Markgröningen schaut genau hin Wie die Stadt Energie sparen will

Von Bigna Fink      
Der Markgröninger Bürgermeister Jens Hübner. Fast alle Glühbirnen in den öffentlichen Gebäuden sind inzwischen durch LED-Lampen ersetzt worden. Foto: /Oliver Bürkle

In Zeiten der Energiekrise ergreift die Schäferlaufstadt zum Teil drastische Maßnahmen, um den Gas- und Stromverbrauch zu reduzieren. Bürgermeister Jens Hübner erklärt Energiesparen zur Chefsache.

Als Jens Hübner im Mai 2022 als neuer Bürgermeister in Markgröningen antrat, war die Energiekrise aufgrund des Krieges inder Ukraine schon ordentlich zu spüren: Strom und Gas werden immer teurer.

Seit September gelten nun in Kommunen etliche Maßnahmen zum Energiesparen, darunter auch die Verordnung, dass Arbeitsräume öffentlicher Gebäude nur bis maximal 19 Grad beheizt werden dürfen. Je nach körperlicher Schwere der Arbeit gelten Abstufungen.

„Wir nehmen die Verordnungen und eigene Maßnahmen zum Energiesparen sehr, sehr ernst“, sagt der 37-jährige Rathauschef. „Wir achten darauf, dass die Temperatur in unseren Büros die 19 Grad nicht überschreitet“, berichtet Hübner über das Amtsgebäude, einem markanten im 15. Jahrhundert erbauten Fachwerkhaus.

In den Fluren und in den Toiletten werde überhaupt nicht geheizt. „Es gibt Kolleginnen und Kollegen, denen es jetzt schon eigentlich zu kalt ist. Wir sind gespannt auf Dezember.“ Auch in den Schulen gelte die Verordnung, hier sollen die Räume auf nicht mehr als 20 Grad geheizt werden. Hübner: „Die Schüler sind die kälteren Temperaturen und das Stoßlüften schon durch die Coronazeit etwas gewohnt.“

Nichts für Warmduscher

Überall, wo es möglich ist, sei das Warmwasser abgestellt, so der Schultes, etwa in den Waschbecken im Rathaus. Seit Ende der Herbstferien könne in den Sporthallen nur noch kalt geduscht werden. „Wir haben die Maßnahme mit den Sporttreibenden und den Schulen abgeklärt. Die Kinder duschen laut Aussage der Schulen sowieso nicht in unseren Sporthallen“, sagt der Markgröninger Bürgermeister.

Um eine sogenannte Gasmangellage im Winter zu vermeiden, sollten mindestens 20 Prozent eingespart werden, fordert die Bundesnetzagentur. „Um dies zu erreichen, müssen wir als Stadt schon einige Maßnahmen ergreifen“, meint Jens Hübner. So sei vor etwa vier Wochen die Vorlauftemperatur der Fernwärmeheizung der kommunalen Liegenschaften von 70 auf 62 Grad reduziert worden. Die vollautomatischen Heizungen der öffentlichen Gebäude von Markgröningen könnten so nicht die 20 Grad übersteigen.

Stadtbad wird geschlossen

Seit Montag steht fest: Das Stadtbad in der Ludwig-Heyd-Schule wird für drei Monate geschlossen. Für Vereine und Schüler diente es bisher als Lehrschwimmbecken. Von Dezember bis März muss also in Markgröningen der Schwimmunterricht ausfallen. „Energetisch ist das Hallenbad eine Katastrophe“, sagt Jens Hübner. Es verursache ganze sieben Prozent des städtischen Energieverbrauchs.

Dabei sei vor allem seine Lage schuld, denn das Stadtbad sei maximal weit von der Heizzentrale am Benzberg entfernt und somit gebe es enorme Wärmeverluste. Das Bad werde zu zwei Dritteln mit Holzhackschnitzel geheizt. „Sobald die Temperatur unter acht Grad fällt, müssen wir mit fossilen Brennstoffen, sprich Gas, heizen“, sagt Hübner. Die Gaspreise sind aber exorbitant gestiegen. Die drastische Konsequenz hat die Stadt Markgröningen nun mit der vorübergehenden Schließung des Bades gezogen. „Wir nehmen das Ziel der 20-prozentigen Gas-Einsparungen ernst. So müssen wir leider zu diesen Maßnahmen greifen“, so das Stadtoberhaupt.

Weihnachtsbaum bleibt erhellt

Während andere Städte an dem Lichterschmuck festhalten und er auch bisher in Markgröningen geplant war, ist auch hier seit neuerdings beschlossene Sache: „Eine Weihnachtsbeleuchtung in der Innenstadt wird es doch nicht geben“, sagt Bürgermeister Hübner. „Am mit stromsparenden LED-Lichtern geschmückten Weihnachtsbaum halten wir aber fest, den Luxus gönnen wir uns.“

Fast alle Lampen in den öffentlichen Gebäuden der rund 15 000-Einwohner-Stadt hätten LED-Beleuchtung, ebenso die gesamte Straßenbeleuchtung.

„Ansonsten versuchen wir auch im Kleinen überall Strom zu sparen.“ Im Konkreten heißt das für Bürgermeister Hübner unter anderem: „Mit den Hausmeistern stille Energiefresser ausfindig machen, Computer vor Feierabend richtig herunterfahren, Standby-Geräte und Steckdosenleisten ausschalten.“

 
 
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