Mc Bruddaal im Scala Ludwigsburg Von „Mauldasch“ bis „ Kehrwoch“

Von Heidi Vogelhuber
Mc Bruddaal trug anfangs eine mit Fell besetzte Schlappohr-Kappe, die er nach wenigen Minuten gegen eine weniger warme, felllose Kappe der gleichen Art tauschte. Die Sonnenbrille und die fette Goldkette behielt er jedoch an, wie sich das als Rapper eben so gehört – ob als Gangster- oder Schwaben-Rapper. Foto: /Martin Kalb

Der Schwaben-Rapper Mc Bruddaal hatte am Freitagabend Heimspiel und heizte seinem Publikum im Scala in Ludwigsburg mit Schwabenromantik über Spätzle, Daimler und Mülltrennung so richtig ein.

Heut mach mr oin druff“, war das Motto im Scala in Ludwigsburg am Freitagabend. Denn der Schwaben-Rapper Mc Bruddaal hatte geladen und die Menschen strömten auch in diesem Jahr wieder in die Kult-Location im Herzen der Barockstadt. Schon fast zur jährlichen Tradition gehört der Auftritt des gebürtigen Schorndorfers im Scala. Und auch dieses Mal war das Konzert restlos ausverkauft und die Stimmung aufgeheizt.

Schwäbischer Dialekt im Fokus

Jüngere und ältere Liebhaber des hiesigen Dialekts und der guten Laune ließen sich eine gut eineinhalb Stunden lange Show (plus Vorprogramm) bieten. Und auch wenn das Scala teilbestuhlt war, verließen die meisten Besucher und Besucherinnen spätestens nach den ersten Songs die roten Kinosessel und drängten sich in die Menge, um ganz in Hip-Hop-Manier rhythmisch den Arm hoch und runter zu bewegen, mitzutanzen, mitzuschunkeln und vor allem mitzusingen.

Bei Klassikern wie „Spätzle Schaber“, „Wertstoffhof“, „Kehrwoch“ und „Budder Brezel“ bewies das Publikum seine Textsicherheit und nur zum Schein hob der Schwaben-Rapper sein Mikrofon in Richtung der Menschenmenge, denn die war auch ohne elektronische Verstärkung lautstark zu hören.

Apropos Verstärkung: Die holte sich MC Bruddaal von D’r Joe als Sänger-Compagnon, der mit seiner Band auch das Vorprogramm gestaltete – eher etwas scheps intoniert, aber das kümmerte das Publikum wenig – die Stimmung war gut und es kam den meisten Zuhörern und Zuhörerinnen weniger auf perfekt getroffene Töne als auf die Stimmung und das Zelebrieren des schwäbischen Dialekts an. Mit Mc Bruddaal sang er unter anderem den gemeinsam herausgebrachten Ohrwurm „Oi Bier z’schbät“ sowie „Reggae Di uff?!“

Viel Unterstützung auf der Bühne

Auch der Spaß-Rapper Körpa Klauz unterstütze Mc Bruddaal sowie zwei enthusiastische Backgroundtänzerinnen, die immer wieder mit überraschenden Kostümwechseln Farbe auf die Bühne brachten. Ob in knappen Shorts, als Zelt verkleidet oder gehüllt in Regencapes – die „Mädels“, wie Mc Bruddaal die beiden jungen Frauen nannte, wussten die Blicke auf sich zu ziehen – auch mit ihren thematisch passenden Tänzen. Am Mischpult heizte DJ Toni Disco dem Publikum ein, von dem er sich zwischendurch (wortwörtlich) in einem Gummiboot auf Händen durch den Saal tragen ließ.

Mc Bruddaal interagierte permanent mit dem begeisterten Publikum und hatte ihm sogar Geschenke mitgebracht. So warf er unter anderem zahlreiche Sonnenbrillen ins Publikum. Die Sonnenbrille ist neben seiner Schlappohr-Kappe und der goldenen Brezel-Kette eines seiner Markenzeichen – mal abgesehen vom Dialekt. Auch schwedisches Dosenbier verteilte er in den vorderen Reihen. Henrik Brislow, wie Mc Bruddaal mit bürgerlichem Namen heißt, ist nämlich das Kind schwedischer Eltern, daher ist das importierte Bier weniger absurd als man meinen könnte.

Kulinarik und Gepflogenheiten

In seinen Texten jedoch bezieht sich der 43-Jährige ausschließlich auf seine schwäbische Herkunft. Besingt die Landeshauptstadt Stuttgart („Du bisch mei number one“) und deren Vororte sowie die kulinarische Vielfalt von Maultaschen, Spätzle mit Soß’ bis zur Butterbrezel. Aber auch Gepflogenheiten wie die überaus ernstzunehmende „Kehrwoch“ bleiben nicht unerwähnt.

Nach einer üppigen Zugabe entließen der Schwaben-Rapper und seine Entourage das Ludwigsburger Publikum am Freitag, jedoch nicht ohne den legendären Song „Dahanna“ zu spielen.

 
 
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