Die Tribünen beim Markgröninger Stoppelfeld waren gut gefüllt und beim jährlichen Höhepunkt, dem Lauf der Schäferinnen und Schäfer, fieberte das Publikum mit. Zuvor fiel aber auch noch eine wichtige Entscheidung betreffend den Schäferlauf-Turnus.
Markgröningen Festspiel, rennende Schäfer und eine Volksabstimmung
Bejubelt vom Publikum, rennen die Schäferinnen und Schäfer beim Markgröninger Traditionsfest 300 Schritte barfuß über das Stoppelfeld.
Nachdem der Festzug auf dem Stoppelfeld angekommen war, erklang traditionell der Markgröninger Marsch, die Hymne sowie Liebeserklärung an die Schäferlaufstadt, wie immer gespielt vom Musikverein Stadtkapelle unter Leitung von Georg ter Voert. Im Anschluss ergriff Bürgermeister Jens Hübner das Wort, begrüßte alle und bekannte, dass er nach fünfjähriger Teilnahme und damit ein Stückweit erlangter Routine nun noch einmal eine andere Wahrnehmung habe: „Ich kann jetzt alles viel intensiver wahrnehmen, da ich nicht mehr so nervös bin“. Da in letzter Zeit immer wieder einmal die Frage aufgekommen war, ob es den Schäferlauf aufgrund der Kosten nur noch alle zwei Jahre geben sollte, äußerte sich Jens Hübner erneut und stellte klar, dass von Seiten der Verwaltungsspitze ein zweijähriger Turnus nicht gewünscht sei: „Zu Markgröningen passt nur ein jährlich stattfindender Schäferlauf“, konstatierte er entschieden, aber zur Sicherheit fragte er auch noch beim Publikum nach, was gewünscht sei. Der aufbrandende große Beifall für einmal im Jahr ließ keinen Zweifel offen und so erklärte Hübner: „Das Volk hat entschieden und das mit den zwei Jahren ist hiermit raus“.
Reigen der Wettläufe
Aktiv kommentierend beteiligte sich das Publikum bei den Szenen aus dem Schauspiel „Der treue Bartel“. Buhrufe und Jubel waren zu hören, denn wie jedes Jahr huldigte das Publikum den treuen Schäfer Bartholomäus, buhte aber seine Widersacher entschieden aus. Und auch im Anschluss war das Publikum gefordert, denn es ging darum die Wettläuferinnen und Wettläufer anzufeuern.
Als erstes bewiesen Markgröninger Kinder ihre Geschicklichkeit beim Sackhüpfen, gefolgt von Läufen der Wasserträgerinnen – unterteilt in Jugend und Damen. Der Gesamteindruck zählte beim nächsten Programmpunkt, dem Hahnentanz. Bei diesem mittelalterlichen Preistanz musste im Walzertakt bleibend ein hoch hängender gefüllter Becher mit dem Kopf umgestoßen werden.
Am Anschluss ergriff der Vorsitzende des Landesschafzuchtverbandes Alfons Gimber das Wort. Im Gespräch mit Schäferlauf-Moderatorin Christiane Liebing bezeichnete er die Dürre der Sommermonate als große Herausforderung: „So einen Sommer wie diesen haben wir noch nie gehabt“, erklärte er und führte weiter aus, dass die Schäfer mit ihren Schafherden normalerweise den vierten und fünften Schnitt beweiden dürfen, aber dieser falle in diesem Jahr komplett aus. Daran können auch aktuelle Regengüsse nichts mehr ändern und so wandte er sich mit einem dringlichen Aufruf an die Politiker: „Vergesst uns Schäfer nicht“.
Barfuß über das Stoppelfeld
Hochstimmung herrschte beim Höhepunkt und Namensgeber des Festes: Dem Lauf der Schäferinnen und Schäfer barfuß über das 300 Schritt lange Stoppelfeld. Festreiter Wolfgang Hörer vermeldete dem Festkomitee sieben antretende Schäferinnen. Nach dem Startzeichen stürmten sie los und die amtierende Schäferkönigin Jana Deufel aus Schwenningen lieferte sich ein spannendes Kopf an Kopf Rennen mit Lisa Link-Wohlfahrt aus Rottenburg. Aber sie musste sich dann doch der 26-jährigen Konkurrentin geschlagen geben und neue Schäferkönigin wurde Lisa Link-Wohlfahrt.
Bei den Schäfern konnte der 18-jährige Jannick Belz aus Gundelsheim das Rennen für sich entscheiden: „Ich spiele Fußball“, begründete er seine Schnelligkeit. Angesprochen auf das Aussehen ihrer Füße antwortete das neue Siegerpaar: „Die sind dreckig und grün“. Nach der Krönungszeremonie führte die Markgröninger Schäfertanzgruppe ihren traditionellen Reigentanz zu Ehren des Königspaares auf, den das Publikum auch in diesem Jahr mit viel Applaus kommentierte.
Ehrenamt im Hintergrund
Während sich alle Aufmerksamkeit auf das Geschehen auf dem Stoppelfeld richtete, arbeitete einer unbemerkt im Hintergrund: Dr. Michael Lutz-Dettinger ist bereits seit 20 Jahren als leitender Notarzt jährlich beim Schäferlauf dabei: „Ich wurde damals angefragt und dachte, das machst du mal“, erinnerte er sich an die Anfänge und zum Glück hatte er in all den Jahren keine schlimmen Verletzungen zu versorgen: „Meist sind es Wespenstiche, allergische Reaktionen oder auch Unterzuckerung“. Probleme entstehen auch, wenn zu wenig getrunken wird und bei den Wasserträgerinnen komme es immer wieder einmal zu einer totalen Erschöpfung durch die schweren Holzzuber, war von ihm des Weiteren zu erfahren.
17 Menschen durch Pfefferspray verletzt:
Am Samstagabend hat ein Unbekannter beim Schäferlauf in Markgröningen 17 Menschen mit Pfefferspray verletzt. Einer von ihnen musste nach dem Vorfall im Krankenhaus behandelt werden, wie ein Polizeisprecher nach Angaben der Deutschen Presseagentur sagte. Der Täter entkam und wird nun von der Polizei gesucht, die wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt. Der Rettungsdienst war mit drei Notärzten, sieben Rettungswagen und drei Krankentransportwagen sowie einem Leitenden Notarzt und dem Organisatorischem Leiter Rettungsdienst im Einsatz.
