Musical in Bietigheim-bissingen Vom Klassenzimmer in die Wunderwelt

Von Helga Spannhake
Das Musical wird von neun Darstellerinnen gewuppt, die leidenschaftlich singen, ideenreich tanzen und damit das Publikum begeisterten. Foto: /Martin Kalb

Musikschule, Kunstschule Labyrinth und das Jugendensemble „On Stage“ führen „BiBi in Wonderland“ auf.

Ziemlich genau ein Jahr ist es her, da begab sich Alice aus dem Wunderland nach BiBi Town und musste es dort mit einer ehrgeizigen Bauunternehmerin aufnehmen. Nun kam erneut ein Musical in die Alte Kelter, das im Rahmen einer Zusammenarbeit der Kunstschule Labyrinth mit der Musikschule im Schloss und dem Jugendensemble „On Stage“ entstand. „BiBi in Wonderland“ wurde bei der Premiere vom Publikum begeistert gefeiert.

Nach und nach füllten sich die Reihen in der Alten Kelter in Bietigheim: „Mama, mach schnell, ich will einen guten Platz haben“, war von einem kleinen Mädchen zu vernehmen, das seine Mutter energisch am Arm zog. Aber diese Sorge war unbegründet, denn von jedem Platz aus hatte man einen guten Blick auf das Bühnengeschehen.

Jugendliche schreiben das Musical mit den Dozentinnen

Die Leiterin der Musikschule Barbara Hernandez betrat gemeinsam mit Produktionsleiter Stefan Raab die Bühne und erinnerte daran, dass viele Märchen mit „es war einmal“ beginnen und im Oktober 2025 begann ihr eigenes Märchen: „Da machten sich die Jugendlichen mit ihren Dozentinnen auf den Weg, um ein Musical zu schreiben“, so Barbara Hernandez weiter.

Gemeint sind damit zum einen das Jugendensemble „On Stage“, bestehend aus elf Mädchen, die zwischen zehn und vierzehn Jahren alt sind, und zum anderen Maria Cultrera, Dozentin für den Bereich Tanz, die Dozentin für den Bereich Schauspiel, Sandra Willmann, und Paula Mattes, zuständig für Gesang und mehrere Liedtexte.

Die jungen Musical-Darstellerinnen haben sich ihre Figuren selbst ausgesucht und entwickelten gemeinsam mit ihren drei Dozentinnen das fantasievolle Gesamterlebnis aus Schauspiel, Gesang, Tanz und Musik: „Es ist sozusagen ein zweiter Teil, der aber in sich komplett autark ist“, erklärte Stefan Raab dem interessiert lauschendem Publikum und das Reiben zwischen den beiden Welten, der Realität und dem Wunderland, mache den Reiz aus, ergänzte er.

Nach den einleiteten Worten gepaart mit einem dicken Dankeschön für die Unterstützung durch die Wiedeking-Stiftung sowie die Uwe-Trefz-Stiftung begann die abenteuerliche Reise. Aufgebaut auf der linken Bühnenseite waren Tische und Stühle und passenderweise zeigte die Leinwand auf der rechten Seite eine Schultafel.

Acht Schülerinnen spielen Schülerinnen

Dieses Klassenzimmer betrat zuerst Rose (Emma Breitinger) mit Schlafmaske und einer immerwährenden Müdigkeit. Ruby (Greta Walter) zauberte aus ihrer Schultasche allerlei Mittelchen für eine neue Haarroutine hervor und Tinka (Maja Jolie Koß) hob ihren Zeichenblock mit einer neu gemalten Fee hoch. Mira (Leana Fischer) erschien kurz nach Neva (Elise Kees), die sich über den Schmutz neben den Tischen beschwerte. Bella (Sofia Spirou) kam zusammen mit Ella (Ida Weishaupt), die allen ihre schönen neuen Schuhe präsentierte – wobei ihr immer wieder einer von beiden abhandenkam. Ariana (Paraskevi Keisidou) wiederum hatte ihre Flosse dabei und hoffte auf den Schwimmunterricht.

Aber da wurden von Tina (Darina Heinz) auch schon die Mathematikbücher herumgegeben und Musik setzte ein. Nina Chubas Song über Selbstzweifel mit dem Titel „Unsicher“ erklang mit einem neuen Text von Paula Mattes und thematisierte die Angst der Mädchen vor dem Erwachsenwerden.

Mysteriöse neue Mitschülerin

Mit dem Eintreffen von Melissa (Nora Klaholz), der neuen Mitschülerin und ihrem mysteriösen Buch erschien auch die hochgewachsene Lehrerin (Maxima Haug). Sie erwartete Disziplin, als auf einmal Melissa ihr Zauberbuch hob, Nebel auf der Bühne aufstieg, und sich alle plötzlich in einer fantastischen Welt voller Märchenfiguren wiederfanden. Allerdings schienen alle Prinzessinnen dort ein vorgeschriebenes Schicksal zu haben, dem sie sich fügen mussten, wie das Nichts erklärte, das wiederum eine kleine Reminiszenz an Michael Endes Roman „Die unendliche Geschichte“ war. Aber dies ließen die toughen Bietigheim-Bissingerinnen nicht zu: So verordneten sie Schneewittchen eine Apfeldiät und überzeugten Rapunzel, sich die Haare abzuschneiden.

Leidenschaftlicher Gesang, ideenreiche Tanzchoreografien sowie mit großer Spielfreude und gut dosiertem Humor überzeugten die jungen Darstellerinnen ihr Publikum, machten gleichzeitig Mut das eigene Leben selbst in die Hand zu nehmen und an Träume zu glauben. Beim Schlusslied „Unwritten“ von Natasha Bedingfield klatschte das Publikum begeistert mit, erhob sich anschließend geschlossen zum Applaudieren und ließ das beeindruckende „On Stage“-Ensemble nicht ohne Zugabe von der Bühne.

 
 
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