Heute ist es so weit: Vier Jahre nach Erscheinen seines letzten Buches „Wie wir töten, wie wir sterben“ wird an diesem Freitag das neue Buch des Markgröninger Schriftstellers Martin von Arndt, „Der Wortschatz des Todes“, veröffentlicht. Die Urlesung, die erste öffentliche Lesung, wird von Arndt am 23. Oktober in der Sachsenheimer Stadtbibliothek geben, bevor erst am 11. Februar 2026 der Verlag das Buch in der Stuttgarter Stadtbibliothek am Mailänder Platz öffentlich vorstellt.
Markgröningen/Sachsenheim „Ich führe Interviews mit den Figuren“
Martin von Arndt hält die Urlesung seines neuen Buches „Der Wortschatz des Todes“ in der Sachsenheimer Stadtbibliothek am 23. Oktober.
Neue Figur für neue Krimireihe
Von Arndts preisgekrönte Bücher haben eines gemeinsam: Ihre Figuren sind stark und besonders, die Geschichte lebt von den Personen, die der Schriftsteller erschafft. Und in „Der Wortschatz des Todes“ hat von Arndt nach Dan Vanuzzi („Wie wir töten, wie wir sterben“), Andreas Eckart („Sojus“, „Tage der Nemesis“ und „Rattenlinien“) eine neue Figur erschaffen.
Dieses Mal eine weibliche: Irina Starilenko, russischstämmige, ehemalige BKA-Fallermittlerin. Und wie es bei von Arndt so ist, verarbeitet er durch einen Kriminalfall immer zeitgenössische Themen oder Konflikte. Waren aber bisher die Hintergründe der Fälle immer historischer Art, spielt der neue Roman in der Jetztzeit. Das Thema ist brandaktuell: Es geht um den russischen Angriffskrieg in der Ukraine. „Und ja, ich werde politisch, da kann ich mich nicht zurückhalten“, sagt von Arndt.
Lange hat er „mit mir gerungen“, bis der Plot stand. „Es war widerspenstig und ich habe die Geschichte zuerst mühsam zusammengezimmert, da es für mich neu war, so aktuell zu sein, alles musste stimmen“. Weswegen sich die Recherche auch als langwierig erwies, wie der Autor erzählt. Er habe viel Fachliteratur gelesen, aber auch mit Beamten vom Bundeskriminalamt (BKA) und dem Bundesnachrichtendienst (BND) sprechen können. Und dann ging es an die Figuren. „Die Figuren müssen stark sein, die müssen den Plot tragen, müssen echt sein, authentisch“, so von Arndt.
Und auch dafür lässt er sich beim Schreiben Zeit. „Ich mache Steckbriefe, Biografien und ich führe Interviews mit ihnen“, sagt er und stellt diese Interviews bildlich nach: Stellt er Fragen, ist er der neugierige Journalist und sitzt auf dem linken Stuhl, ist er Irina Starilenko sitzt er rechts. „Die war manchmal ganz schön starrsinnig, wollte mir nichts erzählen, aber ich habe sie gezwungen und mit ihr gekämpft.“ Schließlich soll sie auch die Heldin einer neuen Reihe werden, die mit „Der Wortschatz des Todes anfängt. „Das zweite Buch habe ich schon angefangen, ich mag jetzt die Irina Starilenko“, sagt er.
Brüchige Lebensgeschichte
Irina Starilenko ist wie alle Figuren von Arndts nicht einfach gestrickt, hat ein zwielichtiges Umfeld, eine brüchige Lebensgeschichte, ist, wie er sagt, „vom Leben geschädigt“. Für die Figur war ihm eine reale Person Vorbild. Er lernte eine Frau aus Minsk kennen, mit der er redete und aus ihr die Figur Starilenko machte. Der Plot ist – auch das eine Eigenheit von Arndts – kompliziert und komplex und sehr politisch. Es geht um Mord, um die Ukraine, den Krieg, Flucht, aber auch „um den langen Arm Putins nach Westeuropa“, sagt er. „Es war für mich schon klar, dass ich was schreiben muss zum russischen Überfall, aber was, damit tat ich mich schwer“. Es sei ein Risiko, sich in aktuelle Politik und Zeitgeschehen „einzumischen“.
Personenschutz war notwendig
Seine Figuren sind immer mittendrin in der Geschichte, haben Verbindungen zu ihr, kennen sich aus im Milieu. Sie sind so echt, dass es auch schon vorkam, dass von Arndt Personenschutz bei seinen Lesungen benötigte, beispielsweise bei „Tage der Nemesis“, in dem es um den Völkermord an den Armeniern aus dem Jahr 1915 ging. „Ich bekam Morddrohungen“, so von Arndt. Aber er werde sich nicht abbringen lassen, weiter über zeitgeschichtliche Themen zu schreiben, und Stellung zu beziehen. „Das sind meine Bücher, da darf ich politisch werden“, sagt er.
