Mundelsheim Wird das „Filetstück“ zur Brache?

Von Jonathan Lung
Nach der Ankündigung der Hofkammer am Mundelsheimer Käsberg eine Rebfläche von rund 2,6 Hektar aufzugeben, schrillen auch im Mundelsheimer Gemeinderat die Alarmglocken. Foto: /Martin Kalb

Wie geht es weiter am Käsberg, nachdem die Hofkammer eine große Fläche brachliegen lassen will? Die Mundelsheim Gemeinderäte aber noch lange nicht aufgeben. 

Wird in einem zwei Hektar großen Areal des Käsbergs bald eine Brache liegen? Und damit den idyllischen Ausblick von Mundelsheim aus auf die jahrhundertealte Kulturlandschaft maßgeblich verändern, die auch ein Touristenmagnet ist? Und was kann eine Kommune überhaupt gegen den Strukturwandel im Weinbau tun? Diesen Fragen musste sich am Donnerstagabend der Mundelsheimer Gemeinderat stellen.

Hintergrund ist eine Mitteilung wie ein Paukenschlag: es besteht seitens der Hofkammer des Hauses Württemberg die Absicht, deren Rebflächen am Käsberg nach der Weinlese 2026 zu roden und anschließend lediglich noch zu mähen. Gleichzeitig wurde signalisiert, dass eine weitere weinbauliche Nutzung möglicherweise denkbar wäre, sofern ein anderer Bewirtschafter gefunden wird und die Hofkammer künftig nicht mehr mit der Bewirtschaftung befasst wäre.

2,4 Hektar Steillage

Dabei geht es um rund 2,6 Hektar Rebfläche, davon etwa 2,4 Hektar Steillage. Ein Erwerb der Flächen durch die Gemeinde steht derzeit nicht im Raum, teilte die Verwaltung mit. Eine unentgeltliche Verpachtung an die Gemeinde könnte nach den bisherigen Gesprächen jedoch grundsätzlich möglich sein.

Die Verwaltung hat daraufhin gemeinsam mit der Lauffener Weingärtner eG erste Überlegungen angestellt. Eine Übernahme der gesamten Fläche durch die Initiative „Wir gehen steil“, bei der Ehrenamtliche Weinbauflächen bewirtschaften (wir berichteten vor Ort im vergangenen Jahr), erscheint aufgrund des Umfangs nicht realistisch. Auch bei den verbliebenen Vollerwerbswinzern bestehe derzeit keine Bereitschaft, zusätzliche Flächen in dieser Größenordnung zu übernehmen, berichtet die Verwaltung von Bürgermeister Boris Seitz von ihren bisherigen Bemühungen.

Als mögliche Wege kämen daher derzeit insbesondere die Bewirtschaftung durch einen kommunalen Beschäftigten, die Beauftragung eines selbstständigen Bewirtschafters beziehungsweise Lohnunternehmers oder eine andere Kooperationslösung in Betracht. Dann würde die Hofkammer nicht roden, erklärte Seitz, der im kommenden Haushalt 100.000 Euro für ein mögliches Engagement im Bereich des Weinbaus einzuplanen vorschlug.

Kommunaler Weinbaubetrieb?

Über die tatsächliche Verwendung wäre zu einem späteren Zeitpunkt gesondert zu entscheiden. Ein mögliches weiteres Vorgehen könnte darin bestehen, die Gespräche mit der Hofkammer zunächst zu vertiefen und die Rahmenbedingungen für eine unentgeltliche Verpachtung der betroffenen Rebflächen an die Gemeinde zu klären, schlägt der Bürgermeister vor. Sollte sich hierbei eine tragfähige Lösung abzeichnen, wäre in einem weiteren Schritt zu entscheiden, in welcher Form die künftige Bewirtschaftung der Flächen erfolgen kann. Er könne sich vorstellen, einen kommunalen Weinbaubetrieb aufzubauen und hierfür entsprechendes Personal einzustellen.

