Nach Unfall in Sachsenheim Heikle Bergung eines havarierten Mülllasters

Von Susanne Mathes
Mithilfe von gleich zwei Raupen kommt der tonnenschwere, umgestürzte Mülllaster wieder auf die Räder. Foto: Andreas Rosar

Äußerst schwierig hat sich die Bergung des Müllwagens gestaltet, der am Mittwochnachmittag in Sachsenheim eine Böschung hinabgestürzt war. Und dann musste auch noch die Polizei anrücken.

Sachsenheim - Mit skeptischen Blick verfolgt Gerda Bücking, was die beiden großen Raupen in der zerfurchten Wiese am Ufer der Metter gleich bewerkstelligen sollen: das wie ein gestrandeter Wal daliegende, mit Hebeseilen umschnürte, rund 25 Tonnen schwere Müllfahrzeug zu heben, das seit Mittwochnachmittag im Graben liegt.

„Mein Mann sagt schon lange, irgendwann kippt da mal einer runter“, sagt die Sachsenheimerin mit Blick auf das schmale Anwohnersträßchen, das in Richtung Mühle führt. „Wir fahren da oft mit dem Fahrrad, es ist abenteuerlich: uneben, schräg und Schlagloch an Schlagloch.“ Früher sei ein kleineres Müllauto gekommen, der Fahrer habe die Strecke gekannt und einschätzen können. Doch zum Jahreswechsel hat der Müll-Entsorger gewechselt, der Abfall wird jetzt vom Abfuhrunternehmen Alba eingesammelt.

Der Fahrer ist auf dem Weg der Besserung

Genau unter die Lupe nehmen das Geschehen und die Beschaffenheit des Sträßleins auch Benjamin Seppich und Michael Pfrommer von der Präventionsabteilung der Berufsgenossenschaft Verkehr. „Uns geht es darum, aus solchen Unfällen zu lernen, damit so etwas nicht noch einmal passiert, und zu schauen, was man verbessern kann“, sagt Seppich. Ein Fahrzeug, das 2,50 Meter breit sei, auf einer 2,70 Meter breiten Straße von dieser Beschaffenheit – das sei problematisch. Das am Hang gelegene Sträßlein fällt Richtung Metterufer ein bis zwei Meter ab. Dort war das zum Teil beladene Fahrzeug am Mittwoch hinuntergekippt.

„Der Fahrer hat Gott sei Dank nur leichte Verletzungen erlitten und erholt sich gerade vom Unfall“, berichtet Alba-Pressesprecherin Susanne Jagenburg, „Er ist aber wohlauf. Er war nicht allein unterwegs, sondern gemeinsam mit einem so genannten Lader, der körperlich unversehrt geblieben ist, allerdings einen leichten Schock erlitten hat. Für die beiden Männer sei es die erste Tour auf dieser Strecke gewesen: „Wir sind seit dem 3. Januar in diesem Gebiet unterwegs, die Leerung erfolgt in der Regel 14-tägig.“ Zur Schadenshöhe an dem neuen Entsorgungslastwagen könne man noch nichts sagen: „Da müssen wir die weiteren Untersuchungen abwarten.“

Zu nah an der Böschung

Für die Bergung des Fahrzeugs ist ein Pforzheimer Unternehmen mit viel schwerem Gerät angerückt. Das Unterfangen ist herausfordernd: Der Platz, um das Fahrzeug ohne größere Beschädigungen auf dem schmalen Grünstreifen zwischen der Metter und dem Sträßchen aufzurichten, ist knapp bemessen. Ein alter Baum muss gefällt, mehrere Äste der Bäume im Uferbereich abgesägt werden, damit die Raupen überhaupt an den Unfallort herankommen.

Die Arbeiter des Abschleppunternehmens graben unter dem gekippten Auflieger Erdreich weg, um Druckluft-Hebekissen in die Hohlräume einzubringen, das Fahrzeug sukzessive hochzuwuchten und schließlich Seile darunter hindurchziehen zu können. Nach mehreren Stunden wird der Müll-Lkw ein Stück weit Richtung Metter gezogen – er liegt zu nah an der Böschung, um an Ort und Stelle aufgerichtet werden zu können – und dann, gegen 13.30 Uhr, schließlich hochgehievt und unter Beobachtung mehrerer frierender Schaulustiger auf die Räder gestellt.

Doch die beiden Berufsgenossenschafts-Vertreter, die das Geschehen beobachten, haben Beanstandungen in puncto Arbeitssicherheit. Es kommt zu Meinungsverschiedenheiten mit dem Abschleppunternehmen, schließlich rufen die Genossenschaftler die Polizei dazu. Dann gehen die Arbeiten weiter. Abtransportieren kann man das Gefährt nicht über die Böschung: Es muss erst rund 150 Meter der Metter entlang über die nach diesem Tag ziemlich malträtierte Wiese manövriert werden, wo der Abschleppwagen wartet.

Nach dem zwei Tage andauernden Kraftakt kann der Entsorgungslaster dann schließlich doch geborgen werden. „Der Auftrag ist abgeschlossen, das Fahrzeug steht jetzt in der Werkstatt“, bestätigt das Abschleppunternehmen.

 
 
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