Großes Interesse zeigte die Bürgerschaft an der Infoveranstaltung zur Windenergie und ISEK (Integrierte Stadtentwicklung Markgröningen) in Unterriexingen am Mittwochabend in der Turn- und Festhalle Unterriexingen. Markgröningens Bürgermeister Jens Hübner ließ dabei in die Zukunft blicken, in der unter anderem neuer Wohnraum geschaffen und die Verkehrsgeschwindigkeit innerorts reduziert werden soll. Außerdem soll die Fernwärme ausgebaut werden. Eignungsgebiete seien festgelegt, eine Machbarkeitsstudie werde derzeit erstellt.
Markgröningen Windrad-Pläne sorgen für großes Interesse
In Unterriexingen fand eine Bürger-Informationsveranstaltung mit Experten zu Windenergie statt.
Strom der Freiflächen-PV
Aktuell würde in Erwägung gezogen, den Strom der Freiflächen-Photovoltaikanlage im „Rainsträßle“ zu speichern. Dies wäre mithilfe eines Batteriegroßspeichers möglich. Um dies sinnvoll gestalten zu können, müsste das Umspannwerk erweitert werden.
Luca Bonifer, Mitarbeiterin bei der Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg (KEA), erläuterte die Rahmenbedingungen der Windenergie. In Baden-Württemberg gebe es derzeit 90 Windvorranggebiete, das seien 1,9 Prozent der Regionsfläche. Für Markgröningen seien die Windvorranggebiete am 3. Dezember letzten Jahres beschlossen worden.
Von Anfang bis Ende
Falk Hecker, einer der drei Geschäftsführer der WW Süd Windenergie, lebt seit einiger Zeit in Unterriexingen. Er stellte ein „familiär geprägtes“ Unternehmen mit einer Geschäftsstelle im Ort vor. Es gebe acht erfahrene Gesellschafter; die erste Windkraftanlage sei 1996 gebaut worden. Die WW Süd führe das Projekt von der Rekrutierung der Grundstücke bis zum Rückbau der Anlagen durch. Die Gelder für den Rückbau müssten schon vor Baubeginn bereitliegen.
Für Unterriexingen ist das Modell Enercon E 175 mit einer Gesamthöhe von 262,5 Metern geplant. Der Rotor hat einen Durchmesser von 175 Metern, wobei ein einziges Rotorblatt 25 bis 27 Tonnen wiegt. Die Nennleistung wird mit sieben Megawatt beziffert. Der Platzbedarf je Standort umfasst 4000 Quadratmeter, das Fundament hat einen Durchmesser von 25 Metern und eine Höhe von zwei bis drei Metern. Es werden dafür 90 LKW Beton benötigt, was die umliegenden Betonfirmen sicherlich freue, so Hecker.
In Unterriexingen gibt es zwei Windvorrangebiete. Für das Gebiet LB 13, westlich vom Muckenschupf bis Pulverdingen, auf Markgröninger Markung, jeweils an der östlichen und westlichen Kante des Gebietes, sind zwei Anlagen geplant. Bis 2027 wird die Genehmigung erwartet, der Bau soll 2028/29 in einer drei bis sechsmonatigen Bauphase erfolgen.
Auch das Gebiet LB 14 liegt außerhalb des Waldgebiets Muckenschupf. Dort ist eine Anlage geplant, deren „Genehmigungsverfahren schon weit ist“, so Hecker. Für eine zweite Anlage laufen Gespräche mit den Grundstückseigentümern. Der gesamte Stromertrag von drei Anlagen beträgt 35 Millionen Kilowattstunden, also ein Drittel des gesamten Markgröninger Strombedarfs, inklusive der Ortsteile und des Gewerbes. Die CO2-Vermeidung wird auf 20.000 Tonnen pro Jahr berechnet. Die Anlage könne übrigens – abgesehen von den Rotorblättern – vollständig recycelt werden.
Finanzielle Beteiligung möglich
Hecker verkündete in der Fragerunde, dass für die Anwohner eine finanzielle Beteiligung bis zu einer Million Euro pro Anlage sowie eine Beteiligung der Stadt in bislang noch unklarer Höhe möglich sei. Die restliche Finanzierung laufe über ein Bankdarlehen.
Bedenken äußerten die Besucher bezüglich der Lärmbelästigung, die bereits jetzt von Mofas aus dieser Richtung bestünde. Hecker beruhigte, dass der Lärm der Anlage unter einer bestimmten Schwelle liegen müsse und „bestimmt nicht bis zu uns“ nach Unterriexingen gelange. Er gehe davon aus, „dass wir nichts davon hören.“ Zur kritisierten Windlastberechnung gab er Entwarnung: „Die Gutachten sind in der Regel relativ genau.“ Corinna Müller
