Mundelsheim Hoch hinaus als „Wengerter auf Zeit“

Von Helga Spannhake
Der Infoabend der Initiative „Wir gehen steil“ war gut besucht. Neben „etablierten“ Teilzeitwengertern kamen auch neue Interessierte hinzu und informierten sich über das Projekt zur Rettung des Steillagenweinbaus am Neckar. Foto: /Oliver Bürkle

Die Initiative „Wir gehen steil“ wurde im vergangenen Jahr gegründet und hat sich zur Aufgabe gemacht, die Weinbergslagen zu erhalten.

Die Initiative „Wir gehen steil“ des Käsbergkellers in Mundelsheim geht in das zweite Jahr. Erneut lernen Interessierte die Arbeit im Weinberg kennen und helfen dadurch diese besondere Kulturlandschaft zu erhalten.

Zur Auftaktveranstaltung für das Bewirtschaftungsjahr 2026 kamen rund 20 Frauen und Männer in die Vinothek Mundelsheim – unter ihnen die Weinerlebnisführerin Katrin Held aus Ottmarsheim.

Sie war bereits im vergangenen Jahr dabei und liebt es, draußen in der Natur zu sein: „Das ist so schön in der Steillage zu stehen und man sieht immer wieder auch viele Tiere“, schwärmt sie vom Arbeiten im Weinberg. Gekommen war auch Daniel Bauer. Seit fünf Jahren wohnt er mit seiner Familie in Mundelsheim und auch er konnte im vergangenen Jahr schon erste Erfahrungen sammeln: „Mit drei Kindern geht spontan einspringen zwar nicht immer, aber mein Sohn Collin hilft inzwischen auch gern mit“, berichtet er erfreut.

Abwechslung zum Bürojob

„Wir sind die Neuen“, erklang es von einem anderen Tisch, denn erschienen zum Auftaktabend waren auch viele neue Gesichter, die sich einmal anhören wollten, was sich genau hinter der Initiative „Wir gehen steil“ verbirgt und wie eine Unterstützung aussehen kann.

Als Abwechslung zum Bürojob, als neue Aufgabe in der Rente, den Blick zu schulen für die Herausforderungen des Weinanbaus und vor allem das gern draußen zu sein, wurden während der kleinen Vorstellungsrunde als Gründe für eine Beteiligung genannt, aber auch das Mithelfen wollen, um diese einzigartige Reben-Kulturlandschaft zu erhalten.

Denn die Steillagen entlang des Neckars sind in Gefahr, weil der dortige Weinanbau aufgrund von ausschließlicher Handarbeit zunehmend unwirtschaftlich wird. Mit ihnen verschwände allerdings ein wertvolles Stück Natur, dass das Landschaftsbild über Jahrhunderte prägte und das gleichzeitig einen wichtigen Beitrag zur Biodiversität leistet.

2020 startete in Benningen das Projekt „Wengerter auf Probe“ und das nahm man in Mundelsheim als Vorbild, aber nicht als simple Kopie, sondern erschuf eine eigene Variante. Bei dieser bekommen die Teilnehmenden nicht gleich einen eigenen Weinberg zur selbstständigen Bewirtschaftung. Stattdessen geht es in der Gruppe auf die Steillagen zum Rebschnitt, Beikraut entfernen, Drahtanlagen richten, Stämmchen putzen, Doppeltriebe entfernen, den Laubarbeiten bis schließlich zur herbstlichen Lese.

Das Ziel ist dabei klar definiert: Unter Anleitung von erfahrenen Wengertern Gelände und Reben kennenzulernen sowie ein tieferes Verständnis für den Weinanbau zu entwickeln. Bei der Auftaktveranstaltung beschrieb Weingärtner Jochen Reiner das Projekt: „Wir wollen die Menschen heranführen, was wie und wann gemacht werden muss – zuerst kommt die Theorie und im Anschluss gleich die Anwendung im Weinberg“, erläuterte er. Alle ehrenamtlichen Wengerter erhalten außerdem von der Gemeinde Mundelsheim zum Start eine Rebschere geschenkt und die Hoffnung der altgediegenen Winzer ruht darauf, dass nach einer gewissen Einarbeitungszeit bei dem einen oder der anderen Steilgeherin dann der Gedanke reift, einen eigenen Weinberg zu bewirtschaften.

Den Steillagenweinbau erhalten

Denn als Ziel und Herzenssache der Initiative „Wir gehen steil“ ist definiert, den Steillagenweinbau in der schönsten und besten Neckartallage zu erhalten: Ein leidenschaftlicher Kampf aus Überzeugung, denn vor allem der Käsberg soll erhalten bleiben als zusammenhängende Fläche, wofür es viele helfende Hände braucht.

Verteilt über das Jahr sind 24 Einsatztermine geplant und der erste fand bereits am Wochenende statt: Rebschnitt stand da auf dem Programm der neuen Steilgeher. In Angriff genommen werden soll in diesem Jahr außerdem die Instandsetzung der Trockenmauern.

Bei all der Arbeit und Pflege rund um die Rebstöcke wird aber auch der Genuss nicht vergessen und zum Grillevent – selbstverständlich mit Weinprobe – geladen. Und auch wenn der Raum bei der Auftaktveranstaltung voll war, weitere aktive Unterstützer und Unterstützerinnen sind gern gesehen und können sich direkt im Mundelsheimer Käsbergkeller melden.

Unterstützen kann man die Initiative „Wir gehen steil“ zusätzlich mit einer Rebpatenschaft, bei der am Rebstock ein Schild mit dem Namen des jeweiligen Paten oder der jeweiligen Patin angebracht wird und je nach Paten-Paket gestaffelt weitere Vorteile winken.

 
 
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