Nach Familientragödie in Vaihingen Trauer und die Frage nach dem Warum

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An der Enz haben Menschen Symbole der Trauer aufgestellt. Foto: mba

Im Falle des Todes einer Eritreerin und ihrer Kinder wehren sich die Stadt Vaihingen und der AK Asyl gegen implizite Vorwürfe.

Eine Woche nach dem Tod einer 28-jährigen Eritreerin und ihrer beiden drei und sieben Jahre alten Töchter in der Enz bei Vaihingen sitzt der Schock bei vielen Menschen noch tief. Am Geländer der Enzbrücke in der Auricher Straße werden die Symbole der Trauer immer mehr: Kerzen, Blumen, Plüschfiguren. Aber auch Plakate, die die Frage stellen, warum soziale Einrichtungen, Kirchen und Sozialarbeiter die Tat nicht verhindert haben.

Der implizite Vorwurf, sich nicht ausreichend um die Geflüchteten zu kümmern, treffe die Flüchtlingsbeauftragten der Stadt hart, sagt OB Gerd Maisch. Sie machten ihre Arbeit „sehr, sehr gut“. Der Tod sein nicht vorhersehbar gewesen. Die Vorwürfe machten das Ganze freilich noch schlimmer. Die Stadt habe allen psychologische Unterstützung angeboten. An der Schlossbergschule, die das ältere Mädchen besuchte, habe man mit den Lehrkräften Vorbereitungen getroffen, um die Schüler mit dem Geschehenen nicht allein zu lassen.

Auch AK Asyl wehrt sich

Die Plakate an der Enzbrücke gehen auch Olaf Büscher, Leiter des Arbeitskreises Asyl in Vaihingen, nahe. Der AK habe schließlich das Ziel, „Integration möglich zu machen, zu erleichtern und schwere Krisen zu verhindern“. Dafür brächten sich die Ehrenamtlichen gemeinsam mit professionellen Sozialarbeitern „mit unglaublichem Einsatz und hohem persönlichen Engagement“ ein. Den Vorwurf, die Helferinnen und Helfern hätten versagt, möchte er nicht so stehen lassen. Man vergesse, „dass die dringend notwendigen persönlichen Kontakte, Gespräche und zum Beispiel Familienbesuche unter Corona-Bedingungen einfach nicht möglich sind.“ Selbst unter besten Bedingungen sei es „kaum zu leisten“, die alltäglichen Probleme für die vielen Bedürftigen „zufriedenstellend zu regeln“. Zudem sei es „nicht für alle selbstverständlich, dass man seine Sorgen einem Fremden ausbreitet“.

Für Außenstehende sei es kaum vorstellbar, was die Menschen auf der Flucht erlebt haben. „Post-traumatische-Belastungsstörungen (PTBS) sind in ihrer Schwere und unendlich fatalen Auswirkung vielen Betroffenen selber nicht bewusst, führen aber zu katastrophalen Verhaltensweisen. Wie sonst könnte eine Mutter, die eine sehr gute Bleibeperspektive hatte und deren Familienzusammenführung realistisch war, erst beide kleinen Kinder und dann sich selbst töten? Und wie sollen das die Sozialarbeiterinnen, Integrationsbeauftragten und Ämter erkennen?“, fragt der Leiter des AK Asyl. Die Polizei geht übrigens weiter von einem sogenannten erweiterten Suizid der Mutter aus.

 
 
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