Musikschule in Bietigheim-Bissingen Der Weg zum passenden Instrument

Von Heidi Vogelhuber
Ralf Janßen unterrichtet an der Musikschule im Schloss in Bietigheim-Bissingen. Er ist dort Fachbereichsleiter für Holz- und Blechblasinstrumente sowie die Blockflöte. Foto: Martin Kalb

Wie findet man das richtige Instrument für sich oder sein Kind? Diese und weitere Fragen klärt die BZ mit Musiklehrer Ralf Janßen von der Musikschule im Schloss. Kommenden Samstag ist dort auch Tag der offen Musikschultür, wo Instrumente ausprobiert werden können.

Musikinstrument? Ja gerne, aber welches nur? Wie entscheidet man sich für ein passendes Instrument für sich oder für sein Kind? „Die meisten Kinder haben schon eine konkrete Vorstellung davon, welches Instrument sie gerne erlernen wollen“, berichtet Ralf Janßen. Er unterrichtet seit Jahren Musik an der Musikschule im Schloss in Bietigheim-Bissingen und ist dort Fachbereichsleiter für Holz- und Blechblasinstrumente sowie die Blockflöte.

Instrumente aus dem Umfeld

Zumeist kennen die Kinder das eine oder andere Instrument aus dem näheren Umfeld – sei es aus dem eigenen Haushalt oder von Freunden. „Wenn die Freundin ein Instrument spielt entsteht oft eine Gruppendynamik und das Kind möchte das gleiche Instrument erlernen“, sagt Janßen. Das sei aber streng genommen nicht die beste Herangehensweise. Janßen empfiehlt, an Schnuppertagen, wie dem Tag der offenen Musikschultür, der an diesem Samstag stattfindet, vorbeizuschauen und das Kind verschiedene Instrumente in die Hand nehmen, anhören und ausprobieren zu lassen.

Sogleich fällt Janßen eine Begegnung ein, die ihm im Kopf geblieben ist: Ein Junge kam beim Tag der offenen Tür in einen Raum, in dem ein Musiklehrer gerade die Klarinette vorstellte und etwas vorspielte. „Der Junge war sofort Feuer und Flamme und wusste genau, dass er genau dieses Instrument erlernen möchte“, so Janßen. Wenig später kam ein anderer Junge in den Raum und fing schlagartig an zu weinen. „Was für ein schrecklicher Klang“, äußerte sich der Junge. „Der Klang spielt eine große Rolle. Gefällt er mir, sagt er mir etwas, berührt er mich?“, sagt Janßen. Neben dem Klang spiele auch die Haptik und Optik eine große Rolle. Glänzt ein Instrument beispielsweise, erregt es sofort Aufmerksamkeit – und will ich das auch?

Charakter spielt eine Rolle

Für Kinder, die viel Bewegungsdrang verspüren sei sicherlich das Schlagzeug eine Option. Für etwas ältere Musikschüler spiele oftmals die Musikrichtung, die mit dem Instrument hauptsächlich gespielt wird, eine Rolle. Rock, Klassik, Jazz? „Auch ist die Frage wichtig, ob man in einem Orchester, Ensemble oder einer Jazz-Combo spielen möchte“, gerade das Gruppengefühl sei für viele ausschlaggebend. „Das macht richtig Spaß und gibt glänzende Augen in den Proben und vor allem bei den großen Konzerten“, berichtet Janßen.

Mythos Talent: Gibt’s das denn? „Talent ist gut, Üben ist aber besser“, sagt Janßen und lacht. So etwas wie „Talent“ zeige sich eigentlich erst im sehr fortgeschrittenen Stadium. Alles davor sei vor allem Interesse und Engagement.

Es gebe eigentlich auch kein „schweres“ Instrument, das eine oder andere sei am Anfang leichter zu erlernen, werde später dann komplizierter und andersherum. „Jedes Musikinstrument hat seine Tücken. Wichtig ist, dass man es spielen will und es mag“, so der Musiklehrer.

Und wenn die Motivation zum Üben doch mal fehlt? „Es gibt einen guten Trick, der nicht nur für das Erlernen von Instrumenten gilt: Einfach anfangen“, sagt Janßen. Die Vorstellung, 30 Minuten am Stück zu spielen sei oftmals ein unwahrscheinlicher Hemmschuh, sagt der Profi. Wenn man sich jedoch vornehme, jeden Tag nur fünf Minuten zu spielen, sei das schon ein guter Anfang.

„Meistens wird’s dann sowieso mehr, wenn man erst einmal angefangen hat und sein Instrument in der Hand hat. Aber auch wenn es bei den fünf Minuten bleibt ist das okay. Man hat sein Tagesziel erreicht und hat immer ein gutes Gefühl statt eines schlechten Gewissens.“

Auswahl der Musikstücke

Auch könne es hilfreich sein, sich anzuschauen, was man spielt. Wenn die Lust am Üben fehlt, liege es nicht selten an der Auswahl der Lektüre. „Es gibt beispielsweise Playalongs zum Mitspielen.“ Im Gespräch mit dem Lehrer oder der Lehrerin könne herausgefunden werden, was besser gefällt.

Ob man noch im fortgeschrittenen Alter anfangen kann, ein Instrument zu erlernen, bejaht Janßen. Es sei oftmals leichter, wenn man rechtzeitig beginne, aber auch später könne noch ohne Probleme ein Instrument erlernt werden – sofern der Wille und das Engagement da ist. In der Musikschule im Schloss gebe es beispielsweise eine Kooperation mit der Volkshochschule: „Take five“. Angeboten wird dabei ein flexibles Paket an Unterrichtsstunden für Erwachsene. Für alle unter 25 Jahren gibt es unterschiedliche Unterrichtsangebote.

Tag der offenen Tür – Viel los in der Musikschule im Schloss

Am Samstag, 24. September 2022 öffnet die Musikschule im Schloss Bietigheim-Bissingen ihre Türen. Zwischen 14 und 18 Uhr dürfen Kinder und Jugendliche jeden Alters und natürlich auch die Eltern, Großeltern und andere Besucher sich umschauen und informieren, was die Musikschule alles zu bieten hat.

Zeitgleich zum Tag der offenen Tür der Musikschule im Schloss von 14 bis 18 Uhr findet auch der Tag der offenen Tür der Kunstschule Labyrinth statt. Die Kunstschule Labyrinth zeigt Ausschnitte aus ihren Aktivitäten, Angeboten und Kursen. Es gibt zahlreiche Kunstwerkstätten zum Mitmachen sowie ein Bühnenprogramm mit Kindertanz, Zirkus, HipHop und Theater zum Zuschauen. Weitere Informationen unter www.kunstschule-labyrinth.de

 

 
 
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