Der Musikkabarettist, Liedermacher und Schauspieler Bodo Wartke, geboren am 21. Mai 1977 in Hamburg, widmet sich seit April 2023 einem ungewöhnlichen sprachlichen Projekt: der Weiterentwicklung bekannter und weniger bekannter Zungenbrecher. Also, was macht Fischers Fritz nach dem Fischen frischer Fische? Und wie bekommt man einen Blaukrautfleck aus einem Brautkleid wieder heraus? Unter dem Titel „Zungenbrecher 4.0“ untersucht Wartke, wie die traditionellen Sprachspiele weitergehen könnten und welche Geschichten sich daraus entwickeln lassen.
Musikkabarett Warum Bissinger bissig sind
Musikkabarettist Bodo Wartke mischt in seinem Song über Bietigheim Sprachspiele mit Rap, Geschichten und Beats.
So jetzt auch in einem Lied über Bietigheim-Bissingen. Und von denen gibt es schon einige: Von Pur, von „Poldi“ Schlobach, vom Rock‘n‘Roll Diktator, Shindy, Rin, FabiDosSantos, Heidi Loibl und Karl-Heinz Menrath. Bodo Wartke schert allerdings textlich etwas aus und nimmt in der ersten Strophe Bissingen in den Blick: „Ein bissiger Bissinger biss einem Bietigheimer neulich einma’ voll fies ins Bein. Jetzt wundern sich natürlich alle Bietigheimer: Wie kann man nur so bissig und biestig sein?“
Wartkes Konzept beruht auf vier Elementen: dem Zungenbrecher, einem zusätzlich gerappten Reim im Hip-Hop-Stil, kurzen erzählerischen Erweiterungen sowie einer musikalischen Untermalung durch Beats. Dadurch entsteht eine Kombination aus Sprachwitz, rhythmischer Wortkunst und musikalischer Interpretation. Nun bleibt er nicht bei den bissigen Bissingern, sondern blickt textlich auch auf Bietigheim: „Wir reden jetzt nicht länger um den heißen Brei. Wir ham die Schnauze voll von dieser Beißerei. Es eskaliert. Man sieht auf einmal auch in Bissingen Banden bissiger Bietigheimer.“
Seit Beginn seines Projekts hat Wartke nach eigenen Angaben mehr als 50 erweiterte Zungenbrecher veröffentlicht. Sie erscheinen in sechs Staffeln auf Social-Media- und Streaming-Plattformen sowie auf CD und Vinyl. Ein besonderer Erfolg gelang ihm im Herbst 2023 mit dem Beitrag „Der dicke Dachdecker“, der viral ging und inzwischen über 42 Millionen Aufrufe zählt. Für diesen Erfolg erhielt Wartke im April 2024 den Publikums- und Jury-Preis „Goldener Blogger“.
Am Ende geht es um die Versöhnung
Ein wesentlicher Bestandteil des Projekts ist die Zusammenarbeit mit anderen Künstlerinnen und Künstlern, so etwa die Kooperation mit dem Musikproduzenten, Komponisten und Schlagzeuger Matthias Kräutli, der die Zungenbrecher mit passgenauen Beats versieht. Diese musikalische Ebene unterstützt die Texte und hebt die sprachlichen Feinheiten von Bodo Wartkes Reimkunst noch hervor. Und am Ende geht es in seinem Song um die Stadt an Enz und Metter doch auch um eine Versöhnung: „Und alle glauben sich gegenseitig dissen zu müssen: Gewisse Bietigheimer meinen, alle Bissinger müssen sich hier aus Bietigheim jetzt bitte mal beflissen verpissen. Ey, Leute, hört doch mal auf, Mann. Das is’ doch beschissen.“
