Nachfahrentreffen Freudental Ein ganz besonderes Familientreffen

Von Gabriele Szczegulski
Barbara Rubin (links) und ihre Nichte Elisheva Rubin trafen sich in Freudental wieder. Foto: /Gabriele Szczegulski

Im Freudentaler Rathaus begrüßte Bürgermeister Alexander Fleig 20 jüdische Gäste aus mehreren Familien.

Familie Rubin ist als zahlenmäßig größte Familie von Nachfahren ehemaliger jüdischer Bewohner nach Freudental gekommen: neun Familienmitglieder, inklusive zwei Kindern – Nachfahren der ehemaligen Freudentaler Jüdin Margot Stein. Bis Sonntag findet in Freudental das von der Gemeinde, dem Pädagogisch-Kulturellen Centrum Ehemalige Synagoge (PKC) und dem Arbeitskreis Erinnern und Gedenken organisierte zweite Nachfahrentreffen statt. Am Donnerstagabend begrüßte Bürgermeister Alexander Fleig die 20 Nachfahren und eröffnete die Ausstellung mit Werken von David Rubin.

„Wo Bäume sind, ist auch Margot Stein“

David Rubin ist ein Sohn von Margot Stein, die 15-jährig unter dramatischen Umständen aus Freudental flüchten musste, um den Nazis zu entkommen. Sie floh in die USA, emigrierte später nach Israel. „Meine Mutter ist nie mehr nach Freudental gekommen, das konnte sie nicht“, so David Rubin. Aber sie erzählte viel von der Heimat, von den Wäldern, die Freudental umgeben, so Rubin. In Rubins Werken, die nun unter dem Titel „Returning to Freudental“ – „Zurück in Freudental“ im Rathaus hängen, sind Bäume ein zentrales Motiv, das der Sohn mit seiner Mutter – und Freudental – verbindet. „Wo Bäume sind, da ist auch Margot Stein“, sagt Steffen Pross, der in die Ausstellung einführt und der mit seinen „Freudentaler Adressbüchern“ den Anstoß dazu gab, Kontakte zu den Nachfahren Freudentaler Juden zu knüpfen. In dem Werk „The Dark Angels of Freudental“ verarbeitet Rubin die Flucht seiner Mutter, aber gibt auch Hoffnung auf ein „neues Licht“, wie er sagt.

David Rubin ist aus den USA nach Freudental gekommen, genauso wie seine Schwester Barbara Rubin. Sein Bruder Mark Rubin ist aus Israel angereist, er wohnt mit seiner Familie an der Grenze zum Libanon. Er ist im Alter von 25 Jahren nach Israel ausgewandert. Das erzählt Mark Rubins Tochter Elisheva Rubin, die mit Mann Yonatan und ihren beiden Kindern aus Israel dabei ist und sich freut, ihre Familie in Freudental zu treffen.

„Freudental ist

unsere Familienwurzel“

Vor 25 Jahren, als junges Mädchen, war sie schon einmal hier. „Freudental ist unsere Familienwurzel“, sagt sie im Gespräch mit der BZ und: „Ich bin den Freudentalern so dankbar, dass sie uns immer wieder so herzlich aufnehmen, dass sie zwar damit nicht vergessen machen, was meiner Großmutter passierte, aber die Geschichte aufarbeiten und eine Brücke schlagen für uns, hierher zu kommen. Das ist mutig von den Freudentalern“.

Elisheva Rubin nutzt ihren Aufenthalt in Deutschland auch, um die deutsche Staatsangehörigkeit zu beantragen. Die Freudentaler hätten ihr gezeigt, dass man in Deutschland wieder leben kann. Zwar fühle sie sich als Israelin, aber „im Moment fühle ich mich in Israel nicht wohl, ich kann nicht mit dem leben, was dort passiert, mit dem Hass und der Gewalt, und ich will auch nicht, dass meine Kinder in einer so toxischen Umgebung aufwachsen, sie haben dort keine Zukunft“. Deswegen überlegt die Familie in naher Zukunft nach Deutschland überzusiedeln. Elisheva Rubin hält im Rathaus Freudental eine berührende Rede. „In Freudental erfahren wir Hoffnung und Glaube an eine gute Zukunft, damit haben die Freudentaler Israel einiges voraus, dort regiert Hass“, sagt sie.

 
 
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