MHP Riesen treffen im Viertelfinale auf Bayern München Mit Energie, Radau und Teamgeist punkten

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Stimmungsmacher: Trainer John Patrick und die Riesen-Bankspieler wie hier Lukas Herzog, Jonas Wohlfarth-Bottermann, Hans Brase, Cameron Jackson und Christian von Fintel (von links) übernehmen die Rolle der Fans und machen im Audi-Dome Rabatz. ⇥ Foto: Tilo Wiedensohler

Die MHP Riesen fordern im Viertelfinale Titelverteidiger Bayern München heraus. Trainer John Patrick hätte lieber gegen Göttingen gespielt, hofft aber auf eine weitere Energieleistung. Die Bankspieler machen im leeren Audi-Dome ordentlich Stimmung.

Bergfest beim Abschlussturnier um die deutsche Basketball-Meisterschaft: Nach der Gruppenphase steigt ab Mittwoch im Münchner Audi-Dome das Viertelfinale. Die MHP Riesen Ludwigsburg haben dort das zweifelhafte Vergnügen mit dem Titelverteidiger Bayern München. Das erste Duell gegen den Gastgeber im Best-of-two-Modus, quasi die erste Hälfte, findet an diesem Mittwoch (20.30 Uhr/live auf Sport 1 und Magenta Sport) statt, das zweite am Freitag (16.30 Uhr). „Wir sind bereit für diese Playoff-Runde“, sagt der Ludwigsburger Trainer John Patrick, der keine Verletzten zu beklagen hat: „Wir sind okay, aber auch noch frustriert.“

Damit spielt der US-Amerikaner auf das 89:97 am Montagabend im letzten Gruppenspiel gegen Topfavorit Alba Berlin an. 35 Minuten hatten die Riesen an einer Überraschung geschnuppert, ehe ihnen der Saft ausging und sie doch noch die erste Niederlage des Turniers kassierten – mit der Konsequenz, dass nun im Viertelfinale der große FC Bayern, der Drittplatzierte der Parallelgruppe A, wartet. Gruppensieger Alba bekommt es dagegen mit der BG Göttingen und damit einem viel leichteren Gegner zu tun. Darüber hinaus steigen die Berliner erst am Donnerstag nach einem zusätzlichen Tag Pause in die Playoffs ein. „Bei allem Respekt vor Göttingen, das eine sehr gut gecoachte Mannschaft ist: Wir würden lieber gegen Göttingen als gegen München spielen. Mit Bayern hast du eine Truppe, die jede Mannschaft schlagen kann, wenn sie ganz normal spielt – nicht nur hier, sondern in ganz Europa“, sagt Patrick.

Seit dem Wiederauftakt nach der Corona-Zwangspause haben die Bayern mit Topscorer Greg Monroe (blieb aus persönlichen Gründen in seiner Heimat New Orleans) und Führungsspieler Nihad Djedovic (Knieverletzung) zwar ihrer Stars eingebüßt. Doch mit Vladimir Lucic, Paul Zipser, Danilo Barthel, Maodo Lo, TJ Bray oder Mathias Lessort verfügt der amtierende Meister noch über weitere herausragende Einzelkönner. So wirklich ins Rollen gekommen sind die Münchner bei dem Geisterturnier allerdings noch nicht, trotz ihres kleinen Heimvorteils. Bei den Pleiten gegen Ulm (85:95) und Oldenburg (81:89) blieben sie deutlich unter ihren Möglichkeiten.

Riesen-Heimtriumph im Januar

„Wenn du denen etwas wegnimmst, haben die woanders ihre Aktionen. Sie sind überall giftig“, sagt Patrick über die Asse von der Isar und kündigt an: „Wir versuchen, mit Energie dagegenzuhalten.“ So wie es seine Schützlinge bereits an jenem denkwürdigen 19. Januar 2020 getan haben. Da fügten die Barockstädter dem Liga-Krösus vor 4129 Zuschauern in der ausverkauften MHP-Arena die zu diesem Zeitpunkt erste Saisonniederlage zu.

Mittlerweile sind die Karten wieder völlig neu gemischt – auch weil nun die Topscorer beider Klubs, Khadeen Carrington und Monroe, nicht mehr an Bord sind. „Jetzt im Viertelfinale würde ich nicht sagen, dass es noch Underdogs oder Favoriten gibt. Jedes Team muss in zwei Partien seinen besten Basketball spielen, um sich für die nächste Runde zu qualifizieren“, stellt FCB-Trainer Oliver Kostic fest. „Alle Mannschaften hatten zwei Monate ohne Basketball“, gibt sein Riesen-Kollege Pat­rick zu bedenken. „Der Rhythmus ist etwas verloren gegangen. Ich glaube, die Tagesform wird alle Spiele entscheiden.“

Enthusiasmus von der Bank

Vielleicht trägt aber auch die Unterstützung von außen etwas zum Ausgang bei. Die Ludwigsburger Korbjäger haben sich bisher am Spielfeldrand als besonders enthusiastisch präsentiert. „Wir müssen schon laut sein, sonst wäre es in der leeren Halle ziemlich leise“, sagt Riesen-Profi Hans Brase und weist auf die ungewohnte Atmosphäre hin, in der jeder Ruf zu hören ist: „Es ist da schon richtig komisch, wenn man zum Beispiel wirft oder versucht, in der Verteidigung oder der Offense heiß zu sein. Wir haben nur einander, müssen uns auf uns verlassen und versuchen, Energie in die Halle zu bringen.“

Die größte Stimmungskanone ist dabei Teyvon Myers. Der Neuzugang, der bisher erst einen Einsatz hatte, und die Bankspieler ziehen alle Register, um das Fehlen der Fans vergessen zu machen: Sie feuern die Kollegen auf dem Feld an, beklatschen jede gelungene Aktion, wedeln wild mit ihren Handtüchern – ein Indiz, wie gut es um die Chemie im Aufgebot der Schwaben bestellt ist. „Wir haben schon eine gute Truppe“, bestätigt 2,06-Meter-Mann Brase. Die Gute-Laune-Dosis ist offenbar auch ein gutes Mittel gegen den drohenden Lagerkoller in der Quarantäne-Unterkunft. Brase: „Man muss auch ein bisschen Spaß bei dem Turnier haben und darf nicht jede Sekunde ernst nehmen, wenn man drei, vier Wochen in einem Hotel ist und das alles durchmachen muss.“

 

Zahlenspiele zum Viertelfinale der MHP Riesen gegen Bayern München

151 Tage liegt der spektakuläre 81:74-Heimsieg der Riesen gegen den FC Bayern nun zurück. Die Münchner kassierten an jenem 19. Januar in der MHP-Arena ihre erste Saisonniederlage.

43 von 81 Punkten kamen im Januar von Nick Weiler-Babb (12), Thomas Wimbush (10) und Marcos Knight (21). Das Trio ist auch fünf Monate später in guter Form – und entsprechend an einer Wiederholung interessiert.

16 der 26 schwäbisch-bayerischen Duelle endeten bisher mit mehr als 90 Punkten auf der Anzeigentafel. Im Hinblick auf das Offensiv-Feuerwerk, das die Klubs bisher im Rahmen des Final-Turniers auf dem Parkett zündeten, ist eine abermalige Überschreitung dieser Marke wahrscheinlich. ⇥bz

 
 
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