Mehr Sicherheit für Bewohner hoher Gebäude Sachsenheim bekommt Drehleiter

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Die Bietigheimer Feuerwehr bei einer Übung mit der Drehleiter am Haus Caspar. Bisher musste Sachsenheim auf die Unterstützung der Nachbarstadt zurückgreifen. Jetzt gibt es ein eigenes Hubrettungsfahrzeug.⇥ Foto: Martin Kalb

Wegen vieler hoher Gebäude im Stadtgebiet ist die Anschaffung eines sogenannten Hubrettungsfahrzeugs laut Feuerwehr-Experten zwingend notwendig. Die Stadt hofft auf Zuschüsse.

Eines war Philipp Rousta, Feuerwehrkommandant der Stadt Sachsenheim wichtig zu betonen: „Wir investieren in die Sicherheit der Bürger. Das ist kein Gerät, das die Feuerwehr unbedingt will.“ Wie im Feuerwehrbedarfsplan vorgesehen, hat sich der Gemeinderat Sachsenheim am Donnerstag dafür ausgesprochen, ein sogenanntes Hubrettungsfahrzeug für die Feuerwehr mit einer Drehleiter anzuschaffen. Die Kosten liegen bei rund 750 000 Euro. Ein genaues Ergebnis soll die Ausschreibung bringen. Die Stadt hofft auf satte Zuschüsse.

„Mit wilden Gesten“ sei auch Helga Niehues aufgefordert worden, „noch zu sagen, was alle anderen schon gesagt haben“. Und so betonte auch die SPD-Fraktionschefin, dass ihr Trio voll und ganz hinter der Anschaffung stehe. Keine Fraktion wollte den Eindruck erwecken, man sorge sich nicht um die Sicherheit der Bürger.

Konkrete Gefahr

Das konkrete Szenario beschreibt die Feuerwehr wie folgt: ein Wohnungsbrand im Obergeschoss eines mehrgeschossigen Gebäudes. Feuer und Rauch, auch im Treppenhaus. Personen müssen über Leitern und Treppe gerettet werden. Gleichzeitig muss die Brandausbreitung verhindert und der das Feuer gelöscht werden. „Gebäudebrände sind in Sachsenheim eine konkrete Gefahr, die mit einer sicheren Wahrscheinlichkeit eintreten“, heißt es. Bei höheren Gebäuden ohne zweiten Rettungsweg bedarf es einer Drehleiter. Die muss innerhalb einer Eintreffzeit von höchstens zehn Minuten nach Alarmierung der Feuerwehr vor Ort sein. Aufgrund der Vielzahl hoher Gebäude ist in Sachsenheim die Alarmierung einer Drehleiter bei jedem Gebäudebrand erforderlich.

Mehr als 400 hohe Gebäude

Bei der Fortschreibung des Brandschutzbedarfsplans wurden 2018 und 2019 mindestens 400 Gebäude gezählt, bei denen im Ernstfall eine Drehleiter benötigt wird: dreigeschossige Gebäude mit ausgebautem Dachgeschoss, vier -, fünf und sechsgeschossige sowie höhere Gebäude mit Aufenthaltsräumen ohne zweiten baulichen Rettungsweg. Auch aktuell wurden oder werden Wohnprojekte umgesetzt, die eine Drehleiter notwendig machen, hieß es von der Verwaltung.

Bisher wurde bei Bränden in Groß- und Kleinsachsenheim auf die Drehleiter der Feuerwehr in Bietigheim-Bissingen und im Kirbachtal auf die Hilfe der Vaihinger Kollegen zurückgegriffen. „Dafür sind wir sehr dankbar“, so Rousta. Doch die Entfernungen zum Einsatzort sind oft zu groß, wie eine Auswertung im Feuerwehrbedarfsplan zeigt: Bei 60 Einsätzen zwischen Mitte 2014 und Mitte 2018 war die Drehleiter gerade mal in gut ein Drittel der Fälle (36 Prozent) in maximal zehn Minuten vor Ort. Noch deutlicher sind die Zahlen für 2019: Bei 32 Alarmierungen betrug die durchschnittliche Eintreffzeit 14 Minuten. Nur in 20 Prozent der Fälle war die das Drehleiter-Fahrzeug „pünktlich“. Die hohen Gebäude im Gewerbepark Eichwald spielen übrigens, wenn überhaupt, eine untergeordnete Rolle bei der Anschaffung. Rousta erklärt auf BZ-Nachfrage: „Im Industriebau haben wir im Regelfall den baulichen zweiten Rettungsweg.“

Kosten: 750 000 Euro

750 000 Euro soll das Fahrzeug kosten und in Kleinsachsenheim stationiert werden. Die Stadt und Kreisbrandmeister Andy Dorroch sind der Ansicht, dass das Fahrzeug auch über die Stadtgrenze hinweg sinnvoll ist, daher hofft Sachsenheim auf Fördermittel von 380 000 Euro.

Stadtrat Thomas Wörner (GLS) schätzte die tatsächlichen Kosten für die Stadt allerdings auf bis zu einer Million Euro: „Man muss Schulungen durchführen, das Fahrzeug muss regelmäßig zum TÜV. Und wenn man die Unterbringung betrachtet, muss man auch noch aktiv werden. Und Einzelstadtrat Oliver Häcker ärgerte sich: „Leider dürfen, beziehungsweise müssen wir dieses Fahrzeug anschaffen. Hier gilt der Dank an die vorangegangene Stadtplanung.“

Einsatzbereiche des Hubrettungsfahrzeugs

Rettung von Personen aus dem Gefahrenbereich, Angriffsweg für Feuerwehrleute in den Gefahrenbereich,

Sicherung der Einsatzkräfte, Ventilation im Objekt, Brandbekämpfung bei ausgedehnten Objekten von oben (zum Beispiel Holzwerke oder Biogasanlagen), Transporthilfe für den Rettungsdienst (Adipositas-Einsätze), Rettung aus Tiefe und Höhe, Unterstützung im Bereich Absturzsicherung, Ausleuchten von Einsatzstellen, bei drohender Gefahr durch herabfallende Gegenstände, bei Suizidversuchen.

 
 
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