Was für ein schöner Anblick: 230 Kinder der Grundschulklassen drei und vier sitzen mucksmäuschenstill auf ihren Stühlen in der Sporthalle am Viadukt. Die Mädchen und Jungen tragen einfarbige T-Shirts in gelb, blau und rot und halten ihre Holz- oder Blechblasinstrumente bereit.
Musikschule Bietigheim-Bissingen Wenn es aus 230 Schalltrichtern tönt
Zwölf Bläserklassen aus der Region vereinen sich und begeistern in der Sporthalle am Viadukt mit einem Jubiläumskonzert.
Vor ihnen stehen Notenpulte mit den Stücken, die sie bei einem ihrer allerersten großen Auftritte spielen werden. Das Konzert der zwölf vereinten Bläserklassen aus Bietigheim, Bissingen, Ingersheim, Löchgau und Sachsenheim war nicht nur ein Augenschmaus: Was die Kinder in nur sechs Monaten (Klassen drei) beziehungsweise anderthalb Jahren (Klassen vier) gelernt haben, beeindruckte das Publikum nachhaltig.
Eine Erfolgsgeschichte seit 20 Jahren
Begonnen hat alles vor 20 Jahren, als Diana Riesterer, damalige Leiterin der Hillerschule, eine Kooperation mit der „Musikschule im Schloss“ und dem Stadtorchester anstieß. Musikschullehrer Peter Teufel, bis heute engagiert in der Bläserklassenarbeit, unterstützte sie von Beginn an.
Heute gibt es zwölf Bläserklassen in der Region, in denen aktuell 230 Mädchen und Jungen ein Blasinstrument lernen. Roberta Neugebauer, Riesterers Nachfolgerin, erinnerte beim Konzert an diesen erfolgreichen Start und die beständige Weiterentwicklung des Modells.
Das Motto des Konzerts am Mittwochabend, „Musik.Schule.Verein(t)“, fasste zusammen, was eine Bläserklasse ausmacht: die enge Zusammenarbeit von Grundschulen, Musikschule und Musikvereinen. Die Teilnahme ist freiwillig, am Ende der zweiten Klasse wählen die Kinder ein Instrument aus einem Pool von Trompeten, Posaunen, Eufonien, Tuben, Querflöten, Klarinetten und Fagotten aus. Der Unterricht erfolgt im Tandem durch Lehrkräfte der Grundschule und der Musikschule, meist nachmittags oder in Randstunden.
Vom ersten Ton zum gemeinsamen „Rock“
Beim Konzert wechselten sich die Orchester der Klassen drei und vier sowie die Dirigenten ab. Erst ganz am Ende, quasi als Zugabe, spielten alle 230 Kinder gemeinsam das mitreißende Stück „Let’s Rock“ von Michael Sweeney. Die Leistungsunterschiede zwischen den Jahrgangsstufen waren dabei deutlich hörbar: Während die Drittklässler oft in der bläserfreundlichen Tonart B-Dur und innerhalb der Naturtonreihe unterwegs waren, verfügten die Viertklässler bereits über einen größeren Tonumfang, eine präzisere Intonation und ein ausgereifteres Zusammenspiel.
Begrüßt wurden die Bläserkinder und das Publikum von Michaela Ruoff, der Leiterin des Sport- und Kulturamts; die Moderation übernahm Klarinettenlehrerin Sandra Kaltenbrunn, die auch als Dirigentin des Jugendblasorchesters bekannt ist. Warum sind Musizierklassen pädagogisch so ungeheuer wertvoll? Sie fördern nicht nur musikalische Fähigkeiten, sondern auch Konzentration, Disziplin, Teamgeist, Selbstbewusstsein und die soziale Entwicklung.
Pädagogischer Mehrwert für die Gemeinschaft
Jedes Kind übernimmt eine wichtige Rolle im Gesamtklang und erlebt Erfolge unmittelbar in der vertrauten Gemeinschaft. Während einige Kinder nach der Grundschulzeit neue Wege gehen, finden viele hier ein lebenslanges Hobby und setzen den Instrumentalunterricht fort oder treten in einen Musikverein ein. Im Idealfall sieht man die Bläserkinder Jahre später wieder – in einer Blaskapelle oder im Jugendblasorchester der Musikschule.
