Markgröningen Wenn Rauch emporsteigt, gibts Feines

Von Markus Wirth
Das Backhäusle in Unterriexingen ist von außen ein wahres Schmuckstück... Foto: Landfrauenverein Unterriexingen

Die Landfrauen Unterriexingen haben das Backhäusle mit Förderung der Stadt renovieren lassen.

Es ist nicht sehr groß, und doch sieht es jeder sofort, wenn er in Unterriexingen unterwegs ist – das Backhäusle mit seinem hohen Schornstein. Hier, im Herzen des Markgröninger Teilorts, steht das kleine Gebäude aus dem Jahr 1836 und schaut mit seinem hellen Anstrich und den Sandsteinabsetzungen im Türbereich recht nett aus.

Das war vor wenigen Jahren noch ganz anders, wie Landfrauen-Vereinsvorsitzende Stephanie Gandert weiß: „Das Häusle war sichtlich in die Jahre gekommen, der Putz blätterte und am Kamin zeigten sich Risse, außerdem erwies sich das Deckengewölbe als zu schwer für die Statik des alten Gebäudes. Dass irgendwas nicht stimmte, merkten wir auch an der Tatsache, dass einer der Öfen immer viel zu schnell abkühlte.“

Stadt förderte Renovierung

Ehrensache, dass die emsigen Frauen dies nicht einfach so auf sich beruhen ließen. Stattdessen klopften sie und Annegret Bartenbach bei Bürgermeister Jens Hübner an und baten darum, die Renovierungsarbeiten zu fördern, was denn auch geschah. Dann zogen sie einen Maurer, der sich auf die Sanierung solch alter Gebäude gut verstand, hinzu.

Gandert: „Er hat mit fachmännischem Blick sofort die Ursache im Gewölbe erkannt und dass dringender Handlungsbedarf bestand, um den weiteren Verfall zu stoppen.“ Man wollte einfach nicht, dass dem Häusle das gleiche Schicksal ereilte wie vielen anderen im Land und es wegen Baufälligkeit und der Sicherheit geschuldet geschlossen werden und es nie wieder herrlich duftende Brote und deftige Kuchen geben sollte. Erhaltenswert, sagt die Landfrauen-Vereinsvorsitzende, sei es auch schon alleine des historischen Deckengewölbes wegen gewesen. Denn kein anderes Backhäusle im Kreis könne eine solche architektonische Besonderheit aufweisen.

Nun sind die Renovierungs- und Sanierungsarbeiten seit wenigen Wochen abgeschlossen, und das Backhäusle kann wieder, in alter Pracht erstrahlend, ohne Gefahr genutzt werden. „Der Sicherheit zuliebe wurde zuletzt noch ein Zuganker, ein sogenannter Schlauder, gesetzt. Er soll eine weiteres Auseinanderdriften des Mauerwerks verhindern“, berichtet Gandert.

Das Backhäusle in Unterriexingen ist allerdings, nicht nur für die Landfrauen, mehr als nur ein Ort, an dem aufwendig vorgeheizt werden muss und Brote, Kuchen und – zuletzt, bevor die Flammen ersterben – Flammkuchen, Rahmfladen sowie Dinnete gebacken werden.

„Es war immer schon auch ein Treffpunkt, an welchem man zusammenkam und miteinander geschwätzt hat“, weiß Stephanie Gandert. Einmal im Jahr, immer im Herbst, kommt bei den Backtagen das Häusle ganz groß raus, denn dann gehen für zwei Tage die beiden Öfen gar nicht mehr aus. „Schon alleine das Anfachen des Feuers ist eine Wissenschaft für sich und braucht viel Zeit und Erfahrung.“ Immer schon donnerstags steht ein großer Anhänger, beladen mit Büscheln und Holz, bereit, um den Öfen reichlich Nahrung zu geben. Die Büschel wurden schon immer im Vorjahr in einer gemeinschaftlichen Aktion gebunden und zum Trocknen eingelagert.

An zwei Tagen wird gebacken

Erst anderntags hat der Ofen dann die richtige Temperatur erreicht, und mittels eines ersten „Testkuchens“ wird überprüft, ob die Temperatur schon stimmt. Zeitgleich bereiten die Landfrauen die Brotteige vor. Gandert: „Das ist bei uns noch alles reine Handarbeit, wir backen unsere Brote und Kuchen nach althergebrachten Rezepten und verzichten auf jegliche Maschinenunterstützung. In unsere Brote und Kuchen kommen freilich auch keine Zusatzstoffe.“ Auf diese Weise entstehen Köstlichkeiten wie schon vor vielen, vielen Jahren, als das gemeinsame Backen noch eine Selbstverständlichkeit war, da nicht jeder Haushalt einen Ofen besaß.

Und so ist das Unterriexinger Backhäusle nicht nur Mittel zum Zweck und ein beliebter Treffpunkt, sondern auch ein wertvolles Stückchen Dorfgeschichte, welches nun, frisch renoviert und hübsch gemacht, von Gewesenem erzählt.

 
 
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