Alternativ könnte die Bewirtschaftung durch einen Lohnunternehmer oder einen selbstständigen Bewirtschafter erfolgen. Aber: „Es findet sich kein freiwilliger Bewirtschafter nur zum Pachtzins von null Euro“, der müsste bezahlt werden, weiß der Bürgermeister. „Wir wissen alle, dass wir aus der Geschichte nicht mit einem Plus rauskommen.“ Die Kellerei würde zwar die Trauben abnehmen, trotzdem rechnet er mit einem Abmangel von 30.000 bis 40.000 Euro.

„Wenn wir da einsteigen wollen, müssen wir bis zum Jahresende Fakten schaffen“, unterstrich Seitz am vergangenen Donnerstag im Gemeinderat: sonst würde gerodet, und das ließe sich nicht zurückdrehen.

In dem in der Sitzung anberaumten Gedankenaustausch, noch ohne endgültigen Beschluss, betonten die Gemeinderäte, wie wichtig der Weinbau für Mundelsheim sei: „Alles in unserer Macht zu tun, dass dieses Filetstück erhalten bleibt“, forderte Beate Fähnle. Dazu solle die Verwaltung nochmal an den Herzog herantreten, „an seine moralische Pflicht“ appellieren, auf politischer Ebene den Kontakt zum Landrat suchen. Zusammen mit dem Freibad sei dieses „Amphitheater mit Reben“ das, was Mundelsheim zu bieten habe. „Man zerstört damit Kulturlandschaft die nicht wiederbringbar ist“, stellte sie klar.

„Es tut im Herzen weh“, stimmte ihr Thomas Kizler zu, es ginge in der Tat um „das Filetstück unseres Mundelsheims: der Käsberg, das ist unser Blick!“ Er erinnerte an seine eigenen Eltern, die im herzoglichen Weinberg arbeiteten. Trotzdem fragte er: „Wo fangen wir an, wo hören wir auf zu finanzieren? Es wird immer schwieriger, solche Gebiete zu erhalten, wenn da nicht wirtschaftlich gearbeitet werden kann.“ Sollte kein Konsens mit dem Herzog oder Landrat gefunden werden, wolle er für eine gewisse Zeit mit der kommunalen Finanzierung mitgehen – „aber auf Dauer glaube ich nicht, dass das geht.“

„Die Hofkammer macht es sich schon einfach, die muss sich die gerodete Fläche nicht anschauen“, ärgerte sich Christian Bürkle. Einen Bewirtschafter einzustellen wäre zweifellos eine zu bezahlende Vollzeitstelle. Zudem sei man auch die ganze Zeit „Trittbrettfahrer“, abhängig vom Herzog, man habe „nichts in der Hand“. Solange man nicht eine eigene Kelter habe und der Herzog die Trauben abnehme, sei man „völlig ausgeliefert“ und habe keine Sicherheit. Er würde nichtsdestotrotz die kommunale Finanzierung ausprobieren und eventuell nach zwei bis drei Jahren aber auch wieder rausgehen.

„Der Käsberg ist eine absolute Einzigartigkeit, er gehört einfach zu Mundelsheim“, fand auch David Fink, und das auch als touristischer Faktor: „Was sollen wir dann für Bilder von Mundelsheim präsentieren?“ Er sprach zudem die Steinschlagsicherung bei der Brache an, und ebenso, dass ein Ungleichgewicht entstehe, wenn man nur die Parzelle der Hofkammer rette: „ohne die anderen gibt es auch keine Sicherheit mehr.“

Hoffnung auf bessere Phase

Christian Bürkle unterstrich dann erneut: „Jetzt brachliegen lassen geht nicht, dann ist er kaputt“. Und regte an: Vielleicht werde nach einer Phase des „Gesundschrumpfens“ im Weinbau der Wein vom Käsberg wieder benötigt. Dieser Hoffnung schloss sich der Bürgermeister an. Es könne sein, dass man da drei bis vier Jahre durchgehe. Gleichzeitig sei das natürlich eine Idealvorstellung, „wissen tun wir es nicht“.

Klar war nach dieser Sitzung: Tatenlos will Mundelsheim der Rodung seiner Aussicht nicht zusehen. Die Kommune werde auf jeden Fall aktiv, fasste Bürgermeister Seitz die Forderungen der Gemeinderäte zusammen, man werde zunächst mit dem Herzog ins Gespräch gehen. In vier Wochen soll das Thema wieder auf der Tagesordnung stehen.

 
 
- Anzeige -