MHP Riesen Ludwigsburg Mit Galatasaray kommt ein Gast mit ganz viel Tradition

Von Michael Nachreiner
Punkte werden den Ludwigsburgern von Galatasaray bestimmt nicht geschenkt, die müssen sich Silas Melson (rechts) und Co. hart erarbeiten. Foto: Avanti/Ralf Poller

Bundesligist MHP Riesen Ludwigsburg empfängt zum ersten Heimspiel in der Champions-League-Zwischenrunde den fünffachen Türkischen Meister Galatasaray Istanbul.

Mit Galatasaray Istanbul ist ein richtig großer und geschichtsträchtiger Name an diesem Dienstag (20 Uhr) zum Abschluss der ersten Halbserie in der Runde der besten 16 Mannschaften der Champions League zu Gast beim Basketball-Bundesligisten MHP Riesen Ludwigsburg. Immerhin war Galatasaray der erste Klub, der 1911 in der Türkei eine professionelle Basketballmannschaft gegründet hatte. Die ganz großen Erfolge liegen aber bereits etwas zurück. 2013 wurde Galatasaray zum letzten von insgesamt fünf Malen Türkischer Meister. Den dritten und bisher letzten Pokalsieg holten die Istanbuler sogar schon 1995.

Dennoch ist Josh King gewarnt. „Ich erwarte einen richtig harten Kampf gegen ein richtiges gutes Team. Galatasaray hat richtig gute Spieler“, erklärt der Riesen-Trainer. „Wenn wir dieses Spiel gewinnen wollen, müssen wir richtig gut spielen.“ Dabei kommt es zum Wiedersehen mit Jonah Radebaugh, der vor allem in seinem zweiten Jahr in der Barockstadt in der Saison 2021/22 einer der Leistungsträger der Ludwigsburger war. Respekt hat King aber auch vor Aufbauspieler Corey Walden, der von 2021 an zwei Jahre lang für den FC Bayern München auflief und auch schon in der NBA-G-League für die Maine Red Claws aktiv war, sowie vor Center David McCormack, der nach seinem Wechsel von Darüssafaka zu Galatasaray Anfang Dezember 2023 wieder richtig aufgeblüht ist.

Viele Galatasaray-Fans erwartet

Doch die Ludwigsburger stehen nicht nur Galatasaray auf dem Parkett gegenüber, sondern müssen in der heimischen MHP-Arena auch fast ein Auswärtsspiel bestreiten. Die Riesen-Verantwortlichen gehen davon aus, dass rund 50 Prozent der Zuschauer in der Halle auf Seiten der Istanbuler stehen werden. Insgesamt werden 400 Fans über den organisierten Gäste-Support erwartet. „Es wird bestimmt eine großartige Atmosphäre werden. Bereits in der Vergangenheit hatten wir gegen zahlreiche Gegner eine grandiose Kulisse, zahlreiche Gäste-Fans und spannende Partien in der MHP-Arena – erst kurz vor Weihnachten war dies gegen AEK Athen der Fall“, berichtet der Riesen-Vorsitzende Alexander Reil. „Wir sind uns sicher, dass die Bühne für Dienstag bereitet ist, sind aber der Überzeugung, dass einige Spieltagsanpassungen angebracht sind. Die Firmierung als Hochrisikospiel ist notwendig und sinnvoll, abschließend aber hoffentlich nur ein Titel für einen Basketball-Festtag.“

Fokus auf eigene Leistung

Ludwigsburgs Coach King nimmt die Sache gelassen. „Es wird zwar bestimmt verrückt werden. Aber wir spielen in unserer Arena. Und wir dürfen uns sowieso nicht Gedanken über die Fans machen. Wir müssen die Energie auf dem Parkett bringen und dürfen nicht darüber nachdenken, dass unsere Fans uns Energie geben“, berichtet der US-amerikanische Coach. „Wir müssen uns darauf konzentrieren, was wir beeinflussen können – und das sind die jeweils fünf Spieler von Galatasaray, die auf dem Parkett stehen, sowie unsere eigene Leistung.“

Durch einen Erfolg gegen die vor der Runde der besten 16 Teams als Favorit auf den Sieg in der Zwischenrundengruppe J gehandelten Türken würden die Ludwigsburger auf jeden Fall einen großen Schritt in Richtung Viertelfinal-Qualifikation machen. In den ersten beiden Auswärtsspielen in Dijon und in Bonn holten die Riesen einen Sieg, kassierten aber auch eine Niederlage. „Man muss seine Heimspiele gewinnen“, fordert King. „Die sind besonders wichtig, wenn man in der Champions League weit kommen will.“

Hochrisikospiel gegen Galatasaray Istanbul

Bei Sportevents kochen hin und wieder die Emotionen hoch – sowohl auf dem Spielfeld als auch auf den Zuschauerrängen. So auch bei der Auswärtsniederlage von Galatasaray Istanbul bei den Telekom Baskets Bonn am ersten Spieltag der Zwischenrunde, als Fans des türkischen Klubs ihrer Wut über die 76:89-Pleite im Telekomdome freien Lauf ließen, Vorhänge herunterrissen, Stühle demolierten und sich  auch Tumulte mit Baskets-Fans lieferten. „Wir haben lange überlegt, wie wir mit der Situation umgehen. Aber nach dem Bonn-Spiel, als Galatasaray-Fans die Halle und Baskets-Fans zerlegt haben, war klar, dass wir die Partie als Hochrisikospiel einschätzen und anmelden“, erklärt Lukas Robert, Pressesprecher des Basketball-Bundesligisten MHP Riesen Ludwigsburg. „Keiner möchte sich vorwerfen, er hätte mehr machen können.“

In der MHP-Arena werden einige Maßnahmen getroffen, um Ausschreitungen zu unterbinden. Für den organisierten Gäste-Support, der mit rund 400 Fans in Ludwigsburg erwartet wird, gibt es einen separaten Sektor, der in der Halle mit baulichen Maßnahmen abgetrennt ist und auch einen eigenen Eingang hat. Darüber hinaus wird die untere Hälfte der Sparda-Bank-Tribüne (Nordseite) nicht ausgefahren. Der private Sicherheitsdienst hat sein im Einsatz befindliches Personal fast verdoppelt im Vergleich zu einem normalen Heimspiel der Riesen. Und auch die Polizei wird mit einem Aufgebot vor Ort sein. Aufgrund der Hochstufung der Partie zum Hochrisikospiel kann es zu intensiveren Körper- und Taschenkontrollen am Einlass kommen.

 
 
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