MHP Riesen Ludwigsburg Roberson fliegt von Platz, Graves durch die Luft

Von Niklas Braiger
Jayvon Graves (in gelb) wird hier von Wes Iwundu (links) unsanft zu Boden gebracht. Foto: Avanti/Ralf Poller

Mit 77:74 setzen sich die Ludwigsburger gegen Vechta durch. Dabei sorgen zwei Aufreger-Szenen für laute Pfiffe in der MHP-Arena.

Zu Beginn des vierten Viertels wird es richtig laut in der Ludwigsburger MHP-Arena. Noch im vorherigen Abschnitt stellen die Schiedsrichter in der Partie der MHP Riesen gegen Vechta Jeff Roberson wegen eines unsportlichen Fouls gegen Luc Van Slooten vom Platz. Kurz darauf pflückt Wes Iwundu Riesen-Shooter Javyon Graves beim Wurf aus der Luft. Beide male bleiben die Gäste-Akteure unbestraft, beide Male werden die Übeltäter von den Zuschauern nach ihrem Vergehen bei jeder Aktion mit Pfiffen begleitet. „Diese zwei Situationen haben ein Funken entzündet“, sagt Riesen-Trainer Josh King nach der Partie. „Er wurde rausgeworfen, das ist okay. Es gab uns Momentum und einen Push“, bestätigt auch Silas Melson

Ulm und Waiblingen hat der Aufsteiger Rasta Vechta in der Basketball Bundesliga bereits geschlagen. Doch gegen die MHP Riesen Ludwigsburg – das dritte Team aus Schwaben – reicht es für das Team von Ty Harrelson nicht zum Sieg. Die Gastgeber setzen sich mit 77:74 im heiß umkämpften Match durch.

Erste Halbzeit ereignisarm

Zwar brauchen die Riesen etwa zwei Minuten, um selbst das erste Mal den Ball einzunetzen, laufen dann aber heiß. Bedingt durch einige Fehlwürfe der Gäste schafft es das Team von Josh King, sich früh auf 10:4 abzusetzen. Beidseitig hapert es aber noch gewaltig von jenseits der 6,75-Meter-Linie. Nur zwei Dreier pro Seite finden das Netz, einer davon von Silas Melson, der wenige Momente vor der ersten Viertelpause zum 24:16-Führung trifft.

Doch zum zweiten Drittel findet sich Vechta defensiv. Eine Auszeit von Coach Harrelson nordet seine Schützlinge ein. Immer, wenn die 4000 Fans in der MHP-Arena denken, dass die gelb-schwarzen wegziehen können, finden die Gäste eine Antwort und bleiben in Schlagdistanz.

Bis zur Halbzeit arbeiten sich die Gäste noch bis auf 33:39 heran, ziehen im dritten Abschnitt dann dank eines 21:5-Laufs mit 54:44 an den Riesen vorbei und halten diesen Vorsprung auch. Insbesondere Tommy Kuhse, der in der vergangenen Saison noch in der Barockstadt spielte, netzt unnachahmlich – am Ende des abends stehen ihm 20 Punkte zu buche. „Insbesondere im dritten Viertel haben wir keine Möglichkeit gefunden, ihn zu verteidigen“, erklärt King.

Robertson checkt Van Slooten

Die Gastgeber lassen ihren angesammelten Frust dann am Gegner raus. Roberson verpasst Van Slooten in der 28. Minute am Boden liegend einen Ellenbogencheck. Der Forward wird disqualifiziert, doch die Aktion hat Signalwirkung. Im direkten Anschluss versenkt Graves einen Dreier, die Aufholjagd ist gestartet.

Nachdem der 25-Jährige zum Start des letzten Viertels unsanft aus der Luft geholt wird, ertönt ein gellendes Pfeifkonzert durch die Halle. Angetrieben von einer Art „Jetzt erst recht“-Mentalität drückt das King-Team auf die Tube und startet den Abschnitt mit acht Punkten ohne Gegentreffer. Bis kurz vor Schluss entwickelt sich ein hin und her mit mehreren Führungswechseln, wobei sich kein Team wirklich absetzen kann.

Graves versetzt Arena in Ekstase

Beim Stand von 74:72 mit unter einer Minute Rest übernimmt Melson, Topscorer der Hausherren, Verantwortung, klaut den Ball bei einem Einwurf der Vechtaer und zieht das Foul gegen sich. Mit einem verwandelten Freiwurf stellt er auf Plus drei für die Riesen. Doch eine Antwort der Gäste lässt nicht lange auf sich warten. Mit wenigen Momenten auf der Uhr leisten sich die Riesen einen leichtsinnigen Fehler und bekommen die Kugel nicht schnellgenug aus der eigenen Hälfte. Doch einen Korbleger von Kuhse blockt Jonathan Bähre, was die MHP-Arena zur Eskalation bringt. Der Rebound landet direkt bei Graves, der die Halle mit einem finalen Dunk zum 77:74-Matchgewinn zum explodieren bringt.

„Wir haben ein paar Spiele so schon diese Saison verloren, aber das ist Basketball“, erklärt der Coach nach der Partie. Für ihn und sein Team geht es nicht einmal 48 Stunden nach Abpfiff bereits gegen Dijon in der Champions League. Tip-Off ist am Dienstag um 20 Uhr.

 
 
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