter anderem über Vereinbarkeit von Pflege und Beruf, Leistungen der Pflegeversicherungen oder über den Umgang mit Demenz.

Im Idealfall soll aus den Veranstaltungen eine sich selbst verwaltende, ehrenamtlich getragene Gruppe wachsen, wünscht sich auch Graziella Scaricamazza, und zeigt sich zuversichtlich: „Ich habe ein gutes Gefühl dabei.“

Ein Anfang ist also gemacht, ein zudem recht vielversprechender, denn: „Fast alle unserer Gäste haben versprochen, dass sie auch das nächste Mal wieder bei diesem Treffen dabei sein werden. Und das macht mir Mut,“ sagt Scaricamazza.

 
 
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