MVZ Labor Ludwigsburg analysiert PCR-Tests „Wir arbeiten 20 bis 25 Prozent über der Kapazitätsgrenze“

Von Heidi Vogelhuber
Professor Dr. med. Julia-Stefanie Frick, Geschäftsführerin des MVZ

Labors in Ludwigsburg. Foto: Martin Kalb

„Wir arbeiten 20 bis 25 Prozent über der Kapazitätsgrenze“

Wir spüren einen erneuten deutlichen Anstieg an PCR-Tests. Uns geht es wie vielen Laboren, wir arbeiten 20 bis 25 Prozent über unserer Kapazitätsgrenze“, sagt Professor Dr. Julia-Stefanie Frick im Gespräch mit der BZ.

Die Fachärztin für Medizinische Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie hat gemeinsam mit Herrn Professor Dr. Rüdiger Braun die Geschäftsleitung des MVZ Labors in Ludwigsburg inne. Und das in einer arbeitsreichen Zeit. „Wir decken das gesamte Spektrum der Labormedizin und Infektionsdiagnostik ab“, erklärt sie. Blutprobenanalysen, Bestimmung des Hormonstatus sowie der Elektrolytwerte, aber auch Auswertungen von Rachenabstrichen sowie HIV-Diagnostik gehören zu den klassischen Aufgaben des Ludwigsburger Labors, das im Raum Ludwigsburg-Stuttgart mit niedergelassenen Ärzten und Krankenhäusern zusammenarbeitet.

Etwas ruhigerer Sommer

„Corona kam noch on top“, sagt Frick. Während die Probenanzahl während der Sommermonate geringer waren, steigen diese nun wieder deutlich an. Zudem steigt die Anzahl der Covid-19-positiven Proben an der Gesamtfallzahl an. Dies deutet auf eine Zunahme des Infektionsgeschehens in der Gesamtbevölkerung hin. In der molekularen Diagnostik, wo die PCR-Tests ausgewertet werden, arbeiten elf der insgesamt 200 Mitarbeitenden des MVZ Labors Ludwigsburg. Genaues, konzentriertes Arbeiten werde verlangt und das bei einem derzeit hohen Arbeitspensum, erklärt Frick und ist voll des Lobes für die Labor-Mitarbeiter. Derzeit werde mit vier Auswertungs-Geräten gearbeitet, es soll bald ein weiteres, größeres Gerät angeschafft werden. Eine kleine Entlastung gebe es bereits jetzt: Es müssen weniger Mutationsanalysen durchgeführt werden, da eigentlich nur noch die Delta-Variante kursiere.

„Das Befundergebnis liegt derzeit in den meisten Fällen innerhalb von 24 Stunden vor“, sagt Frick. Sind die Proben erst da, kann die Probenanalyse beginnen. „Wir arbeiten in ungefähr 100er-Gebinden“, erklärt die Leiterin des MVZ-Labors.

100 Proben pro Vorgang

Das heißt 100 Abstrichtupfer werden in einem Vorgang bearbeitet. Kommen trockene Abstrichtupfer an, müssen diese erst einmal in Flüssigkeit aufgelöst werden. Jedoch schicken 95 Prozent der Kunden die Tupfer bereits in Flüssigkeit, das spare Zeit. Auf Platten werden dann die Proben aufgebracht. Beim PCR-Verfahren (Polymerase-Kettenreaktion; polymerase chain reaction) wird das Erbmaterial des Virus immer wieder verdoppelt. Durch diese Vervielfältigung kann das Virus nachgewiesen werden, auch wenn erst wenige Erreger vorhanden sind, weshalb man von einer hohen Sensitivität des Verfahrens spricht. Daraus ergibt sich eine hohe Treffsicherheit beim Nachweisen des Virus. Zudem wird gezielt nur das Erbmaterial des Coronavirus SARS-CoV-2 vervielfältigt. Der Test hat damit eine hohe Genauigkeit im Nachweis des gewünschten Virus.

Das Gerät erstelle dann Kurven, aus denen der sogenannte Ct-Wert abgelesen werden kann. „Wir beobachten, dass der Ct-Wert mittlerweile deutlich niedriger ist als zu Beginn der Pandemie“, erklärt die Leiterin des MVZ Labors Ludwigsburg, was bedeutet, dass Erkrankte eine hohe Viruslast tragen. Die Übermittlung des ausgewerteten Ergebnisses erfolgt dann digital, bei vorliegender Einwilligungserklärung über die Corona Warn App.

PCR-Tests sind sehr genau, dauern aber länger. Antigen-Schnelltests sind dahingehend weniger genau, bieten allerdings den Vorteil, dass sie einfach und schnell durchführbar und kostengünstiger sind. Die Genauigkeit der Antigenschnelltests kann gesteigert werden, indem man häufiger beziehungsweise ganze Gruppen testet, wie dies derzeit in Schulen der Fall ist. Frick betont: „Unabhängig davon, welcher Test durchgeführt wird, gilt: Auch bei einem negativen Testergebnis gelten die AHA-L-Regeln, die einen wirksamen Schutz darstellen.“

 
 
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