Musikcomedy in Ludwigsburg Pelvis wird zum Totengräber

Von Gabriele Szczegulski
Thomas Weber, Jens Heckermann und James Geier (von links) sind „Die Grabowski“ – drei Brüder als Totengräber. Foto: Reiner Pfisterer

Der Freiberger Jens Heckermann, ehemals bei den Füenf, startet mit neuem Ensemble nochmal durch.

Als Sänger Pelvis bei dem A-capella-Ensemble „Die Füenf“ ist der Freiberger Jens Heckermann nicht nur in der Region bekannt geworden, sondern in der ganzen Republik. 30 Jahre füllten „Die Füenf“ erfolgreich Hallen, machten den A-capella-Gesang konzerttauglich. Ihre Fans waren geschockt, als „Die Füenf“ 2024 das Aus bekannt gaben.

1995 gründeten Christian Langer (Justice), Jens Heckermann (Pelvis), Patrick Bopp (Memphis), Ralph Digel (Lazlo) und Hartmut Roller (Bass) das Ensemble, später kamen Kai Podack (Little Joe) und Francesco Cagnetta (Dottore Basso) hinzu. Und kurz vor dem 30-Jährigen war dann Schluss. „Die Luft war raus, wir wollten alle einfach was anderes machen, nach 30 sehr intensiven Jahren“, sagt Jens Heckermann.

Die Totengräber geben auf dem Friedhof Konzerte

Und schon im Januar dieses Jahres fand der 59-jährige Heckermann „was anderes“: Gemeinsam mit Thomas Weber, der erst vor vier Wochen seine Bühne „Kabirinett“ in Spiegelberg-Großhöchberg geschlossen hatte, und James Geier von „Backblech“ gründete er die Musik-Comedy-Gruppe „Die Grabowskis“.

Die Idee: Drei Brüder, allesamt Totengräber, die von einer Musikerkarriere träumen, geben nach getaner Arbeit auf dem Friedhof in der Aussegnungshalle allabendlich Konzerte für „die unteren Zehntausend“, so der Name des ersten Programms des Trios, mit dem sie seit Anfang des Jahres auf der Bühne stehen. Premiere war in Webers „Kabirinett“, sie spielten aber auch schon im Stuttgarter Theaterhaus, das schnell ausverkauft war, sodass es Zusatzkonzerte geben wird. Nun spielen sie am 18. und 20. September in der Karlskaserne.

Auch Weber entschied sich für einen Neuanfang, „weil ich wieder auf Tour gehen will und nicht an eine feste Bühne gebunden sein will“, obwohl das Kabirinett und der Biergarten bis zum Schluss erfolgreich und die Vorstellungen fast immer ausverkauft waren. Und James Geier, der ebenfalls im „Kabirinett“ auftrat, schloss sich ihnen an. Schon in der Findungsphase, so sagt Heckermann, sei klar geworden, dass sich hier drei Künstler, Profis, gefunden hätten, die auf der gleichen Wellenlinie seien. „Von Vorteil ist natürlich auch, dass wir uns schon seit Jahrzehnten kennen und auch schon gemeinsam aufgetreten sind“, sagt er.

Heckermanns Idee war, ein Ensemble von Seeräubern zu gründen, das Shantys singt. „Doch schnell kam uns die Idee der Totengräber-Brüder“, so Heckermann. „Wenn man dem ganzen einen Namen geben soll, dann würde ich sagen, wir machen musiklastige Musikcomedy“, sagt Weber. Der Gesang, so Heckermann, sei „wirklich dreistimmig“. Zudem spielt er Gitarre und Akkordeon, James Geier steuert alle Saiteninstrumente bei, Weber spricht, singt und spielt Schlagzeug. „Wir sind eine Band à la Tom Waits mit kernigen Männergesängen“, so Heckermann. Rocksongs texteten sie neu, komponierten selbst Songs.

Gespickt mit Pointen, Lachern, aber auch Ernst

Das Programm der Grabowskis hat, so Heckermann, eine Art Drehbuch. Drei Brüder erzählen aus ihrem Leben, von ihren Wünschen und Träumen, die eben so unterschiedlich sind wie drei Brüder es eben sind. Abends spielen sie am Ort von Beerdigungen vor ihren Fans geheime Konzerte, die der Friedhofswärter zu verhindern versucht. Dass da einige Pointen, Lacher, aber auch ernsthafte philosophische Gedanken über Tod und das Leben inbegriffen sind, erklärt sich von selbst. „Wir sind Profis, die in ein Alter gekommen sind, dass wir nicht nur Blödsinn und Quatsch machen wollen“, sagt Weber.

 
 
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