Migrationsberatung beim DRK Helfer im Behördendschungel

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Bei persönlichen Beratungsgesprächen, wie hier zwischen Mirjam Salzer und Yohanes Tesfay ist in Corona-Zeiten immer eine Trennscheibe dabei. „Es dauerte, bis man sich an die neuen Vorgaben gewöhnt hatte, aber jetzt ist das kein Problem mehr“, sagt Salzer.⇥ Foto: Helmut Pangerl

Auch in Zeiten von Corona bietet das DRK Migranten Beratung in allen Lebenslagen an. Als besonders hilfreich hat sich dabei eine App gezeigt.

Yohanes Tesfay kam 2017 aus Eritrea nach Deutschland. Seither versucht er in der Region Fuß zu fassen. Er bildet sich weiter, um auf dem Arbeitsmarkt nicht nur für Helfertätigkeiten fündig werden zu können. Am Freitag sitzt er wieder bei Mirjam Salzer von der DRK-Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer in Ludwigsburg. „Ich bin froh, dass es jemanden gibt, der mir hilft“, sagt Tesfay. An diesem Tag geht es um den Antrag für Berufsausbildungsbeihilfe. „Bisher hat er Bafög bekommen, aber jetzt muss er die Beihilfe beantragen“, erklärt Salzer.

Gemeinsam mit ihrer Kollegin Elma Felic-Salkic kümmert sie sich um Migranten, und unterstützt sie vor allem bei Behördenangelegenheiten. „Wir sind für Erwachsene ab 27 Jahren da und beschränken uns in der Regel auf Menschen mit einem Aufenthaltstitel“, sagt Salzer. Rund 200 Beratungsklienten hatten die beiden in diesem Jahr schon. In der direkten Flüchtlingshilfe gebe es schon viel Unterstützung, so dass sie eher danach ansetzen. Bei Tesfay etwa sei das nun der Fall, da er aus dem Flüchtlingsheim ausgezogen sei.

Große Vielfalt beim Service

Dabei bieten die beiden Frauen quasi einen Rundum-Service, vom Helfen bei Anträgen über Unterstützung beim Familiennachzug bis hin zur Arbeitssuche reichen ihre Aufgaben. „Das ist das Schöne am Job, er ist sehr vielfältig“, sagt Salzer. Dabei beschränkt sich das Angebot des DRK nicht nur auf Flüchtlinge. „Wir haben auch Klienten, die aus EU-Staaten hierherkommen, etwa Italiener“, erklärt Felic-Salkic.

Wer die Sprache nicht gut beherrsche, sei bei Behördenangelegenheiten eben im Nachteil. Der Behördendschungel überfordere viele und manchmal sei auch die Frustration darüber, wie die Dinge in den Ämtern laufen und wie viel Geduld manchmal erforderlich ist, groß. „In der Regel hilft es schon, wenn wir dann erklären, warum dies oder jenes Dokument noch angefordert wird“, erzählt Salzer. Der überwiegende Teil der Migranten sei aber motiviert und erkenne, dass er eine Ausbildung braucht, um nicht dauerhaft in prekären Arbeitsverhältnissen leben müssen.

App erleichtert den Kontakt

Dass Tesfay an diesem Freitag persönlich in der Monreposstraße auftaucht, ist in Zeiten von Corona keine Selbstverständlichkeit. Von März bis Ende Mai hatte die Migrationsberatung geschlossen. „Derzeit machen wir nur Termine nach Voranmeldung. Unsere offene Sprechstunde gibt es derzeit leider nicht“, sagt Salzer.

Gerade in der Corona-Zeit sind Salzer und Felic-Salkic daher froh über die seit 2019 verfügbare App „mbeon“, die eine Beratung auch online möglich macht. „Die Klienten können einfach ihre Schriftstücke abfotografieren und uns mit dem Handy schicken“, nennt Felic-Salkic ein Beispiel für den Gebrauch der App.

Mehr als 300 Fachkräfte in der Migrationsberatung sind dort registriert und können in 19 Sprachen digital weiterhelfen. Die App ist kostenlos und mit Bundesmitteln finanziert. „Gerade auch für Menschen mit wenig Zeit oder Kindern, ist das praktisch, weil sie dann nicht für jede Angelegenheit herkommen müssen“, sagt Salzer. Innerhalb von 48 Stunden erhält man in der Regel Antwort auf seine Anfrage über die App.

Migranten spüren Krise direkt

Die Reduzierung der persönlichen Beratung ist aber nicht die einzige Auswirkung mit der Migranten laut den Expertinnen zu tun hatten. „Es ist schon so, dass Migranten häufig von der Wirtschaftskrise und dem Stellenabbau betroffen sind“, sagt Salzer. Das liege eben daran, dass sie bei Zeitarbeitsfirmen oder nur als ungelernte Helfer angestellt seien und dann als eine der ersten Gruppen entlassen wurden. Felic-Salkic berichtet auch von Fällen aus der Praxis, wo Corona dem Familiennachzug einen Strich durch die Rechnung gemacht hat.

Fünf Jahre nach dem Satz „Wir schaffen das“ der Bundeskanzlerin, sehen die beiden Expertinnen viel Gutes in der Integrationsarbeit. Auch wenn sie selbst für einen Vergleich etwa zur Intergration der Flüchtlinge des Balkankriegs zu jung sei, meint Salzer, dass in den vergangenen Jahren eine Vielzahl von Angeboten und Hilfen aufgebaut wurde. Allerdings bräuchten Migranten auch heute noch teilweise einen langen Atem, so berichtet Salzer von einem Arzt aus Syrien, der nun nach fünf Jahren wieder in seinem Beruf arbeiten könne in Deutschland.

 
 
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