MHP Riesen Ludwigsburg Für Polas Bartolo ist Alter nur eine Zahl

Von Manuel Schust
Auch im Alter von 40 Jahren ist Kapitän Yorman Polas Bartolo bei den MHP Riesen Ludwigsburg ein wichtiger Leistungsträger. Foto: /Hansjürgen Britsch/Pressefoto Baumann

Mit 40 Jahren ist Yorman Polas Bartolo der älteste Spieler in der Basketball Bundesliga. Der Riesen-Kapitän denkt noch lange nicht ans Aufhören.

Wenn man beobachtet, wie Yorman Polas Bartolo sich auf dem Spielfeld bewegt, würde man nicht auf die Idee kommen, dass der Deutsch-Kubaner bereits 40 Jahre alt ist. Im Duell mit Gegenspielern, die teilweise nur halb so alt sind wie er und seine Söhne sein könnten, trumpft der Ludwigsburger Kapitän weiterhin mit seiner Athletik auf und ist nach wie vor ein essenzieller Bestandteil im Spiel der MHP Riesen Ludwigsburg. Polas Bartolo ist weit davon entfernt, zum alten Eisen zu gehören: In allen acht Pflichtspielen dieser Saison war der 1,92 Meter große Forward in der Startformation. Durchschnittlich 26 Minuten stand er auf dem Parkett und erzielte für die Riesen 9,7 Punkte.

Schlaf, Ernährung, wenig Alkohol

„Ich versuche einfach, mein ganz normales Level zu bringen“, gibt sich Polas Bartolo bescheiden. Ein wirkliches Geheimrezept für seine lange Karriere und die ungebrochene Fitness gibt es nicht. Auch beim letzten Ü40-Spieler in Reihe der Riesen hat er sich nichts abgeschaut. Tremmell Darden, der von 2020 bis 2022 in ähnlichem Alter noch für die Ludwigsburger aufgelaufen ist, hat vor jedem Training und Spiel ein umfangreiches Stretching-Programm absolviert. Bei Yorman Polas Bartolo spielen andere Faktoren eine Rolle.

„Ich stretche mich nicht so viel wie Tremmell, aber ich gehe mittlerweile früher ins Bett“, gibt er schmunzelnd zu. „Und ich achte auf die Ernährung. Normalerweise esse ich nicht viel Fast Food, da muss ich aufpassen. Ich trinke auch fast gar keinen Alkohol mehr.“

In Ludwigsburg weiß man die Dienste des Veteranen zu schätzen. Noch bevor ein neuer Trainer verpflichtet wurde, verlängerten die Riesen den Vertrag mit dem Kapitän – und das mit einem 1+1-Vertrag für zwei Spielzeiten. „Er ist nicht nur Kapitän, Anführer und Identifikationsfigur, sondern verkörpert die Klub-Identität und Spielweise auf und neben dem Parkett ebenfalls exzellent“, begründete Alexander Reil, der Vorsitzende des Klubs. „Yorman bei uns zu wissen, ist ein absoluter No-Brainer.“ Seit dem Jahr 2020 läuft der gebürtige Kubaner für die Riesen auf und kommt auf 246 Pflichtspiele für die Barockstädter. „Ludwigsburg ist meine Heimat geworden“, fasst es Polas Bartolo zusammen. Dass die Riesen dieses Jahr nicht international spielen, findet er zwar schade, aber „für das Regenerieren passt das für mich ganz gut.“

Nach der Spielerkarriere liebäugelt Polas Bartolo damit, Trainer zu werden. „Für mich wäre es schön, wenn ich in der Umgebung hier bleiben und als Trainer arbeiten könnte“, sagt er. Vorsorglich hat er bei einem Sonderlehrgang den B-Trainerschein des Deutschen Basketball-Bunds erworben. Nach der Spielerlaufbahn will er die A-Lizenz machen. Wann das sein wird, ist noch nicht abzuschätzen. Über ein Karriereende denkt der 40-Jährige noch gar nicht nach.

Mentor für die jungen Spieler

Als Veteran und insbesondere als Kapitän kommt Polas Bartolo bei den Riesen auch die Rolle zu, Jahr für Jahr die neuverpflichteten Amerikaner unter seine Fittiche zu nehmen. Seine erste Saison in Deutschland hat er 2012 für München Basket in der Regionalliga absolviert. „Ich habe früher auch einige Schrittfehler gemacht“, kann er sich gut in die Lage der Neulinge versetzen, die sich an den europäischen Basketball erst noch gewöhnen müssen. Mit den Riesen hat der 40-Jährige gemeinsam, dass es für einen Titelgewinn noch nicht gereicht hat: „Mit Gießen bin ich 2015 in der ProA Erster geworden und habe auch mit der kubanischen Nationalmannschaft mal in Venezuela einen Titel geholt. Aber ansonsten fehlt das noch.“

Nach dem Ende der Ära John Patrick ist bei den Riesen seit dem Sommer mit Mikko Riipinen ein neuer Trainer im Amt. Als großen Umbruch erlebt Polas Bartolo das nicht. „Jeder Trainer hat ein anderes System, aber für mich hat sich gar nicht so viel verändert“, erzählt er. „Wenn ich spiele, versuche ich einfach, immer präsent zu sein.“

Seine Riesen sieht er auf einem guten Weg: „Wir wollen zeigen, dass wir ein Qualitätsteam sind, auch wenn viele neu im Team sind.“ Früher erhielt Polas Bartolo in Kuba den Spitznamen „el ciclon“ (der Wirbelsturm). Doch neben dem Feld ist er heute der verlässliche Ruhepol bei den Riesen, der aber auch mit 40 Jahren auf dem Parkett loswirbeln kann.

 
 
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