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Markgröningen Forum wirbt für Bahn-Reaktivierung
Rund 80 Interessierte diskutieren mit Fachleuten über Lösungen für die Bahnverbindung zwischen der Schäferlaufstadt und Ludwigsburg.
in Modell des „Gröninger Zügle” aus den 1950er-Jahren erinnerte die Gäste im evangelischen Gemeindehaus an bessere Zeiten im Zugverkehr, als die Strecke nach Ludwigsburg noch bedient wurde. Vor 51 Jahren fuhr der letzte reguläre Personenzug, seit über 40 Jahren wird in der Stadt über eine Reaktivierung der Bahnstrecke diskutiert.
So stieß am Dienstagabend ein Forum zum Thema, zu dem der BUND Markgröningen eingeladen hatte, auf großes Interesse. Die Bürgerinnen und Bürger nutzten die Gelegenheit, sich über den aktuellen Stand der Planungen zu informieren und in erster Linie mit den Fachleuten über verbleibende Chancen und neue Perspektiven des Bahnprojekts, veranschlagt mit Kosten in Höhe von rund 100 Millionen Euro, zu diskutieren.
Wichtiger Baustein für Mobilität
Nach kurzen Impulsvorträgen standen die Referenten Michael Ilk, Geschäftsführer des Zweckverbands Stadtbahn, Matthias Lieb (VCD) und Peter Fendrich (BUND) dem Publikum Rede und Antwort. Dabei wurde deutlich, dass die Reaktivierung der Strecke für viele nach wie vor als wichtiger Baustein für eine nachhaltige und zukunftsfähige Mobilität in der Region gilt.
Die Ausgangslage: Der Ludwigsburger Gemeinderat hat, wie in der BZ berichtet, das Stadtbahnprojekt „Lucie“ am 19. November 2025 stark eingedampft. Mit 25 zu 14 Stimmen wurde beschlossen, nur noch die Reaktivierung der rund 8,5 Kilometer Strecke Markgröningen–Möglingen–Ludwigsburg bis zum Ludwigsburger Bahnhof weiterzuverfolgen. Weitere Planungen im Ludwigsburger Stadtgebiet wurden eingestellt. Als Gründe wurden die angespannte Finanzlage, offene Kostenfragen und fehlende politische Einigkeit genannt. Zweckverbandsvorsitzender und Landrat Dietmar Allgaier – der das Teilstück schon „Bimmelbahn“ nannte, für die es keine Unterstützung des Landkreises bedarf – betonte, dass eine Reaktivierung erst möglich sei, wenn Ludwigsburg nach der Absage eine verbindliche Zusage zum Kostenersatz abgebe und im Zweckverband mit allen beteiligten Kommune Einigkeit bestehe. Matthias Lieb wies dann auch auf eine „verworrene Situation“ hin. „Es gab viele Untersuchungen, aber kein Ergebnis“, so sein Befund. Deshalb wäre jetzt ein neuer Anlauf zur Reaktivierung nötig, auch weil die Förderkulisse mit bis zu 95 Prozent vom Bund so günstig wie nie sei. Man soll allerdings zu den ursprünglichen Konzepten zurückkehren, ein Argument, das auch in der Diskussionsrunde immer wieder aufgegriffen wurde. Gemeinsamer Tenor: „Was machbar ist, machen.“ Stadtbahn-Geschäftsführer Michael Ilk beschränkte sich auf ein kurzes Statement und zeichnete ein aktives Bild seines Teams, „wir sind noch da, es gibt uns noch“. Warum die Stadtbahn schon seit einiger Zeit von Radar der Öffentlichkeit verschwunden sei, habe Gründe. So sei man in intensiven Diskussionen mit der Stadt Ludwigsburg und der Bahn, um eine Reaktivierung zu erreichen. Gemeinderat und Verwaltung der Barockstadt stünden dahinter, ganz wie die Beschlusslage ist. Ilk: „Wir wollen eine abgestimmte Lösung.“ Was folgte war eine ausführliche Fragerunde, in der viele Punkte angesprochen wurden. Die Zahlen der Pendler, das Fahrgastaufkommen, das ETCS (European Train Control System) ein neues, einheitliche europäische Zugbeeinflussungssystem, die Taktung der Stadtbahn, die Auswirkungen auf den Busverkehr bei einer Reaktivierung der Bahnstrecke, die Weiterführung nach Schwieberdingen und die Öffentlichkeitsarbeit des Zweckverbandes.
Nach einfachen Lösungen suchen
Einer der Gäste wurde deutlich. „Sie müssen abrüsten und nach einfachen Lösungen suchen.“ Wenn dies nicht geschehe, werde es mit der Reaktivierung nichts. Angesprochen wurde ebenso die öffentliche Kritik an der Stadtbahn, die nicht so groß sei wie vermutet. Wobei Peter Fendrich auch in Markgröningen vermehrt kritische Stimmen vernommen hat. Ein Gast forderte, man müsse mit Gemeinsamkeiten an die Öffentlichkeit gehen, nicht die Angst vor der Stadtbahn schüren, sondern die Diskussion vereinfachen. Sein Appell: „Bitte machen. Gemeinsam. Danke.“
Fendrich strich in seinem Vortrag einen Punkt des aktuellen BUND-Positionspapiers bezüglich der Einfahrt in den Ludwigsburger Bahnhof besonders heraus. Die ursprüngliche Planung aus dem Jahr 2022 sieht vor, dass die Stadtbahn in Ludwigsburg über die Gleise der Deutschen Bahn in den Bahnhof einfährt und dort an Gleis 5 oder 6 hält.
Wie verläuft die Trasse?
Dieses Konzept bringe jedoch mehrere betriebliche Herausforderungen mit sich. So müsste die Stadtbahn den Vorrang von Fern-, Regional- und S-Bahnen berücksichtigen, was die Betriebsabläufe erschweren könne. Die Alternative, die Stadtbahn im Bereich der Kreuzung Talallee/August-Bebel-Straße/Kurfürstenstraße von der reaktivierten Trasse der Markgröninger Bahn in den Straßenraum zu führen, lehnte Fendrich entschieden ab. Er sprach sich vielmehr für eine Einfahrt über Gleis 5 (280 Meter ohne Halt) und Gleis 7 zu einem zweigleisigen Halt am Kepler Dreieck aus. Das schlagende Argument für den Vorschlag liegt unter anderem im Einbau von Weichen, der einen weiteren Ausbau im Ludwigsburger Stadtgebiet ermögliche. Vielleicht, so die Hoffnung Fendrichs, könne man damit die Stadt Ludwigsburg wieder ins Boot holen. Ilk zeigte sich aufgeschlossen für den Vorschlag, er sei ein Punkt der Lösungsoption. Wann diese Lösung allerdings kommt, vermochte er nicht zu sagen. Er verstehe aber die Ungeduld. Die Gespräche seien terminiert, man wolle die Strecke Markgröningen-Ludwigsburg 2031 in Betrieb nehmen, eventuell aber erst 2032. Michael Ilk: „Dann wird’s auch Zeit.“
