Mundelsheim „Auf die Fresse, damit es eben auch Spaß macht“

Von Helena Hadzic
Metalcore-Band Project Helix – bestehend aus Gitarrist Sebastian Schult (von links), Gitarrist Till Weinert, Bassist Timm Coerrens, Schlagzeuger und Gründungsmitglied Ralf Muhler sowie Sänger Tim Gallion (im Vordergrund). Foto:  

Die Metalcore-Band „Projekt Helix“ behandelt in ihrem neusten Song „Digital Slaves“ die Gefahren des Internets und sozialer Medien.

Was ein gelangweilter Wissenschaftler, der ein Experiment durchführt und mal eben die menschliche Spezies erschafft, mit rauem Metalcore zu tun hat? Viel – das jedenfalls sagen die Jungs von „Project Helix’“, einer fünfköpfigen Band um den Mundelsheimer Sänger Tim Gallion, der ursprünglich aus Besigheim kommt. Hinter verschlossenen Türen übt der leidenschaftliche Musiker mit seiner Band in den Räumlichkeiten ihres Proberaums in der Wernerstraße in Stuttgart – spielen Schlagzeug, E-Gitarren, Bass und schreien ins Mikrofon. An den Wänden hängen Bandbanner von musikalischen Vorbildern wie Iron Maiden, Metallica und Slipknot. „Im Grunde verfolgen wir mit unserer Mucke einen philosophischen Ansatz“, sagt Sänger und Frontmann Gallion im Gespräch mit der BZ. Dystopie, Gesellschaftskritik und schlicht der grobe Wahnsinn des Alltags bilden die Eckpfeiler ihrer Musik. „Und ganz nebenbei kann man mit den Songs noch die Sau rauslassen“, erzählt der Mundelsheimer. Wie etwa bei ihrem neusten Titel „Digital Slaves“, indem sich die Musiker mit den Gefahren des Internets und sozialer Medien beschäftigen.

Die Anfänge der Band gehen bis ins Jahr 2011 zurück, als Ralf Muhler, Schlagzeuger, als Student mit seinem damaligen Kommilitonen auf die Idee kommt, eine Band zu gründen. „Eigentlich war es eine spontane Idee, wir wollten einfach zusammen jammen und Spaß haben“, erinnert sich Muhler. Durch eine Ausschreibung im Internet wird die Gruppe komplett, eine Basserin und ein Gitarrist stoßen dazu. Damit steht auch die erste Besetzung der Band – damals aber noch ohne einen Band-Namen. Denn in einem angemieteten Proberaum werden erstmal nur Cover von Metalsongs gespielt. Songs, wie „Toxicity“ von System of a Down, oder aber „Redneck“ von Lamb of God. Wenig später folgt das nächste Bandmitglied, welches heute zum Kern gehört – nämlich Gitarrist Till Weinert, bevor sich die Band nach und nach in ihre heutige Besetzung zusammenfindet. „Irgendwann kam dann die Lust auf mehr und wir wollten vor Publikum spielen – da kommt man dann in die Bredouille, dass man die Band auch irgendwie benennen muss“, sagt Weinert.

Ein kosmischer Scherz

Der Name „Project Helix“ entstammt einem philosophischen Gedankenexperiment: „Man stelle sich vor, ein übergreifender Wissenschaftler erschafft die Menschheit für ein Experiment – mit dem Kniff, dass es eigentlich nicht sein wichtigstes Experiment ist“, erklärt Weinert. Und alles, was den Menschen wichtig erscheint, seien winzige Experiment-Impulse. Der Wissenschaftler wiederum denkt sich: „Jetzt wär’s doch mal lustig: Industrialisierung, oder jetzt wär’s doch mal lustig: Internet – also eigentlich ein kosmischer Scherz“, erklärt der Gitarrist. Der Name des Experiments? Project Helix – wegen des geometrischen Gebildes der menschlichen DNA. In den Namen sei die Band dann irgendwann reingewachsen, sagt Gallion, der als Sänger und Frontmann erst 2014 durch eine Ausschreibung dazustößt. „Es läuft viel schief in unserer Welt, das wollen wir mit unserer Musik und unseren Texten ausdrücken“, erklärt er. Dinge wie Krieg oder ein Virus. „Und ich will jetzt nicht sagen, dass wir prophetisch sind, aber kurz vor Corona haben wir das Lied „We are the Virus“ zu einem Virus geschrieben“, meint Weinert mit einem Augenzwinkern – Sänger Gallion ergänzt grinsend: „Da scheint uns wohl doch jemand zuzuhören“.

Tatsächlich müsste dieser wissenschaftliche, übergreifende Zuhörer ziemlich gute Ohren haben – immerhin versteht man nicht immer so gut, was Gallion eigentlich singt, klaren Gesang gibt es nur dosiert in einzelnen Songs. „Wenn ich schreie, lasse ich meinen Emotionen freien Lauf“, meint der Sänger, der als Lehrer seine Brötchen verdient, und ergänzt: „Auf der Bühne heißt es: Auf die Fresse, damit es eben auch Spaß macht“, macht der Mundelsheimer deutlich. Den Großteil der Texte schreibt er selbst, und dann wieder mit Ideen der Band. Wie die Metalheads konkret zum Thrash/Metalcore gekommen sind, wissen sie selbst nicht. „Das hat sich nach und nach so auskristallisiert, aus vielen verschiedenen Richtungen kamen Einflüsse dazu; tatsächlich können wir uns auf wenige Bands einigen, die alle gut finden“, sagt der zweite Gitarrist Sebastian Schult – seine Kollegegen nennen ihn übrigens liebevoll „Baschdi“. „Metalcore ist groovig, hat Power und live ist es einfach Musik, bei der man auf die Kacke hauen kann“, erzählt Schult weiter. Brachiale Rhythmen, Dynamik und Melodie – und trotzdem kein 08/15-Metalcore, sondern von Song zu Song mit anderer Gewichtung der Einflüsse, das mache die Band aus. Beim Metalcore müsse man nämlich aufpassen, dass es nicht zu generisch klinge – die Gefahr gibt es bei Project Helix daher nicht, so Schult. Bassist Timm Coerrens betont zudem: „Die, die uns live sehen, schätzen die Vielfalt. Viele haben schon gesagt, dass unsere Musik abwechslungsreich ist und dass da einfach immer was passiert.“

Das gilt auch für die Shows, für die sich die Band immer was neues einfallen lässt, wie etwa kürzlich schwarze Masken, die ein wenig an Fechtmasken erinnern – nur eben mit dem digitalen, leuchtenden und dreieckigen Logo der Band. „Und ja, wir müssen dann blind spielen“, sagt Coerrens. Regisseur Stefan Nacke vom Unternehmen „Video Headz“ ist übrigens zum Teil für die Videos verantwortlich, so auch für „Digital Slaves“. Um das nächste Video zum Song „We are the Virus“ wird sich Bassist Coerrens kümmern – in einer Tiefgarage soll gedreht werden. Project Helix-Vater und Drummer Muhler sieht den Spaß schon kommen, denn: „Wir nehmen uns selbst aufs Korn, wir nehmen den anderen aufs Korn und wir trinken Korn – das sind wir.“

Project Helix treten am 27. Januar im JH Kloster in Weil der Stadt auf dem D.N.A. FEST Vol. 2 mit Decreate und Texas Cornflake Massacre sowie am 30. März in der Beatbaracke Leonberg auf.

 
 
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